Wintersonnenwende GeschichteUrsprung - Wintersonnenwende & Weihnachten: Geschichte & Ursprung
Jahreskreis,  Jahreskreis-Feste

Wintersonnenwende & Weihnachten: Geschichte & Ursprung

Dieser Beitrag ist ein erweitertes Outtake zur Info über den Dezember und der erste Teil einer 4-teiligen Serie über die Zeit der Wintersonnenwende und das Weihnachtsfest. Alle Teile der Serie sind hier zu finden: Wintersonnenwende & Weihnachten

Rund um den 20/21.12. erreicht die Sonne den am weitest entfernen Punkt, die maximale Deklination zum Himmelsäquator. Je weiter im Norden man wohnt, desto weniger Tageslicht hat man dann. In manchen Ländern im hohen Norden verschwindet die Sonne sogar ganz.

In meiner vierteiligen Jahreskreisfest-Serie möchte ich dir ein paar Infos rund um die Geschichte und den Ursprung, sowie wie über die energetische Qualität dieses Festes mitgeben und wie du sie für dich integrieren kannst.

Beginnen wir mit der Geschichte: Warum wird die Wintersonnenwende seit Menschengedenken gefeiert und woher kommt Weihnachten, das Fest des Lichts?

Jahreskreis YuleSegment 150x150 - Wintersonnenwende & Weihnachten: Geschichte & UrsprungGeschichte, Namen und genaues Datum

Die Dunkelheit ist zur Zeit der Wintersonnenwende alltagsbeherrschend, der tiefste Ruhepunkt im Jahreskreis ist nun erreicht. Wäre der Jahreskreis ein Atemzyklus, wären wir nun bei der Stelle zwischen Ausatmen und Einatmen, wo meist eine kleine Pause ist. Diese kleine Pause im Energiekreis des Jahres ist die Wintersonnenwende. Alles steht still und ruht ihn sich, eine absolute Ruhe im Innen und Außen. Und dann beginnt das Pendel zart wieder in die andere Richtung zu schwingen, das Einatmen beginnt sanft, das Licht wandert näher und die Dunkelheit beginnt sich langsam zurückzuziehen. Ein seit Milliarden von Jahren immer wieder kehrender Prozess im Kreislauf unserer Welt, im Kreislauf des Lebens.

Wie bei einer Geburt wird dieser Stillstand und die Wiederkehr des Lichts seit Menschenbeginn gefeiert. Wir brauchen die Sonne zum Leben und gleichzeitig brauchen wir die Dunkelheit, um zur Ruhe kommen zu können, damit Erholung greifen kann und wir wieder mit der Tiefe verbunden, geerdet und zentriert werden.
Religionen und Kulte haben von Anfang an diese Zeit in ihren Ritualkalender aufgenommen. Heute ist Weihnachten ohne Übertreibung das wichtigste Fest des Jahres, wenn auch eher aus wirtschaftlicher Sicht. Die energetische, geschichtliche Bedeutung und vor allem die Wichtigkeit der Ruhe und des Friedens sind in Vergessenheit geraten.

Die Wintersonnenwende

Die Sonnenfeste im Jahreskreis orientieren sich logischerweise am Sonnenstand. Die Sonnenwenden, lateinisch „Solstitium“ genannt, markieren dabei den Höchststand (Sommer) und den Tiefststand (Winter) der Sonne. Zur Wintersonnenwende hat die Sonne den niedrigsten Mittagsstand, was bei uns auf der Winterhalbkugel zwischen dem 21. und 22. Dezember der Fall ist. Während bei uns die Tage kürzer und die Nächte länger werden, ist es auf der Südhalbkugel umgekehrt. Dort herrscht während unserer Winterzeit Sommer und die Tage werden täglich länger. Mit anderen Worten: Während wir die Wintersonnenwende zelebrieren, erlebt man in Australien die Sommersonnenwende.

Die Solstitien, wie die Wendepunkte genannt werden, markieren gemeinsam mit den Äquinoktien (Tag und Nachtgleichen) nicht nur die Sonnen-Jahreskreisfeste, sondern auch die astronomischen Jahreszeiten. Diese Markierung war nicht nur aus ritueller Sicht wichtig, sondern auch für das tägliche Leben, speziell in bäuerlichen Kulturen, wo man Saat und Erntezeiten danach ausrichtete, oder wenn es um die jahreszeitlichen orientieren Wanderungen von Wildtieren ging, auf die die steinzeitlichen Stämme angewiesen waren.

