Pürgg – zu Besuch im steirischen Kripperl: Georgskirche, Katharinenkapelle und das Johanneskircherl

Ende Februar, Anfang März 2017 war ich für eine intensivere Therapie in Bad Mitterndorf und habe die Auszeiten zwischen den Behandlungen zu einem Besuch in Pürgg, dem steirischen Kripperl genutzt.
Den kleinen steirischen Ort Pürgg kenn ich schon länger, war auch schon 2-3 mal da, Sommers wie Winters, und diesmal eben im beginnenden Frühjahr. Die Ortschaft ist zauberhaft – ein romantisches Dörfchen, „verschlafen“ im positiven Sinn, mit wunderschönen, uralten Häusern, dem grimmigen Grimming als Wächter und dem Ennstal zu Füßen.

Pürgg – das steirische Kripperl

Die touristisch intensivste Zeit ist im Winter, rund um Weihnachten, und das merkt man, speziell wenn man zu einer anderen Jahreszeit hereinschneit. 

Der Ausdruck „Steirisches Kripperl“ bzw. „das Kripperl der Steiermark“ stammt übrigens von Peter Rosegger. Damit meinte er ursprünglich die Landschaft und die besondere, geborgene Lage des Ortes, harmonisch eingebettet in einer Mulde. Später kam dann mit dem Weihnachtsmarkt auch eine Krippenausstellung dazu, die mittlerweile für sich selbst eine Attraktion darstellt: Eine Landschaftskrippe, die in einem Nebengebäude des Hofes der Familie Fahringer zu sehen ist. Seit den 50ern des letzten Jahrhunderts finden sich hier Krippen aus der Gegend, die zu einem großen Panorama vereint wurden.

Der kleine Ort ist berühmt für seinen Weihnachtsmarkt, der sich über die ganze Ortschaft verteilt. Entsprechend ist dann auch das Aufgebot an Gästen, die großteils in Bussen kommen.
Die Parkplätze sind dann weit außerhalb des Dorfes, bei besonders großem Andrang parkt man unten bei der Bundesstraße und wird mit einem Shuttle-Bus nach oben gebracht.
Auch wenn das nun nach Massenabfertigung klingt: es hat durchaus seinen Reiz. Ich mag sowas normalerweise gar nicht und habe mich regelrecht überreden müssen im Winter hinzufahren. Aber es war wunderschön und trotz der vielen Menschen stimmungsvoll. Man muss sich eben darauf einstellen, dass viele Leute um einen sind.

Dennoch: Besser gefällt es mir hier, wenn der Ort in seinen „Normalzustand“, der eigentlich ein umgekehrter Winterschlaf ist, versunken ist.
Dann schwingt ein ganz besonderer Zauber durch Pürgg, der Grimming brummt herüber und klingt dann gar nicht sooo grantig, und beim Blick über das Ennstal weitet sich nicht nur der Blick, sondern auch das Herz.

Neben dem alten Ortsbild und dem wildromantischen Charme der steirischen Berge, beherbergt der Ort aber noch zwei spezielle Kraftplatz-Schönheiten: Das Johanneskirchlein, eigentlich eine Kapelle, und die Georgskirche, wo im oberen Stock die Katharinenkapelle zu finden ist.

Die Johanneskapelle von Pürgg

Das kleine Kirchlein steht sepparat, aber noch im Ortsverbund, auf einem Hügel am Rande des Ortes. Ein paar Stiegen führen hinauf und an kalten Tagen sollte man sich warm anziehen – der Wind bläst rauh. Das Kirchlein trotzt ihm schon seit vielen hundert Jahren. Aktuell (2017) wird es renoviert. Diesmal etwas sanfter als bei den ersten Malen und man hat sogar mit Rückbauten begonnen. So wurde der, in der Barockzeit herausgebrochenen, westliche Eingang wieder zugemauert und man betritt die kleine Kirche nun wieder so, wie es von Haus aus geplant war, nämlich durch das westliche Tor.

Das kunsthistorisch Besondere an der Johanneskapelle von Pürgg sind die romanischen Fresken aus dem 12. Jahrhundert, mit der die Kirche im Inneren über und über verziert ist.Es sind übrigens die ältesten romanischen Fresken im Alpenraum. Ein gewaltiges, biblisches Bilderbuch für Erwachsene. Besonderes Highlight ist die Darstellung des Katzen-Mäuse-Krieges, der auf den Aesopischen Tierfabeln der Antike.
Und dann gilt die kleine Kirche noch als besonderer, uralter Kraftplatz – ein weit bekannter „Geheimtipp“ für Radiästheten und geomantisch Interessierte.

