Samhain – Halloween – Allerheiligen & Allerseelen

SonneaufgangHerbst20113 - Samhain - Halloween - Allerheiligen & Allerseelen

Samhain war und ist der alte, keltische Name dieses Jahreskreisfestes, das zugleich das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres kennzeichnet. Für unsere keltischen Vorfahren begann das Jahr mit Beginn der dunklen Jahreszeit und Samhain ist dementsprechend ein Neujahrsfest.

Im folgenden habe ich recht große Menge an Infos zusammen getragen und diese der besseren Übersicht halber zum Aufklappen gemacht. Der Kern des Artikels stammt noch von meiner ersten Kultkraftplatz-Seite. Ich habe ihn leicht überarbeitet und nun wieder in meine Beschreibung der Jahreskreisfeste aufgenommen.

Der Jahreskreis), (c)2011 Michaela scharaOktober & November: die Zeit um Samhain

Datum dieses Jahreskreisfestes: 31.10./01.11.
Eines der vier Mondfeste und nach altem Glauben/Ritus das erste im Jahreskreis

Themen

Die Energie nach innen wenden und die Veränderungen zulassen. Zeit der Metamorphose, der Verwandlung. Das Überflüssige stirbt, nur der Kern, die Essenz bleibt, aus der dann, im Frühjahr, etwas Neues entstehen kann.

Zeit des Skorpions, ein Wasserzeichen
Wasser = Emotion, Skorpion= Tiefe, Mysthik, Mysterium, Tod

Allgemeines & Geschichtliches

Für die Kelten war der 1.11. der Jahresbeginn. In der Nacht davor wurde Samhain gefeiert, das Fest der Toten. Wir haben diesen Brauch mit den Feiertagen Allerheiligen & Allerseelen übernommen. Zu dieser Zeit, so sagt man, sind die Schleier zwischen unserer, der realen, und der Anderswelt, der Welt der Toten, dünner.

Die Geister unserer Ahnen können Kontakt mit uns aufnehmen und wir mit ihnen. Für die Kelten war der Tod nicht das Ende, sondern der Beginn eines anderen Lebens, in einer anderen Welt. Und wenn die Ahnen auf Besuch kamen, dann brachte das den hier Lebenden Glück.

Es wurden Feuer angezündet und Partnerschaften gesegnet, es war also durchaus ein sehr positiver Termin. Mutter Erde wurde mit Opferritualen bedankt und man bat um ihren Segen im neuen Jahr.

Allerheiligen, der Tag als solches, wurde von Pabst Gregor IV. 835 eingeführt. Allerseelen ist etwas jünger. Der Tag für die „normalen“ Toten wurde erstmals 998 vom Abt Odilo von Clury gefeiert.

hexenkreisHalloween-Brauch, Mythos, Neues und Althergebrachtes

Der Name „Halloween“ kommt von „All Hallows Eve“, der Abend vor Allerheiligen: „aller Geister Abend“. Wer sich heute über die nun vielerorts umherziehenden verkleideten Kinder aufregt und diesen „neuen“ Brauch als „amerikanischen Blödsinn“ abtut, der tut den Amerikaner, den Kinder und seiner eigenen Herkunft unrecht.

Als die Römer auf die britischen Inseln kamen, brachten sie auch ihre eigenen religiösen Riten mit. Die geniale Eroberungs- und Integrationstaktik des römischen Reiches sah vor, dass die eroberten Bewohner ihre Kultur und natürlich ihre Bräuche und Götter behalten durften. Im Lauf der Zeit verbanden sich die eingeführten, römischen Bräuche und Götter mit den vorhandenen einheimischen. So entstand in Britannien eine Kombination aus dem keltischen und dem römischen Totenfest. Unter anderem wurden Kerzen in ausgehöhlte Rüben gestellt. Die Symbolik wird unterschiedlich dargelegt, vermutlich wollte man das immer währende Feuer im Leib der großen Urmutter darstellen, dass auch in finsterster Zeit da ist.

Mit den nach Amerika auswandernden Iren gelangte der Brauch in die USA, wo die Rüben durch Kürbisse ersetzt wurden. So ziehen die Kinder in den anglikanischen Ländern heute noch wie damals von Haus zu Haus und erbitten/erdrohen Süßigkeiten.
Soviel zu den anglikanischen Bräuchen.

Im Alpenraum, also hier bei uns, ging es aber ähnlich zu: da gab es zum einen die sog. „Heischegänge“. Kinder, Dienstboten und Bettler ziehen von Haus zu Haus, als Symbol für die armen Seelen, und erflehen Almosen.