Damit war von Beginn der Gemeinschaften an klar, dass es wichtig ist zu wissen, wann genau diese Zeitpunkte sind, damit man das Leben an diesem Kalendarium orientieren kann. Wie die frühen Menschengruppen diese Zeitpunkte bestimmt haben, ist uns heute nur in den wenigsten Fällen klar. Hinter jeder Steinsetzung wird ein alter Kalender vermutet und die Theorien, wie man damals anhand bestimmter Sichtungen die genauen Positionen der Sterne, des Mondes und der Sonne bestimmt hat, füllen zahlreiche Bücher. Fakt ist: Wir werden es niemals wirklich wissen. Aber ist das so wichtig?

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Dieses Bild habe ich vor einigen Jahren um den 20. Dezember aufgenommen. Es ist der Blick von der Brandstatt am Pfaffenkogel, dem westlichen Ende der sog. Malleiten, Richtung Hohe Wand. Die Sonne geht am linken, westlichen Ende des Hohe Wand Massivs unter. Im Hochsommer, rund um die Sonnenwende, geht sie dann am östlichen Ende (rechts) unter. Ein natürlicher, alpiner Kalender, der für die frühere Bevölkerung möglicherweise die wichtigen Festtage anzeigte. 

Auch die antiken und frühmittelalterlichen Gesellschaften zelebrierten die Sonnenfeste und damit auch die Wintersonnenwende. Zu Zeiten des julianischen Kalenders, also vor Beginn unseres heutigen gregorianischen Kalenders, war die Wintersonnenwende am 25. Dezember und die Sommersonnenwende am 24. Juni. Durch die notwendige Kalenderkorrektur Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Daten dauerhaft nach vorne verschoben und die Sonnenwende im Winter ist nun um den 21./22. Dezember.

Die Wichtigkeit des Datums wurde mit den Götterfiguren markiert, die man zu diesem Zeitpunkt verehrte. Bei den späteren Römern war dies zum Beispiel der Sonnengott Sol, der als Sol invictus die unbesiegbare Sonne selbst war.

Bis in heutige Zeit werden die Sonnenwenden gefeiert, quer durch alle Kulturen und Religionen: Muslimische Völker im iranischen Bereich und in Zentralasien feiern zur Wintersonnenwende die sog. Yalda-Nacht, die auf dem Mithras-Kult basiert. In Indien und Nepal feiern Hindus Ende Dezember bzw. Anfang Jänner Makar Sankranti.

Aber nicht nur Gutes wird mit den Jahreskreisfesten verbunden, dann auch sie wurden von diktatorischen und faschistischen Regimen genutzt und für die eigenen Belange umgedeutet. Speziell die Sonnenwenden haben hier noch immer ein Stigma aus Nazizeiten. Zu intensiv haben die Nationalsozialisten die alten, germanischen Festbezeichnungen in ihre Doktrin eingewoben, sie teilweise in den offiziellen Status eines Feiertages erhoben. Das wirkt bis heute nach und wirft mitunter ein etwas fahles Licht auf die vielerorts wieder üblichen Sonnwendfeiern. Auch wenn sich heidnisch-esoterische und touristisch-geschichtlich inspirierte Kultgruppen von der Nazi-Doktrin distanzieren, gibt es immer wieder mediale Verknüpfungen und reale Kontakte mit rechten Gruppen, die sich ihre Blut-und-Boden-Feste nicht nehmen lassen wollen.

Das sollte allerdings niemanden davon abhalten, sich in alter und friedvoller Weise mit diesen Festen auseinanderzusetzen, sie feierlich zu begehen und sie so von dieser leidigen Verknüpfung zu lösen.

