Die stillende Isis vom Frauenberg

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Das Tempelmuseum am Frauenberg ist um eine Sensation reicher: Kurz vor dem diesjährigen Abschluss der Grabungsarbeiten wurden zwei aufsehenerregende Funde gemacht – zwei Statuen der stillenden Isis (Isis lactans), datiert auf das erste Jahrhundert nach Christi Geburt.

Die Funde sind deshalb so spannend, weil damit ein wichtiger Beweis für die Theorie rund um die Nutzung des Frauenberg Areals als Isis-Heiligtum erbracht wurde. War man bisher nur von einer sehr stichhaltigen Vermutungen ausgegangen, sind die kleinen Statuen nun die Manifestation dieser Theorie: der Frauenberg ist ein uraltes Isis Heiligtum.

Die stillende Isis – eine weibliche Kraftfigur seit Urzeiten

Isis, die ägyptische Göttin der Liebe, die auch als Gottes- und Sonnenmutter verehrt wurde, ist in ihrer klassichen Darstellung vermutlich die Basis des Marienkultes in unserer christlichen Zeit.
Die Geschichten ähneln sich: Isis ist die Schutzgöttin der Schwachen und all jener, die leiden, krank sind und Sorgen haben. Sie ist eine der ältesten Muttergöttinnen und gleichzeitig hat sie auch den jungfräulichen Aspekt und den der weisen Alten, denn sie gilt auch als Göttin der Magie. Die alte magische, weibliche Triade zeigt sich intensiv auch im Isis-Kult und den Darstellungen der Göttin.

 

Im Osiris Mythos fungiert Isis auch als Totengöttin und vermag auf Grund ihrer magischen Fähigkeiten und der Liebe zu Osiris diesen zumindest kurz aus dem Reich der Toten zu befreien. Sie setzt seinen zerstückelten Leichnam wieder zu einem ganzen zusammen. Den Penis, der nicht auffindbar war, ersetzt sie durch einen aus Gold. Ihr Bemühungen haben umfassenden Erfolg, den in weiterer Folge bringt sie Horus, den Sohn des Osiris, zur Welt. Osiris wird zum Herrscher über das Totenreich erklärt, Horus wird Königsgott, ein Sonnen/Lichtgott, der auch als Beschützer der unschuldigen Kinder gilt.

Die Statue der stillenden Isis, der Isis lactans, zeigt sie mit dem Horusknaben im Arm – die göttliche Mutter mit dem Gotteskind. Ähnlichkeiten mit Maria, der Mutter Gottes, und dem Jesukind auf dem Arm sind sicher nicht rein zufällig. Es gibt einige Darstellungen, teils sehr frühe, wo man Maria mit Jesus an der Brust sehen kann. War es im frühen Mittelalter noch so, dass das Bild der stillenden Mutter, die innige Verbindung, einfach als liebevoller, natürlicher Vorgang betrachtet wurde, bekam die Darstellung in späteren Zeiten eine zusätzliche Mystifizierung: Der göttliche Jesus tritt durch Marias Brust und das Stillen mit der Menschheit in Verbindung – der Stillvorgang als Teil der Menschwerdung des göttlichen Prinzips, sozusagen.
Hier eine stillende Marien-Darstellung, die ins 12./13. Jahrhunder datiert ist: Maria lactans.

Die Isis-Statuetten vom Frauenberg zeigen beide Male die „klassische“ Mutter-Kind-Pose. Jedoch einmal mit einem Wickelkind im Arm der göttlichen Mutter, das andere Mal mit dem älteren, sitzenden Horusknaben am Schoß.
Die Statuetten wurden beide ohne Kopf aufgefunden. Man hofft nun in weiteren Grabungen noch auf die restlichen Stücke der Figuren zu stoßen, so dass ein ganzes Bild entsteht. Vermutlich kamen sie im vierten Jahrhundert n. Chr. bei der Zerstörung des römischen Tempels zu Schaden.

IsistempelVorgaenger_FrauenbergNeben den beiden Statuen wurde aber auch ein Vorgängertempel des späteren Isistempels gefunden, Er ist auf das mittlere erste Jahrhundert n. Chr. datiert und weist, laut Dr. Bernhard Schrettle, dem Grabungsleiter am Frauenberg, einheimische (regionstypische) Züge auf.

Die Isis-Statuen sollen schon im kommenden Jahr in der Ausstellung zu besichtigen sein, ein weiterer Grund dem Tempelmuseum einen Besuch abzustatten. Der Frauenberg ist als Ganzes ist ein sehr stimmiger und harmonischer Kraftort, der viel zu bieten hat, nicht nur für Frauen und nicht nur für Archäologie-Interessierte.

Blick von der Apsis zur Wallfahrtskirche

Blick von der Apsis zur Wallfahrtskirche

Weitere Informationen und Bilder rund um die aktuellen Isis-Funde und die Geschichte des Frauenbergs gibt es hier, in der Presseinfo von Dr. Bernhard Schrettle:
Isis Noreia – norisch römisches Heiligtum Frauenberg

Hier ein Nachbericht einer Sendung im steirischen ORF, der über die archäologische Sensation berichtet hat:
1.900 Jahre alte Skulptur bei Leibnitz gefunden

Weitere Infos rund um das Tempelmuseum und die Heiligtümer am Frauenberg gibt es hier: Der Isistempel am Frauenberg

Und natürlich direkt vor Ort: Tempelmuseum Frauenberg

Bilder der Isis-Statuen und des Tempelgrundrisses zur Verfügung gestellt von Dr. Bernhard Schrettle – an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank für die Fülle an Informationen!

 

Anfahrtsplan Tempelmuseum Frauenberg

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