In Osttirol gibt es an Allerheiligen das „Krapfenschnappen“. Mit ratschenähnlichen Klappern ziehen die Kinder umher und „erklappern“ sich Süßigkeiten, Geld und in erster Linien Krapfen. Auch sie sollen an die armen Seelen erinnern, die nun allenthalben auf Besuch von der anderen Welt hier herumirren.

In vielen Tälern im Alpenraum gehen, als Kasmandeln verkleidete Kidner von Haus zu Haus, wünschen Glück und erhalten dafür Gaben, meist Süßes.

Der Kürbis mit Kerze, der heute vor vielen Haustüren steht und die Halloween-Kinder einlädt hier zu klopfen und Süßes einzufordern, ist also über Umwege ein Überbleibsel unserer eigenen Bräuche.

frauenwanderungGöttinnen, Heilige, Archetypen

Die schwarzen Göttinnen des Todes und der Unterwelt, die Zerstörerinnen, die weisen Alten, der Archtyp der Magierin, der Hexe …

Es ist die Zeit der zerstörenden und todbringenden Göttinnen. Der Tod gehört zum Leben dazu und ist das Ereignis, das mit 100%tiger Sicherheit einen jedem von uns bevorsteht. Die schwarzen Göttinnen machen uns den Kreislauf des Lebens bewusst, sie kennen dieses Mysterium und unsere Ängste davor.

Ereskigal

eine schwarze Göttin des Todes und der Unterwelt, Schwester von Inanna (die Sternengöttin). Sie herscht über die Wildnis, das Totenreich Kigalla am Ende der Welt. Sie stammt aus dem Orient (Babylon) und wird mit einem Löwinnenkopf und nackt dargestellt.

Sie überquert mit Ihrem Pferd des Todes in einem Boot den Grenzfluß zwischen Ihrem Reich und jenem der Lebenden um die Verstorbenen und die Opfergaben abzuholen.

Hel

Eine altnordische Göttin, die Herscherin der Schattenwelt unter der Erde. Ihr Name heißt „die Zudeckende“ und sie ist mit der märchenhaften Frau Holle (die Göttin Holla) verwandt. In unserern Breiten auch bekannt als „die Höllerin“.

Das Höllental zwischen Schneeberg und Rax geht auf „Hel´s Tal“, das Tal der Höllerin zurück. Eine weitere Variation von ihr ist die Percht, die in den Alpen umgeht.

In manchen Erzählungen soll in ihrem Reich das ewige und reinigende Feuer brennen (=die Hölle), andere schildern von finsterer und eiseskalter Nacht. Hel ist sowohl schrecklich als auch gütig, sie holt die Toten zu sich.
Ihr ist der Holunder heilig.

Kali

Eine indische Göttin, die schwarze Mutter der Zeit. In Ihrem Gesicht leuchtet eine blutrote Zunge in ihrem weit aufgerissenen Maul. Ihre Waffe ist der Dreizack, sie trägt eine Kette und eine Gürtel aus Totenschädeln und wird oft auf Knochen tanzend dargestellt.

Sie ist das Symbol für das Schlimmste, was uns zustoßen kann. Und hat dennoch in ihrem Schrecken auch die Hoffnung in sich: durch die Zerstörung wird Platz geschaffen für das Neue.

Kali verschlingt dich in ihrer Wut, frißt alles auf, und neu zusammengesetzt, transformiert wirst du wiedergeboren.
Kali steht für die tiefen und geheimsten Ängste in uns, sie wertet nicht nach gut oder böse. Alles ist vor ihrer Wut gleich. Wer sich ihr stellt, wer sich seiner tiefsten inneren Angst stellt und bereit ist von ihr gefressen zu werden, dem wird Kali zur größten aller Mütter, dem spendet sie Trost und Hilfe.

Hekate

… kommt ebenfalls aus den Orient und wurde im alten Griechenland sehr verehrt. Sie ist die Göttin der Hexen, Königin der Nacht, die Herscherin der Wegkreuzungen. Sie ist auch die Göttin des schwarzen Mondes und herrscht über die Geister der Toten.

Oft wird sie mit drei Köpfen oder überhaupt dreigestaltig dargestellt. Sie kennt die Geheimnisse der Magie und die Mysterien des Lebens und des Todes.

Wenn du nicht weißt welchen Weg du nehmen sollst, dann frag sie. Sie streift mit ihren Hunden des Nachts umher, wer sie ehrt, dem verleiht sie Zauberkräfte. Wer sie um Schutz bittet, den schützt sie vor den nachts umherstreifenden Geistern.