Yule – Jul – Mutternacht

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In welcher Form die alten Völker die Wintersonnenwende gefeiert haben ist uns heute nur in wenigen Fällen bekannt. Da Geschichte damals von den Siegern geschrieben wurde und es zum Schreiben auch eine Schriftkultur brauchte, findet man nur von den Völkern überlieferte Ritualbeschreibungen, wo man sich die Mühe gemacht hat, diese aufzuschreiben. Im Fall dessen, dass ein besiegter Stamm von einem anderen buchstäblich „beschrieben“ wurde, wie es Cäsar zum Beispiel mit den Galliern machte, sind die Überlieferungen naturgemäß wenig genau. Man beschränkte sich in diesen Zeilen darauf die unterlegenen Stämme als primitiv und den eigenen Stand als kulturell höher und wichtiger einzustufen. Damit fehlt uns so gut wie alles an Ritualwissen im Raum Europa, was die antiken Völker abseits der Römer und ihrer Verbündeten betrifft – sprich: alles außerhalb Italiens und seiner unmittelbarem Umgebung. Was man heute zu diesen Festen weiß, basiert auf mündlichen Überlieferungen, Skizzen, Beschreibungen mehr oder weniger wohlmeinender Zeitzeugen, Interpretationen von Ausgrabungen und Brauchtum, dass auf diesen Traditionen fußt.

Gefeiert wurden diese Feste, soviel ist sicher. Aber schon bei den Bezeichnungen ist man sich unsicher. Die wahrscheinlichste ist „Julfest“. Die älteste Nennung dieser speziellen Bezeichnung ist allerdings aus der Gotik (6-7. Jhrdt.), also eher spät. In Schweden, Dänemark und Norwegen heißt Weihnachten auch heute noch Jul, womit der Name für unser Verständnis eine nordeuropäischen Tradition hat. In England nannte man es Yule, in den Niederlanden Joelfeest. Weitere Wurzeln finden sich im Friesischen und vielen anderen Dialekten.

Nachweise für ähnlich klingende Begriffe, die das Fest rund um die Wintersonne bezeichnen, finden sich aber auch vor Beginn der Christianisierung. Es gibt Hinweise darauf in altnordischer Literatur, auch was das skandinavische „Alfablót“ und die angelsächsische „Nacht der Mütter“ betrifft, die zwischen dem 23. und 25. Dezember angelegt ist.

Weihnachten

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Bei uns wird Weihnachten am Heiligen Abend, am 24.12., in den Abend- und Nachtstunden gefeiert. In den angelsächsisch orientierten Ländern und in Amerika ist der Christtag, der 25.12., der Feiertag, wo die Familien sich treffen und die Kinder am Morgen die Päckchen öffnen, die Santa Claus in der Nacht geliefert hat.

Das Fest, so wie wir es heute kennen und feiern, ist erst seit relativ kurzer Zeit quasi das wichtigste und bekannteste Fest im Jahreskreis, dass auch von Nicht-Christen exzessiv gefeiert wird. Zu diesem Promi-Status gelangte es allerdings erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Mit dem Biedermeier wurde die Feier rund um die Geburt Christi zu einem Familienfest, wo man sich untereinander beschenkte, mit Lichterbaum und Christkind.

Zuvor hatte Martin Luther versucht, das Fest rund um die Geburt Christi mittels Geschenkebrauch ein wenig interessanter zu gestalten, speziell für Kinder. Hauptsächlich aber, damit der Feststatus rund um den Hlg. Nikolaus gemindert wird. Bei katholischen Familien hielt sich der Bescherungsbrauch am Nikolaustag bis Anfang des 19. Jhrdts.

Auf der Nikolaus- Tradition fußt auch die Geschichte rund um den Weihnachtsmann, den Santa Claus. Auch in weiten Teilen Deutschlands, Teilen der Schweiz, Skandinaviens und generell den meisten evangelischen Regionen, ist es der Weihnachtsmann, als traditioneller Nachfahre des Hlg. Nikolaus, der die Päckchen bringt.

Interessant ist, dass das aber auch das, bei uns in Österreich übliche, Christkind eine protestantische Erfindung ist. Genauso interessant, dass sich die ursprüngliche Verbindung zum Heiligen Christuskind, also dem neugeborenen Jesus, in eine konträrgeschlechtliche umgewandelt hat. Die meisten sehen das Christkind als eine zarte, weibliche Figur, einem Engel gleich, bestenfalls neutralgeschlechtlich. Es schwebt durch die Lande und bringt die Geschenke – ohne Rentiere, ohne Schlitten, ohne Elfen. Eine starke, wundersame Leistung für so ein zartes Wesen und sehr spannend, da es sich ja auch um eine eher neuere, kaum 300 Jahre alte Überlieferung handelt, die möglicherweise aber auf alten, matriachal orientierten Göttinnenmythen beruht.