Ich habe die Johanneskapelle schon mehrfach besucht, erstmals 2012, und den Renovierungsprozess fortschreiten sehen. Im Frühjahr 2017 habe ich dann das Glück gehabt, ganz allein in der Kirche zu sein – doppeltes Glück, denn ich war unter der Woche da und die kleine Kirche ist in den Wintermonaten nur am Wochenende offen. Mein Besuch war am 2. März und der März zählt zu den Frühlingsmonaten, somit war der Raum auch wieder unter der Woche zugänglich.

In einen Kraftplatz hineinzuspüren ist leichter, wenn man Ruhe und Zeit hat und möglichst wenig Leute rundum sind. Ich hatte also ideale Verhältnisse.
Fast – denn man spürt schon sehr, dass durch die Renovierung einiges in Veränderung ist und der Ort noch lange nicht (wieder) in seiner Mitte angekommen ist. Doch im Vergleich zu meinem ersten Besuch 2012 ist ein großer Fortschritt, im Sinne einer Verbesserung, zu spüren (damals war allerdings der Fußboden gerade aufgebrochen, es war Winter – als viele Menschen – und die Ausführungen der jungen Führerin waren … nun ja, nicht so nach meinem Geschmack ;)

Die Kirche ist winzig, vor allem im Vergleich zur Georgskirche im gleichen Ort. Aber sie strahlt eine ruhige, beständige Hoheit aus und man fühlt sich geborgen. Die romanischen Fresken haben ihren eigenen Reiz und ich gestehe: Ich bin diesbezüglich befangen – ich liebe diese Stilepoche! Die Farben sind erdig, bunt und fröhlich, die Gesichter meist freundlich und die Geschichten, die erzählt werden, klar, aber niemals einfältig. Es stecken soviele Botschaften und Symbole in den Szenen. Wie in einem mittelalterlichen Stundenbuch kann man sich hier lange verlieren, ins innere Philosophieren kommen und entdeckt bei jedem Besuch ein neues Detail.
Während draußen der Wind bläst, versinkt man im Inneren der Kirche in einen Dialog – mit sich selbst, mit dem Ort, mit dem, was in den Bildern steht und was sich aus dieser besonderen Mischung einzigartiges ergibt.
Das Zumauern des westlichen Eingangs hat der Kirche energetisch gut getan. Als wäre ein Wunde geschlossen worden. Leider sind große Teile der Fresken durch die Umbauarbeiten in den Jahrhunderten davor zerstört worden. Auch die Empore ist nicht mehr da, man sieht nur anhand der Fresken, wo die Treppe war.

Sehr spannend sind die kufischen Zeichen im Bogen über dem Altarraum. Mystisch und unerklärlich. Aber je länger man sich im Raum aufhält, umso logischer erscheint es einem, dass sie hier sind. Wenngleich man diese Logik mit dem Verstand nicht erklären kann – aber man spürt, dass es stimmt. Diese kufischen Zeichen wurden primär als Designelement verwendet. In der Übersetzung bedeutet sie soviel wie „Allah“ – und das in einer christlichen Kirchen ;-)

Die Kirche ist dem Hlg. Johannes gewidmet und auch wenn sie sehr lieblich ist, merkt man, dass der Platz eindeutig männlich ist. Auf eine sanfte, abgeklärte Weise – die man nicht unterschätzen sollte. Es liegt viel Macht hier und die Bereitschaft, sie zu verteidigen.
Starke Geomantien tun ihr übriges um die Energie auf diese besondere Weise zu individualisieren.

Ich bin schon gespannt, wie die Kirche sich zeigen wird, wenn die Renovierungsarbeiten erledigt sind und hoffe sehr, dass man auf die baulichen, überlieferten Besondernheiten und besonders die mit Sicherheit hier verborgenen Dombauhüttengeheimnisse Rücksicht nimmt.