Hlg. Ursula

Ihr Feiertag ist der 21.10. Sie war eine christliche Märtyrerin, davor britannische Königstöchter. Sie hatte ihr Leben Christus geweiht und ewige Jungfräulichkeit gelobt. Doch ein heidnischer König wollte sie zur Frau für seinen Sohn. Ursula geht zum Schein auf den Antrag ein, verlangt aber, dass ihr Bräutigam zum Christentum übertritt und ihr überdies eine dreijährigen Frist bis zur Hochzeit einräumt.

In diesen 3 Jahren geht sie mit ihren Begleiterinnen auf eine Schiffsreise. In Köln erscheint ihr eine Engel und trägt ihr auf, nach Rom zu pilgern. Er prophezeit ihr auch, dass sie ein Martyrium erleiden wird. Teils zu Schiff, teils zu Fuß reisen sie nach Rom und wieder zurück. Wieder in Köln angelangt werden Ursulas Begleiterinnen von den Hunnen ermordet. Sie selbst will sich dem Hunnenfürsten nicht hingeben und wird daher auch getötet. Darauf erscheinen 11.000 Engel, die die Hunnen in die Flucht schlagen.
Dies ist eine Version von vielen.

Ursulas Name geht auf „Ursa“ zurück, das bedeutet Bärin. Die Bärenmutter ist einer der ältesten Gottheiten und wurde Jahrtausende hindurch verehrt. Das Sternbild des großen Wagens heißt im lateinischen ihr zu Ehren: „Ursa major“ – die große Bärin.

Weitere christliche Heilige der Zeit um Allerheiligen:

Hlg. Martin, Hlg Notburga, Hlg.Urban, Hlg. Elisabeth

Naturwunderweiss_020Pflanzen und Symbole rund um Samhain

Es gibt eine Fülle von Pflanzen und Symbolen, die zu den jeweiligen Jahreskreisfesten stimmig passen. Nachstehende einige zur Auswahl – regional gibt es da Unterschiede und natürlich noch viele mehr!

Die Eibe

Sie gilt seit Alters her als Baum des Todes und der Toten. An ihr ist alles giftig, ausser dem roten Fruchtfleisch der Beere. Besonders toxisch ist der Kern.

Den Kelten war der Baum besonders heilig, er stellte fast eine eigene Gottheit dar. Interessant ist, dass im (leider nicht alten, sondern im 20. Jahrhundert entstandenen) keltischen Baumhoroskop die Eibenzeit in der Zeit um Allerheiligen angesiedelt war. Da es auch beim Baumhoroskop unterschiedliche Versionen gibt und offenbar einigen die Eibe zu … tiefsinnig?… war, wurde sie teilweise von der Tanne ersetzt.

Die Eibe ist nicht nur giftig, ihr Holz wurde auch gerne zu Bögen verarbeiten und ein Eibenbogen ist auch heute noch eine Rarität und Besonderheit. Die Briten waren dermaßen angetan von Eibenholzbögen, dass die Eiben beinahe zur Gänze auf den Inseln ausgerottet wurde.

Dennoch: „Vor den Eiben kann kein Zauber bleiben“, sagt ein Sprichwort. Der mächtige Hexenbaum kann auch heilen, trösten und beschützen.

Die Gans

… erhält besonders zu Martini volle Aufmerksamkeit. Der heilige Martin selbst hätte vermutlich wenig Freude an der Völlerei. War er doch Zeit seines christlichen Lebens ein Asket. In Frankreich sind im fast 3000 Kirchen geweiht und die Legende vom geteilten Mantel zählt ebenso zu den, meist von Kindern dargestellten „Highlights“wie die Lichterumzüge zu seinen Ehren.

Wie kam die Gans da ins Spiel? Martin wollte nicht Bischof von Tours werden, die Bevölkerung war aber anderer Meinung. Selten aber doch, dass einer die Wahl nicht annehmen will. Martin versteckte sich vor dem suchenden Wahlvolk im Gänsestall. Das Federvieh war ob des Besuches aber auch nicht wirklich glücklich und verriet den armen Mann. Martin wurde zum Bischof, die Gänse zum Festtagsbraten geweiht.

Um den armen Schnattertieren aber auch etwas Gutes nachsagen zu können, möchte ich auf die kapitolischen Gänse im alten Rom verweisen. Sie waren Juno geweiht und weckten die Römer, als im 5 Jahrhundert vor Christus keltische Stämme die Stadt überfallen wollten.