Das Thema Geschenke war regional auch früher schon wichtig, nur in anderer Richtung. Im Mittelalter war es beispielsweise Usus, dass die Wiener Bürgerschaft den Landesfürsten, seine Frau, die höheren Bedienstete und den Bürgermeister der Stadt üppig beschenkte. Die Bezeichnung dafür ist „Chleinat“ und man findet es so auch in den Stadtrechnungen aus dem 14. Jahrhundert aufgelistet. Der Brauch hielt fast bis Ende des 15. Jahrhunderts.

Das Datum des unseres heutigen Weihnachtsfestes wurde im Jahr 336 nach Beginn der Zeitrechnung mit dem 25. Dezember festgelegt, was damals noch die kalendarische Wintersonnenwende war. Rein rechnerisch geht es sich so aus, dass der 25. März, der auch als Tag der Weltschöpfung gilt, mit der Empfängnis Jesu zusammenpasst und damit nicht unzufällig den Frühlingsbeginn markiert (also annähernd). Mit der oben genannten gregorianischen Kalenderreform verschob sich das Weihnachtsfest aber und ist nun ein paar Tage nach der Sonnenwende. Der 21. Dezember ist die sog. Thomas-Nacht und für viele der Beginn der Rauhnächte, die die Zeit zwischen den Jahren kennzeichnen.

Der Grund für die Wahl dieses Tages als das Geburtsfest Jesu Christi liegt vermutlich darin, dass die katholische Kirche den römischen Sonnenkult „unterwandern“ bzw. die Oberhoheit über diesen Tag übernehmen wollte. Erst im Jahr 274 hat Kaiser Aurelian den 25. Dezember als Festtag für Sol Invictus definiert. Die frühen Christen verbanden den Sonnengott mit ihrem Christus, der auch als „wahre Sonne“ bezeichnet wurde und so wurden die beiden Legenden miteinander verwoben.

Der zweite Weihnachtsfeiertag, der 26.12., ist dem Hlg. Stephan gewidmet, der als einer der ersten Märtyrer gilt und speziell in Österreich einen hohen Stellenwert hat. Familiär ist der Stephanitag der traditionelle Besuchstag für und bei Verwandten. Man geht „Christbaum schauen“ und ich kann mich noch gut erinnern, das meine Großmutter regelrecht entsetzt war, als ich einmal den Christbaum kurz nach Neujahr abgeräumt und entsorgt habe, denn: „Den haben ja noch nicht alle gesehen!!“

Als letzter wichtiger Weihnachtsfeiertag sei noch der Tag der unschuldigen Kinder genannt, der am 28.12. gefeiert wird. Auch das war in manchen Regionen ein Geschenke-Tag, ebenso wie der 1. Jänner.

Weihnachten, Ostern und das Pfingstfest sind die drei Hauptfeste des Kirchenjahres und markieren wichtige liturgische Zeiten.

Advent

Adventkranz - Wintersonnenwende & Weihnachten: Geschichte & UrsprungAdvent ist die Abkürzung der lateinischen Phrase Adventus Domini, was „Ankunft des Herrn“ bedeutet. So wird die Zeit bezeichnet, in der sich die gläubigen Christen auf die Ankunft und Geburt Jesu Christi vorbereiten sollen.
Eine andere Bezeichnung für diese Zeit ist auch Epiphanias, was aus dem Griechischen kommt und womit man im römischen Reich die Ankunft eines hohen Würdenträgers bezeichnete.

Ursprünglich ist der Advent eine Fastenzeit, ähnlich der vor Ostern. Es wurde nicht getanzt und es gab keine Festivitäten – eine weitere Parallele zu den Ruhetagen, die schon die Germanen kannten. Vielleicht kommt daher auch der Begriff der „stillsten Zeit des Jahres“. Das man sich mit den Nahrungsmitteln einschränkte war eine logische Sache. Um diese Zeit im Jahr wusste man noch nicht wie lange der kalte Winter dauern würde. Insofern musste man gut haushalten, damit die Vorräte bis ins Frühjahr reichen konnten. In der Zeit davor hatte man noch den Überschuss der Herden geschlachtet und ausgiebig gefeiert. Nun war Ruhe angesagt – wenig tun, wenig essen, zur Ruhe kommen.

Die Dauer von vier Wochen für den Advent ist übrigens erst seit dem Jahr 1038 fix. Davor war es ein eher schwankender Zeitraum, der je nach Auslegung auch sechs Wochen dauern konnte.