Für eine längere „Untersuchung“ des Platzes war mir ein wenig zu kalt und ich hatte auch den Eindruck, dass der Platz selbst noch nicht soweit ist, sich ganz zu zeigen – „Rekonvaleszent“ ist das Wort, dass mir in den Sinn kam. Er erholt sich und ich habe versprochen wieder zu kommen.

Die Georgskirche

Knapp 10 Gehminuten westlich von der Johanneskapelle entfernt, einmal quer durch den Ort, am anderen Ende, steht die trutzige und sehr massive Georgskirche. Hier herrscht ein andere Wind, zwar auch rauh, aber ein wenig geschützter als drüben, am Hügel bei der kleinen Kirche.
Die Energie ist gänzlich anders und so klein und klar die Johanneskapelle ist, so verwinkelt, groß und mit vielen unterschiedlichen Einflüssen versehen ist die große Georgskirche.
Ein Verbindungsgang zum benachbarten Pfarrhof fällt als erstes auf – so konnte man auch an Schlechtwettertagen trockenen Fußes in die Kirche marschieren. Der Gang endet in der sog. Frauenkapelle, die oberhalb des Kirchenraumes liegt.

Rund um die Kirche liegt der Friedhof, mit einer traumhaften Aussicht auf den schon erwähnten Grimmung und das Tal der Enns. Idyllisch, mit Wehmut und Melancholie versehen, aber definitiv haben die hier Liegenden einen herrlichen Ausblick (ob sie ihn genießen können?).
Es gibt einige bauliche Adaptionen, die meiner Meinung nach besser gelöst hätten werden können – aber, wie in den meisten Fällen, muss man auch hier ein Mittelding zwischen dem Erhalt der ursprünglichen Substanz und modernen Sicherheitsbestimmungen finden.
Der Kompromiss ist gut. Nicht optimal, aber gut.

Zugleich finden sich viele bauliche, ursprüngliche Besonderheiten – wie der einsehbare Karner und diverse Nischen mit Symbolen.

Der Eingang ist spannend. Links ist die Krypta der Herrschaftsfamilien der Gegend, sehr gepflegt, prunkvoll und sie wirkt in ihrer klaren Reinheit wie ein abgehobener Fremdkörper. Elegant – und ein krasser Widerspruch zur rustikalen, angenehm erdigen Umgebung, die sich deutlich stimmiger anfühlt. Wenn man will, kann man hier durchaus ins Grübeln kommen und die örtliche Geschichte auf optisch-emotionaler Ebene nachfühlen.

Das eisenbeschlagene Tor der Georgskirche ist eine Besonderheit für sich – die Schnörksel, Spiralen und Muster wirken auf den ersten Blick logisch, dann völlig chaotisch und je länger man sie betrachtet, desto mehr verliert man sich in ihnen – ein weiteres mystisches Kunstwerk aus der Romanik.

Das Innere der Kirche wirkt dicht, um nicht zu sagen vollgestopft. „Klassisch“, weil in vielen Kirchen so zu finden, hier aber dennoch eine Spur intensiver. Durch die Jahrhunderte haben die hier Lebenden versucht ihre Spuren zu hinterlassen, dem Ort ihren persönlichen Stempel aufzudrücken und zu prägen. Da sind dann naturgemäß auch einige Widersprüchlichkeiten entstanden, die den ursprünglichen, energetischen Grundgedanken überlagern.
Im Vergleich zur Johanneskapelle ist die Energie im Kirchenraum unten schwer, fast drückend. Die niedrige Decke beim Eingang, direkt unterm Glockenturm, tut das das ihre dazu und gibt einem das Gefühl, man begibt sich eher in eine Höhle. Da die Kirche dem Hlg. Georg gewidmet ist, kommt der Gedanke an eine Drachenhöhle auf … und man beginnt unbewusst den Hort zu suchen, der hier wo liegen muss.