Warum nun der große Gänseschmaus im November? Unsere Vorfahren schlachteten vor Samhain eine Großteil des Federviehs und auch der anderen Hoftiere. Einerseits als zeremonieller Opferschmaus, andererseits um nur die notwendigen Tiere über die kalte Jahreszeit durchzufüttern, für alle hätte das Futter nicht gerreicht. Danach begann die lange und nur von Yule (Wintersonnenwende) unterbrochenen Fastenzeit.

Weiterer stimmige Pflanzen rund um Samhain:

Kürbisse in allen Variationen, Hagebutten, Haselnuss, Stechpalme, Efeu, Knoblauch

Kräuter & Gewürze für diese Jahreszeit

Auch bei den Kräutern und Gewürzen gibt es viele, die gut zu Samhain passen. Ich habe einige ausgewählt, die für mich stimmig sind und es gibt natürlich noch viele mehr.

Johanniskraut

Ein Lichblick aus der hellen Jahreszeit. Es blüht meist um Johanni (24.06), zur Zeit der Sommersonnenwende, und vertreibt Depressionen und traurige Gedanken zur Winterszeit, hilft bei Müdigkeit und bringt Erleichterung bei Niedergeschlagenheit.

Ingwer

Ob süß kandiert, frisch aufgeschnitten oder in der Suppe mitgekocht – er wärmt von innen und lässt das Feuer wieder aufflackern.

Probiert einmal in der klassichen Gemüse-, Rinds- oder Hühnersuppe ein Stück frischen Ingwer mitzukochen!

Zimt

Egal ob beim Räuchern, im Tee oder als Gewürz im Kuchen oder anderen Speisen – der Zimtgeruch ist es, den die meisten mit dem Winter verbinden. Er wärmt und bringt mit seiner erdig-holzigen Note das Gefühl der Geborgenheit. Ebenfalls toll in der Suppe zum Mitkochen!

Weitere stimmige und hilfreiche Kräuter und Gewürze für die dunkle Jahreszeit:

Schafgarbe, Pfefferminze, Ringelblumen (=Sonnenbotin!), Salbe und natürlich der wunderbare Beifuß (Artemisia)!

Alltagstipps für den Körper und den Geist

  • Dies ist die Zeit des Wassers (Skorpion) und der Emotion. Da es auch kalt ist, freut sich der Körper, wenn wir ihm in dieser Jahreszeit viel, v.a. Kräutertee, zu trinken geben und ihm beim Loslassen und Herausspülen helfen.
  • Nüsse gibt es jetzt überall, am besten natürlich aus dem eigenen Garten oder selbst gefunden. Jeden Tag eine essen, das ist ideale Gehirnnahrung.
  • Tipp bei immer-kalten Füßen: rote Socken und rote Schuhe. … bewirken nebenbei auch, dass wir besser geerdet sind.
  • Und das wichtigste: nun ist die Zeit der Ruhe gekommen! Das heißt, dass auch unser Körper auf Sparflamme schaltet und nicht wie ein Esel zu noch mehr Leistung getrieben werden soll.
    Daher ganz wichtig: viel faulenzen, ruhen, ausschlafen wann immer möglich, nachdenken, meditieren (niemand hat davon gesprochen, dass der Kopf auch pause hat, der darf gern weiterdenken ;-), lesen … Ruhe geben und nehmen.

Ahnenwege2011_090

Rituale alleine oder in Gesellschaft

Jedes der Jahreskreisfeste bietet sich zum gemeinsamen Feiern und für Rituale an. Neben einem gesellschaftlichen Get-together, Verwandtenbesuchen, Orakeln befragen … kann man sich auch sein eigenes, persönliches Samhain Ritual zusammenstellen und für sich abstimmen um dann allein oder in einer Gruppe zu feiern.

Rückschau halten – Bilanz ziehen

Rekapituliere was sich im vergangenen Jahr alles ereignet hat:
Was war gut? Was weniger? Was ist noch offen, was hat sich erledigt und kann losgelassen werden?
Hat es einen Todesfall oder eine Trennung gegeben?
Nun ist die Zeit um diesen Menschen in Liebe und Dankbarkeit gehen zu lassen. Speziell nach (schmerzhaften) Trennungen mag dies schwerfallen und es sollte nicht überhastet geschehen. Du weißt selbst am besten wann der richtige Zeitpunkt dafür da ist. Wichtig ist, dass der andere in Frieden verabschiedet wird. Egal wie die Gefühle des Losgelassenen für einen selber sind, wenn wir „Danke“ sagen, und es auch so meinen, dann ist von unserer Seite aus der erste und wichtigste Schritt getan um diese Wunde endlich heilen lassen zu können.
Narben dürfen bleiben, sie sind die Medaillen des Lebens, ebenso wie Falten die zahlreichen Gipfel und Höhepunkte in unserem Leben darstellen, auf denen wir schon waren und die uns Kraft und Mut für die nächste geben.
Aber nicht nur Menschen und Beziehungen kann man loslassen. Wie sieht es mit deinen Illusionen, Ent-Täuschungen, falschen Hoffnungen und verlorenen Wünschen aus? Hast du vielleicht Warzen, die du nicht mehr brauchst?