Den Adventkranz gibt es übrigens auch noch nicht so lange. 1903 hatte ein gewisser Gerhard Lang die Idee, das Warten auf Weihnachten wöchentlich mit einer Kerze auf einem grünen Reisigkranz zu zelebrieren.

Die Idee Reisig im und rund ums Haus aufzuhängen, ist aber wesentlich älter und auch schon aus weit vorchristlicher Zeit bekannt. Da die Nadelbäume auch im Winter grün sind (zumindest alle bis auf die Lärche ;), wurde das als Zeichen gesehen, dass sich die Naturkraft in die grünen Nadeln zurückgezogen hat. Durch die Dekoration holte man sich etwas von dieser Naturkraft ins Haus. Zusätzlich damit verbunden ist auch gesundheitlicher Aspekt: Der Duft der Tannen, Fichten und Föhren tut den im Winter sehr strapazierten Atemwegen gut, das Harz ist ein wertvolles Heilmittel und auch die energetische Wirkung ist reinigend, schützend, heilend.

Chanukka

Das jüdische Licherfest, das in den Wintersonnwendfesten aus der Reihe tanzt, weil zwar im Winter gefeiert wird, aber rein gar nichts mit der Sonnenwende zu tun hat.
Es ist ein Gedenkfest, das an die neuerliche Einweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 vor Beginn der Zeitrechnung erinnert. Der jüdische Kalender ist anders als der gregorianische. Weswegen Chanukka ein schwankendes Datum ist, dass zwischen Ende November und Anfang Jänner gefeiert wird.

Es ist ein eher häusliches Familienfest, dauert acht Tage an und auch hier gibt es eine Geschenketradition. Im Verlauf des Festes wird jeden Abend eine Kerze am 8-9 armigen Chanukkia Leuchter angezündet, bis am Ende der Feiern alle Arme ein Licht tragen. Dazu werden Gebete gesprochen und Lieder gesungen.

GöttInnen und Heilige dieser Zeit

Im Dezember regieren die Muttergottheiten, die Erdfrauen und die dunklen Göttinnen, die am Ende der Tage auf jeden warten. Eine davon ist die Percht.

Die Percht & die wilde Jagd

Sie zieht nun durchs Land, wild und ungestüm, und bestraft die, die ihr keine Ehre erweisen oder sich übers Jahr nicht gut benommen haben. Speziell hat sie es auf die abgesehen, die sich an den schwächeren vergreifen. Auch sammelt sie die Seelen der Verstorbenen ein, um sie mit ihrem Gefolge in die Anderswelt zu bringen. Besonders angetan haben es ihr die Seelen der ungetauften Kinder, derer sie sich erbarmt und in ihr Gefolge aufnimmt.

Percht oder Bercht heißt sie im Alpenraum. Aber sie ist auch als die Hulla, Holda oder Hollermutter bekannt. Manche nennen sie die Tödin. Der Hollunder ist ihr heilig und man sagt, dass man unter dem Hollerbusch auch den Zugang zu ihrem Reich findet. Im Märchen von der Frau Holle kann man ihr Wirken erfahren. Aber auch in der Geschichte vom Teufel und den drei goldenen Haaren.

Die Percht wohnt in den Höhlen und den tiefen Tälern, im dunklen Wald, auf den Bergen und – siehe Frau Holle – auch im tiefen Brunnen. Überall dort also, wo man den Zugang zur Unterwelt oder Anderswelt vermutet.

So dunkel und wild sie in den Geschichten auch wirkt, ihr Name bedeutet das Gegenteil: Percht kommt aus dem althochdeutschen peratha und das bedeutet die Leuchtende, Glänzende.
Diejenigen, die sich übers Jahr gut benommen haben und die Ruhezeit der Rauhnächte einhalten, werden von ihr mit Licht und allerlei Geschenken belohnt. Wer sich aber erdreistet in den Rauhnächten Wäsche zu waschen, zu spinnen, weben oder putzen (alles Synonyme für ehemals schwere Arbeiten im Haushalt), der bekommt ihren Zorn zu spüren.

Wer sie gnädig stimmen will, der sollte ihr und ihrem Gefolge in den kalten, finsteren Weihenächten Milch oder weißen Brei hinausstellen. Das mag sie und wenn die Schüsseln am nächsten Tag leer sind, so ist das ein Zeichen, dass die Percht ihre schützende Hand über Haus und Hof hält. In früherer Zeit wurden auf solche Weise auch die Armen gespeist.