Ich war einen Tag nach Aschermittwoch da, insofern kann es auch ein wenig daran liegen.
Als ich das erste Mal hier war, war die Stimmung ähnlich und ich habe mich gefragt, warum ein lieber Freund mir so dringend geraten hat, diese Kirche aufzusuchen. Spannend, zweifellos, aber um es ehrlich zu sagen: Nicht so besonders anders als viele andere Kirchen auch. Bis ich den Aufgang ins Obergeschoß entdeckte und mich erinnerte, dass besagter Freund mir geraten hatte, nach oben zu gehen.
Und so habe ich zum ersten Mal eine mehrstöckige Kirche entdeckt: Zu ebener Erd` der klassische Gemeinschaftsraum, für die „üblichen“ Feiern der Gemeinschaft. Ein Stockwerk höher dann die Frauenkapelle, die schon ein wenig anders ist und auch einen sehr interessanten Reiz hat. Aber das wahre Kleinod liegt direkt unter der Turmstube:

Die Katharinenkapelle

Ein kleiner, fast quadratischer Raum, gleichfalls mit diesen bezaubernden romanischen Fresken versehen – großteils Szenen aus dem Leben der Hlg. Katharina. Und wenn man sich die genauer ansieht (die Szenen ;), dann muss ich das Wörtchen „bezaubernd“ flugs revidieren – da gehts um Hardcore-Grausamkeiten, die man in dieser künstlerischen Version nur in den christlichen Heiligen-Schauergeschichten findet. Die Hlg. Katharina war eine frühe Christin und Meisterin der Redekunst und Philosophie. Da sie mit ihrer brillianten Argumentationsmethode selbst die gewieftesten Berater des Kaisers, nebst dessen kluger Gemahlin, überzeugte, wurde sie gefoltert und starb schlussendlich den Märtyrertod.

Auf den ersten Blick dominiert das zarte Orange-Braun, die Rottöne, die objektive Friedlichkeit des Raumes … eine gänzliche andere Stimmung als zwei Stockwerke tiefer. Leichtigkeit, aber weiblich, sanft, harmonisch und friedlich – wenn auch mit dieser ganz eigenen Melancholie, die man schon in der Johanneskapelle spürt. Nicht Resignation, sondern innerer Friede – was immer war, man hat sich damit arrangiert, keine offenen Gräben, es ist gut wie es ist. 

Radiästhetisch hat die kleine Kapelle gleichwohl mindestens so viel zu bieten, wie die Kirche als ganzes und ist diesbezüglich der Johanneskapelle absolut ebenbürtig. Und je länger man da hineinspürt, umso mehr fühlt es sich an, als wären die beiden Kapellen zwei Teile eines großen Ganzen.

Eine weitere Besonderheit dieses Ortes, ist ein Lichtwasserpunkt, der sich fast zentral im Raum befindet. Nicht eingezeichnet, aber ich denke wer ein wenig sensibel ist, wird ihn finden. Wer hier eine Glasflasche mit Wasser hinstellt und ein paar Minuten wartet, der nimmt „informiertes“ Heilwasser mit, das sogar reproduzierbar ist. Wie das geht, kann man im Buch „Lichtwasserorte in Mitteleuropa: Heilendes Wasser von hundert Orten der Kraft“ lesen. Lichtwasserorte müssen nicht zwingend Orte sein, wo Wasser aus der Erde tritt. Es können auch Plätze mit einer besonderen Qualität sein, eben besagter Lichtwasserqualität, die sich auf ein dort platziertes Wasser überträgt. Hinzu kommen dann noch ortsspezifische Besonderheiten – so ist das Pürgger Lichtwasser angeblich hilfreich bei Entzündungen im Verdauungstrakt und Erkrankungen der Atemwege. 

So reizvoll der kleine Raum ist, lange hält man es hier nicht aus. Nach relativ kurzer Zeit war ich „voll“. Zeit sich zu bedanken und wieder in auf die unteren Ebenen hinabzuschweben … ganz profan, via Stiegenhaus.

Unten angekommen war es dann sehr angenehm, den dunklen, erdigen Raum zu spüren, er hilft beim Landen und wieder Erden. Ein letzter Rundgang durch das Innere, dann eine Runde um die Kirche draußen und dann will man irgendwo ins Warme, zum Nachspüren und Weitererden – bei einem guten Essen.

Mein Glück war damit aber erledigt, alle Gasthöfe im Ort waren entweder geschlossen oder im Umbau. Also ab ins Auto und die Erdung an einem anderen Ort nachholen.

Das steirischen Kripperl ist auf jeden Fall einen Besuch wert und wer in der Gegend ist, egal zu welcher Jahreszeit, sollte es sich nicht nehmen lassen, dem Ort seine Aufwartung zu machen. Es lohnt sich in mehrfacher Hinsicht, wenn man sich dafür ausreichend Zeit nimmt.

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