Du kannst das, was du nun loslassen willst auf ein Blatt Papier schreiben oder in einen Stein sprechen. Wichtig ist, dass du es wirklich laut aussprichst (oder aufschreibst). Dieses Blatt oder dieser Stein kann nun der Erde, dem Feuer oder dem Wasser übergeben werden. Mach daraus eine schöne Zeremonie, nimm Kerzen, Räucherwerk und vielleicht anderen dazu mit. Geh in die Natur und such dir einen schönen Platz. Ihr könnt Trommeln und Singen und wenn es sich um einen Menschen handelt, der nocheinmal verabschiedet werden soll, dann können alle Anwesenden vielleicht ein oder zwei Sätze über ihn oder sie sagen und das sie froh sind, ihn/sie gekannt zu haben. Es reicht aber auch, wenn du alleine die Worte sprichst (aufschreibst) und alle anderen bekräftigen mit einem „so sei es und gesegnet sei es!“ oder „Amen!“.

Die eigenen Wurzeln ehren

Besuche in dieser Jahreszeit und zu deinem Vergnügen (nicht weil du es mußt!) deine Eltern, Großeltern, alte Verwandte, den Friedhof. Lass dir von den Alten von früher erzählen – das ist eine Form der Zeitgeschichte, die du in keinem Buch findest! Vielleicht willst du nun deine Familienchronik schreiben, deinen Stammbaum erstellen und mehr über unbekannte Vorfahren wissen.

Eintauchen in die Kindheit

Geh auf einen Weihnachtsmarkt und schau den kleinen Kindern zu – sie sind den Alten noch am nächsten und stehen direkt und bewusst im Leben. Setz dich auf ein Karussell und fahr eine Runde, auch wenn alle lachen – lach mit! Das ist deine Möglichkeit, dem Kind, das du einst warst, Tribut zu zollen für das große Geschenk, das es dir gegeben hat. Kauf dir Zuckerwatte, Bratkartoffeln und Maroni, werde wieder zum Kind.

Danke sagen

Leg für die (Schutz)Geister und die Tiere kleine Gaben in deinen Garten oder an einem schönen Platz in der Natur. Wenn du eine sichere Möglichkeit hast, lass in der Nacht vom 31.10. auf den 1.11. eine Kerze draußen brennen, vielleicht in einem Kürbis oder einer Laterne. Stell weiße Speisen für die Percht und ihr Gefolge, die wilde Jagd, hinaus. Leg bei einem Essen, einer Feier ein Gedeck für die auf, die nicht mehr bei dir sind, lade sie ein mitzufeiern

Fest der Wut

Bist du wütend? Macht dich etwas wahnsinnig sauer und du hast keine (legale) Möglichkeit etwas dagegen zu tun?

Dann back ein Kali-Brot! Kauf dir eine Brotbackmischung oder schau in deinen Kochbüchern nach. Nimm als zusätzliches Gewürz frischen Ingwer, fein gerieben und die Menge entsprechend deiner Wut.

Dann den Teig kneten: hier kannst du ungestraft und sehr produktiv deinem Zorn freie Bahn lassen. Schlag den Teig, knete, würge ihn mit deiner ganzen Kraft. Kurz gehen lassen und dann die restliche Wut hineinschlagen.
Das ganze kommt dann zu einem Laib (rund) geformt in den Ofen (Kalis Schlund), obenauf vielleicht ein gleichschenkeliges Kreuz oder ein Pentagram (5Stern). Während das Brot bäckt gönnst du dir ein Gläschen Rotwein (Whiskey ist auch gut, Spirit for the Spirits!).

Das fertige Brot kannst du kali-gleich selbst verschlingen (=transformieren) oder den Tieren im Wald opfern. Dann aber zuerst zerschneiden oder zerreißen und gut trocken lassen.

Wenn das deine Wut nicht aus dir herausholt und in feurige Energie transformiert, dann weiß ich auch nicht ;-). Auf jeden Fall ist es ein guter Weg die destruktive Energie, die sich in einer/einem aufgestaut hat, aus sich herauszuholen und in etwas positives umzuwandeln bevor ein Schaden an einem selbst entsteht.