Ihr Aussehen ist sehr unterschiedlich. Manchen erscheint sie wunderschön, in helle, leuchtende Gewänder gehüllt. Anderen widerum zeigt sie sich als ein hässliches, altes Weib – wie man sich bei uns, dank der grimmschen Märchen, die Hexen so vorstellte.

Heute erinnern die Perchtenläufe an die Geschichten rund um die Percht. Dabei ziehen mit Masken verkleidete Männer (und fallweise auch Frauen) durch die Orte. Einerseits um die bösen Winterdämonen zu vertreiben, andererseits um die Menschen daran zu erinnern, dass sie sich an die Ruhegebote der Percht halten sollen. Auch hier gibt es schöne Masken (Schönperchten) und ganz arg „schiarche“ – die sog. Schirchperchten. Die Krampusläufe, die ja auch in dieser Jahreszeit stattfinden, sind eine spätere Version dieser Perchtenläufe, die man mit dem heiligen Nikolaus in Verbindung gebracht hat.

Dezember2020 009 - Wintersonnenwende & Weihnachten: Geschichte & Ursprung

Hlg. Barbara

Sie wirkt auf mich immer wie eine sanfte, christliche Version der alten Percht und manches hat sie auch mit ihr gemein, zum Beispiel den Wirkungszeitraum im Dezember: Ihr Feiertag ist am 4.12. -, und ihr ist die dunkle, letzte Stunde der Sterbenden geweiht.

Ich habe schon vor einiger Zeit einen ausführlichen Artikel über sie geschrieben: Hlg. Barbara: Kirschblüten, Lostag und allerlei Brauchtum

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Hlg. Lucia – der Luciatag

Im Jahr 1583 war der 13.12., der Feiertag der Hlg. Lucia, noch der kürzeste Tag des Jahres. Als Papst Gregor XIII. den Kalender reformierte, viel der Luciatag auf den Weihnachtstag, was dann zu einigen Umbauten im Heiligen-Kalendarium führte.

Im Mittelalter bezeichnete der Luciatag das Ende der landwirtschaftlichen Tätigkeiten und den Beginn des Weihnachtsfastens.

Der Luciatag wird besonders in den nordischen Ländern Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen gefeiert und geht traditionell auf die uralten Sonnwendfeiern aus „heidnischer“ Zeit zurück.

So richtig „typisch“ wurde das Luciafest aber erst in neuerer Zeit. Im Jahr 1927 wurde erstmals eine Lucia durch eine Stockholmer Zeitung gewählt und das steigerte die Bekanntheit des Brauches in anderen Ländern enorm. Damit ist das heutige Luciafest noch einiges jünger als unser Weihnachtsfest.

Die Hlg. Lucia von Syrakus war eine Frühchristin und Märtyrerin. Ihr Name bedeutet „die Leuchtende“ und sie gehört zu den Heiligen, deren Namen im Kanon des ersten Hochgebets genannt werden.
Geschichtlich gilt es als erwiesen, dass sie auch tatsächlich gelebt hat – eine Bestätigung, die nicht viele Heilige schaffen. Sie starb im Jahr 304 in Italien und man fand eine entsprechende Grabinschrift, die auf sie hinweist.

Ihr Geschichte ist ein frühchristlicher „Klassiker„: Lucia ist die Tochter eines römischen Bürgers. Ihr Vater stirbt früh, die Mutter will sie verheiraten, aber Lucia will ihre Jungfräulichkeit für ihren Glauben bewahren. Nach einer Wallfahrt, bei der ihre Mutter von einem Leiden geheilt wird, stimmt diese dem Entschluss ihrer Tochter zu.
Das widerum traf den verschmähten Bräutigam, der sich mit einer Anzeige rächte und Lucia als Christin outete. Ein Grund, für den man damals noch grausam verfolgt wurde. Es kam zu einem Prozess, bei dem der Richter Lucia zur Strafe in ein Bordell einsperren lassen wollte. Aber das Mädel blieb standhaft und auch mit der gesammelten Kraft eines Ochsengespanns und 1.000 Männern konnte man sie nicht vom Platz bewegen. Ein göttliches Wunder, das sie aber auch nicht rettete. Man folterte sie, auch ihre Augen riss man ihr heraus – weshalb man sie auch für alle Leiden rund um das Augenlicht für zuständig erklärte – und tötete sie mit einem Stich in den Hals.