An andere denken

Gehörst du zu denen, die gerne im Selbstmitleid versinken? Dann widme dich in dieser Jahreszeit einige Zeit den Sozial-Schwächeren in deiner Umgebung. Gib dem Nachbarskind Nachhilfe, back einen Kuchen für das Altersheim, besuche die im Spital, die sonst keiner besucht. Zünde eine Kerze auf einem fremden Grab an. Betätige dich unentgeltlich und unbedankt bei einem sozialen Verein in deiner Umgebung. Geh in den Wald und sammel Müll. Besuch ein Tierschutzhaus.

Selbstmitleid ist manchmal gut und auch wichtig. Hin und wieder müssen wir uns auch mal ausführlich bedauern dürfen und wem, wenn nicht mir selbst kann ich mein Leid und Elend so klagen, dass es auch wirklich verstanden wird? Doch irgendwann muss man die Kurve wieder nach oben drehen und sich wie Münchhausen, an den Haaren aus dem Sumpf ziehen.

Mich selbst feiern

Ein schönes Schaumbad, rundherum viele Kerzen, alle anderen sind aus dem Haus, alleine eintauchen, Duftlampen oder Räucherstäbchen, eine dicke Tafel Schokolade oder ein schönes Stück Kuchen (mit Schlagobers! … pfeiff auf die Kalorien). Dazu ein Tee, ein Glas Wein oder anderes – am besten mit schöner Mediationsmusik oder was immer dir gefällt.

Vorher vielleicht noch das Wohn- oder Schlafzimmer für nach dem Bad herrichten, mit einer gemütliche Decke, einem guten Buch oder einem richtig schönen Film …

… und den Abend mit dir alleine genießen, dich selbst lieb haben und einmal ganz egoistisch nur an das eigenen Wohlbefinden denken, „mich feiern“ und dir selbst Trost und Liebe geben.

Übungen

Atemübung

Atme tief ein und aus, spüre in dich hinein. Wenn du soweit bist, lass aus deinem inneren Töne mit dem Ausatmen aufsteigen, die dein momentanes Gefühl ausdrücken. Du darfst seufzen, jammern, jubeln, wimmern, kreischen, singen.

Hast du Schmerzen? Dann lass zu, dass die Töne den Schmerz ausdrücken. Sollten Tränen kommen ist das ok, sie reinigen. Weißt du nicht, warum du traurig bist? Egal, dein inneres weiß den Grund, lass die Trauer zu – klage. Willst du jubeln? Dann sing einen hohen lachenden Ton, spiel mit deiner Stimme, klage und leite weiter zum Lachen, sing die Tonleiter, die Vokale, schrei so laut du kannst!

Krächze, atme ein und aus und mit jedem Atemzug gibst du dich deinen Gefühlen mehr hin.
Je mehr du weinst und atmest, um so besser wird deine Inneres gereinigt, gespült und geklärt.

Weinen bewirkt nach einiger Zeit die Bildung eines Hormons, dass dem Morphium ähnlich ist. Allerdings ohne die zerstörerischen Nebenwirkungen und ohne der Suchtgefahr. Eine meiner alten, weisen Tanten meinte außerdem: „Je mehr du weinst, umso weniger oft musst du aufs Klo gehen.“ … na, wenn das kein guter Grund ist!

Schüttelübung / sich häuten / sich lostanzen

Du brauchst Trommelmusik, oder starke Bassrhythmen. Schön wenn ihr eine Gruppe seid und gemeinsam trommelt und rasselt. Schön, wenn ihr das in der Natur machen könnt. Auch schön alleine, mit einer Musik-CD. Oder in einer Disco, anonym alleine oder mit Freunden.

Schließ die Augen, atme tief in dich hinein, spüre deine Emotionen. Ruf dir die Situationen in Erinnerung, die dich belasten, die dich ärgern, traurig machen.
Wenn die Musik beginnt fang an dich zu bewegen. Stampfe einen primitiven Rhythmus in den Boden, schüttel dich, deine Hände, deinen Kopf, deinen Rumpf. Konzentriere dich ganz auf die Melodie und deine Gefühle. Stell dir vor, dass alles, was dich belastet, von dir abfällt, wie bei einem Baum der seine Blätter verliert. Die Musik ist der Herbstwind, er streift dir die Last ab. Nimm deine Hände und „zieh“ die Streifen deiner alten Haut bildlich von dir ab. Stampfe deine abgeworfenen „Blätter“ in die Erde, den Boden. Und mit jeder Runde, mit jedem Aufstampfen kommst du näher zu deinem wahren Inneren, dem Zentrum und zu dir selbst.
Tanze solange es dir Spaß macht, wenn du lachen willst, dann tu es. Wenn du schreien oder weinen oder singen willst – mach es! Hör erst auf, wenn du müde, glücklich und ausser Atem bist.
…. dann hast du wirklich losgelassen und bist frei.

Und wenn ihr diese Übung in der Natur macht, dann gebt euch zum Abschluß die Hand, bildet einen Kreis, haltet inne und bedankt euch bei dem Platz der euch hier beherbergt hat. Ihr könnt auch ein paar Blumen (mitgebrachte) in der Gegend verteilen, etwas Räucherwerk anzünden – wichtig ist, dass ihr dem Platz etwas zurückgebt und ihn ehrt.

Mondidol, Museum Wr. NeustadtBegräbnisriten und Totenbräuche

Jedes Volk, jede Kultur hat seine eigenen Bräuche und Gepflogenheiten um mit dem Tod umzugehen. Oft unterscheiden sich, speziell in den engen Alpentälern, die Riten vorn Ort zu Ort. Seit aber immer mehr „anonym“ gestorben wird, verschwinden auch diese Bräuche, was sehr schade ist.

Meine Großeltern haben sich beide gewünscht in ihrem Haus zu sterben. Natürlich ist das für die Familie eine große Belastung, aber die Erinnerung daran, dass sie in Ruhe und Frieden in ihren eigenen vier Wänden würdevoll gehen konnten und wir ganz allein mit ihnen und von ihnen Abschied nehmen konnten, das ist etwas, dass die Trauer leichter macht.

Mein Schwiegervater starb nach langer und sehr schmerzhafter Krankheit im Spital. In den letzten Stunden haben wir uns abgewechselt und mein Mann, sein Sohn, war es, der die letzten Minuten bei ihm war.
Dies Nähe im Tod ist mindestens ebenso wichtig, wie die Nähe bei der Geburt, die mit den Vätern im Kreissaal nun wider modern geworden ist.

Mein Bruder kam im Neusiedler See bei einem Segelunfall ums Leben. Am Morgen ging er normal aus dem Haus, nachmittags um 15.00 war er tot. Er war drei Wochen vermisst, wir wussten nicht, ob er und sein Freund lebten oder ob sie tot waren. Die schreckliche Zeit nahm erst ein Ende, als man die beiden drei Wochen nach dem Unglück im See fand.
Das er plötzlich und außerhalb der „klassischen Reihenfolge“ aus unserer Mitte ging, war das Schlimmste. Wir konnten uns nicht verabschieden, vieles blieb ungesagt, die Trauer war dadurch fast unerträglich und hat lange gebraucht um verarbeitet zu werden.

Es gibt den Begriff Trauerarbeit. Ein schreckliches Wort, das aber genau das ausdrückt, was es ist: Arbeit. Ging der Mensch in Frieden und nach einem Abschied, erleichtert uns dies die Arbeit. Doch wenn wir die plötzlich zerschnittenen Fäden erst entwirren müssen und wir die Blutung der Wunde, die der Verlust geschaffen hat, erst mühsam stillen müssen, ehe wir wieder auf die Beine komme, dann wird die Arbeit schwer.
Dann kommt auch mal Wut auf, weil der andere uns allein gelassen hat. Damit verbunden die Schuld „wie kann ich auf einen Toten wütend sein? Ich bin schlecht!“ … all diese Gefühle sind legitim und natürlich. Niemand möge über einen anderen den Stab brechen und missbilligend den Kopf schütteln, wenn er oder sie noch niemals einen solchen Verlust verkraften musste.

Unsere Ahnen kannten diese Probleme auch. Es gab damals zwar keine Spitäler oder Hospize, aber das raue und brutale Leben, viele Kriege, Unfälle auf der Jagd und natürlich Krankheiten rissen ihre Lieben oft von einem Tag auf den anderen aus der Mitte.
Um selbst weiterleben zu können und die Hinterbliebenen versorgen zu können, war es wichtig, dem Toten Ehre zu erweisen und ihn wertschätzend zu behandeln. Wer im Dieseits starb, der lebte im Jenseits weiter und hatte dort im Tod genauso seine Pflichten, wie im Leben.

Da die Ahnen als Wetterverantwortliche galten und auch dafür zuständig waren, dass die Seelen neu geboren zur Welt kamen, mussten man es sich mit ihnen gut stellen. Ein schlechter Winter, mit wenig Frost und kaum Schnee konnte die Ernte des kommenden Jahres gefährden.