So dramatisch die Geschichte der Hlg. Lucia auch ist, das Fest am ihrem Hochtag hat wenig christliche oder religiöse Bezüge. Es findet eher nur zufällig am diesem Tag statt. Durch das gregorianische Verschieben und den Versuch, die heidnischen Bräuche zu christianisieren, sowie der Tatsache, dass man sich zu Weihnachten nicht verkleidete, brauchte es einen Namen für das Fest der Lichterbraut, das sich einfach nicht ausrotten ließ. Also griff man auf die Hlg. Lucia zurück, deren Name zumindest zum Inhalt des Brauches passte.

Der Ablauf des Luciafestes beginnt mit der Wahl einer Lucia. In der Familie ist das traditionell die älteste Tochter, die für die Umzüge und Feiern eine besondere Rolle übernimmt. Weiße, helle Kleider mit roten Schärpen und Lichterkränze auf den Köpfen gehören ebenso dazu, wie das Singen von Liedern und Umzüge. Die Kinder tragen Kerzen (heute großteils nur noch elektrische), es gibt Sternenknaben und Pfefferkuchenmännchen und auch ein paar Wichte tanzen mit.

Es gibt zahlreiche Varianten, auch eine für den Tiroler Raum, wo die Lucia manchmal sogar die Rolle des Nikolo übernimmt und Gaben verteilt . Weiter Infos und sehr übersichtliche Beschreibung des Luciafestes findet man hier.

Ein schöner Brauch ist der Lucienweizen: Am 13.12. wird Weizen in eine Schüssel mit Erde und Wasser gesät. In der Mitte soll sich eine Kerze befinden. Bis Weihnachten wächst der Weizen mit Glück gut 10cm und aus dem Kerzenschein und je nachdem, wie der Weizen gewachsen ist, soll man einen Blick in die Zukunft werfen können, speziell was den Ertrag der kommenden Ernte betrifft.

Dezember2020 011 - Wintersonnenwende & Weihnachten: Geschichte & Ursprung

Hlg. Thomas – der Thomastag

Jeder kennt den Spruch vom ungläubigen Thomas: Er bezieht sich auf den Apostel Jesu, der am längsten an der Auferstehung seines Herrn gezweifelt hat. Damit verharrte er aber auch am längsten in der Finsternis des Unglaubens und vermutlich ist ihm deshalb die längste Nacht des Jahres gewidmet.
Im Heiligenkalender ist der Tag des Hlg. Thomas zwar seit dem Jahr 1969 auf den 3.Juli verschoben, aber so leicht lassen sich die Überlieferungen und Bräuchen nicht umdatieren. Im Volksglauben ist nach wie vor der 21. Dezember der Thomastag und damit verbunden sind zahlreiche Rituale, die sich um das Deuten der Zukunft drehen. Mehr über dieses Brauchtum gibt es im dritten Teil der Weihnachts-Wintersonnwendserie.

Wintersonnenwende: Der genaue Zeitpunkt

Wer wissen will, wann genau sich das astronomische Wunder der Wintersonnenwende vollzieht, findet hier eine Liste mit den Daten der kommenden Jahre:

  • 21.12.2020, 11:02 MEZ
  • 21.12.2021, 16:59 MEZ
  • 21.12.2022, 22:48 MEZ
  • 22.12.2023, 04:27 MEZ
  • 21.12.2024, 10:20 MEZ
  • 21.12.2025, 16:03 MEZ
  • 21.12.2026, 21:50 MEZ
  • 22.12.2027, 03:42 MEZ

Quellen & Infos

… auch für die weiteren Teile der Serie:

*Affiliate Link zu Amazon

Alle Teile der Serie über Wintersonnenwende & Weihnachten

Jahreskreis YuleSegment 150x150 - Wintersonnenwende & Weihnachten: Geschichte & UrsprungTeil 1: Wintersonnenwende & Weihnachten: Geschichte & Ursprung
Teil 2: Wintersonnenwende & Weihnachten: Die Jahreskreisenergie
Teil 3: Wintersonnenwende & Weihnachten: Brauchtum & Symbole
Teil 4: Wintersonnenwende & Weihnachten: Rituale allein und in der Gruppe

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