Den Ahnen wurde geopfert und mit diesen Opfern wurden Bitten und mitunter auch Aufforderungen übergeben.
Der Glaube, dass die Ahnen für neues Leben sorgten, beinhaltet nicht, dass die Menschen keine Ahnung von den biologischen Vorgängen der Geburt hatten. Es ging darum, dass das neue Leben mit einer Seele versehen werden musste und das war Aufgabe der Vorfahren.
Das Wort Enkel geht auf Ankerl, kleiner Ahne zurück und bezieht sich auf diesen Glauben.

Damit die Beziehung zu den Ahnen eine gute ist und bleibt und der Sterbende einen guten Übergang in die anderen Welt hatte, mussten bestimmte Bräuche eingehalten werden:

  • Der Tote durfte bis zur Beerdigung nicht alleine gelassen werden und eine Kerze musst stets brennen, um böse Geister fern zu halten.
  • Unmittelbar nach dem Tod wurden alle im Haus davon informiert – auch die Tiere im Haus und Hof, sogar den Bienen musste diese Nachricht überbracht werden. Ansonsten hätte der Tote im Hinübergehen einen Unachtsamen mitnehmen können.
  • Die Ahnen wohnen im Westen, wo die Sonne untergeht. Also wurden die Toten mitunter auch Richtung Westen aus dem Haus getragen. Gab es keine Tür, so wurde schon mal ein Loch in die Mauer geschlagen.
  • Die Richtung nach Westen war auch für die Öffnungen der Grabhügel wichtig und ist heut noch bei den meisten Hügelgräbern so zu finden.
  • Das man den Menschen früher Kleidung, Werkzeug, Nahrung und andere Gegenstände mit ins Grab gegeben hat, kennt man aus vielen Kulturen. Oft mussten diese Gegenstände selbst sterben, damit sie dem Toten folgen konnten. So wurden Tonwaren zerscherbt (zerschlagen) und die Schwerter der Krieger verbogen und gebrochen. Nur so konnten die Toten mit den Gegenständen etwas anfangen.
  • In Mexiko ist der Brauch, mit den Toten zu feiern, besonders ausgeprägt: man feiert direkt am Friedhof, bei und auf den Gräbern und das mitunter sehr ausgelassen.

Es gibt zahlreiche Infos um Totengedenken und Ahnenbräuche und ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag einen guten Überblick über das Jahreskreisfest Samhain – Halloween – Allerheilgen geben.

Wer Ergänzungen weiß oder weitere Infos kennt: in den Kommentaren ist ausreichend Platz dafür und ich freue mich auf einen Austausch!

4 Kommentare

  1. Liebe Michaela,

    Danke für diese großartige Zusammenfassung und vielseitige Information. Ich werde Einiges noch heute umsetzen.
    Für dich dann in diesem Sinne einen schönen, geruhsamen, besinnlichen und lustvollen Jahresbeginn!
    Es tut gut, Menschen wie dich zu kennen – schön, dass es dich gibt!
    Liebe Grüße,
    Maria

    • Liebe Maria,
      vielen Dank für dein tolles Feedback!!! Und mich freut es ganz besonders, wenn meine Inspirationen in die Tat umgesetzt werden und zu eigenen Ideen führen :-)
      Hoffe, du hattest ein schönes Samhain-Wochenende und einen guten Start in die kommende Dunkelzeit, … und ich finds auch schön, dass es DICH gibt ;-)
      herzliche Grüße
      Michaela

  2. Elfriede Gassauer

    Liebe Michaela,
    ich lese Deine „Geschichterln“ immer besonders gerne. – („Geschichterln“ deshalb, weil sie nicht nur informativ und gscheit sind, sondern auch so locker und leicht und humorvoll geschrieben – ist also anerkennend gemeint.) Ich erkenne dabei immer wieder Zusammenhänge, die mir so noch nicht klar waren.Diesmal wars der kleine Ahne, von dem im nächsten Jahr der vierte für mich ankommen soll :-) (Einer musste leider wieder zurückgehen)
    Ich danke dir dafür und freue mich schon auf das nächste Gschichterl :-)
    Elfriede Gassauer

    • Liebe Elfriede,
      freu mich sehr über dein Feedback und das dir meine zusammengetragenen Infos gefallen! Ein herzliches Will-Kommen dem kleinen, kommenden Ahnen, ein „schön, dass ihr da seid“ denen, die sich schon um dich tummeln und ganz herzliche Grüße an dich,
      Michaela

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