Lichtmess – Imbolc – Brighid: Rituale allein und in der Gruppe

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Teil 4 meiner Miniserie rund um das Jahreskreisfest Lichtmess-Imbolc-Brigid, dass am 2. Februar gefeiert wird. Alle Teile sind hier zu finden: Lichtmess-Imbolc-Brighid

Das beste Mittel gegen Frühjahrsmüdigkeit? Ein Spaziergang im Freien, am besten im Wald. Nichts bringt die Lebensgeister schneller in den Frühjahrsmodus, als Bewegung in der frischen Luft, umgeben von Natur.
Egal ob es eisig ist, Schnee liegt oder Matsch, die Sonne vom blitzblauen Himmel knallt oder der Nebel sich über alles legt: Geh hinaus! Nimm dir Zeit für einen Naturgang, den du dir als Ritual schenkst.

Naturgang – Ritualwanderung

„Warum gehst du in den Wald,“ fragt der Vater
„Um Gott zu suchen,“ antwortete das Kind.
„Aber – ist Gott denn nicht überall?“
„Er schon,“, sprach das Kind, „aber ich bin nicht überall derselbe.“
Elie Wiesel

Ein Naturgang, im Sinne eines Rituals, hat einen definierten Beginn und ein ebensolches Ende. Alles was dazwischen liegt, ist Teil des Rituals. Dabei muss nichts geplant werden, es kann ein „simpler“ Spaziergang sein, bei dem alles, was dir begegnet, was passiert, was du siehst eine Bedeutung haben kann – oder auch nicht. Ich habe einmal ganz spontan einen Einkauf in einem Shoppingtempel zu einer schamanischen Reise umgedeutet und sehr spannende Erkenntnisse dabei erhalten. Hier findest du eine Beschreibung davon: Einkaufen, schamanisch

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Ideal ist, wenn du dir vorweg eine Frage oder ein Thema überlegst, wo du Antworten oder Unterstützung haben willst. Du kannst aber auch einfach mit deiner Neugier auf das, was nun kommen mag, losgehen. Wichtig ist einfach die Bereitschaft all das, was sich da zeigt, wertfrei zu betrachten. Es kann eine Botschaft für dich dahinter stecken oder auch nicht.

Dann leg dir eine Zeit fest und geh hinaus. Such dir eine Schwelle, die für dich den Beginn deiner Ritualwanderung oder schamanischen Reise bildet. Das kann eine richtige Türschwelle sein oder ein „Naturtor“, das von Bäumen gebildet wird oder ein Ast, der vor dir auf dem Boden liegt. Halt inne und warte, bis du den Impuls zum Weitergehen spürst. Ab nun bist du im Ritualraum und gehst mit deiner Frage auf deinem Weg. Versuche alles, was dir begegnet, was du siehst möglichst ohne Bewertung zu sehen. Registriere es einfach, nimm es wahr, ohne es einordnen oder analysieren zu wollen. Vielleicht fühlst du dich zu einem bestimmten Platz hingezogen oder du willst abseits des Weges ein paar Schritte gehen.Scheint die Sonne oder sind Wolken am Himmel? Weht dir der Wind entgegen oder spürst du ihn im Rücken? Ist es kalt, nass, trocken oder warm?

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Spür auch immer wieder sanft in dich hinein, wo es dich hinzieht und nimm auch in dir einfach nur wahr, was da ist – welche Emotionen kommen hoch oder sind es Erinnerungen? Fühlst du dich wohl oder kommt Unruhe hoch?
Setz deine Schritte bewusst und achtsam – „… jeder Schritt ein Kuss auf Mutter Erde“ (= ©Veronika Lamprecht) – und versuch den Blick „passiv“ zu halten: nicht schauen, ob du etwas besonderes siehst, sondern die Bilder einfach in dich hineinfallen zu lassen. Das klingt komplizierter als es ist, probier es einfach aus.

Wenn dein Zeitraum sich dem Ende nähert, bedank dich bei der Natur rundum. Vielleicht hast du ein Geschenk für die Naturwesen mitgebracht, einen Apfel oder ein paar Getreidekörner. Dann leg diese nun dahin, wo es für dich richtig erscheint. Geh wieder zurück zu deinem Ausgangspunkt und dort wieder bewusst über die Schwelle. Zuhause setz dich hin und schreib auf, was dir begegnet ist, was sich gezeigt hat. Das muss kein schöner Aufsatz sein, es reichen Stichworte.

Falls du diesen Naturgang mit anderen gemeinsam machst, dann geht dennoch jeder, jede allein für sich auf den Weg und schenkt euch Stille dafür. Im Anschluss, wenn jeder, jede wieder zurück ist, könnt ihr euch untereinander austauschen, über das Erlebte sprechen, ohne es zu „zerpflücken“. Vielleicht findet jeder/jede ein Wort für das, was bei diesem Naturgang geschehen ist. Dann notiert das auf einen Zettel und legt es in die Mitte.

Und egal ob du dieses Ritual allein oder mit anderen machst: Ein schöner Abschluss ist eine Tasse Tee, Kakao oder Kaffee, ein paar Kekse oder Kuchen, bei Kerzenschein. Das ist nicht nur sehr gemütlich, es erdet auch gut und bringt euch ganz ins Hier und Jetzt zurück.

Essenz & Baum-Mentoring

Ein Baum spricht: In mir ist ein Kern, ein Funke, ein Gedanke verborgen, ich bin Leben, vom ewigen Leben.“
H. Hesse

Die meisten Bäume sind nun in ihrer „Essenz“ zu sehen: ohne Blätterschmuck, ganz bar und blank. Ich finde diesen Anblick immer sehr berührend, als würden sie sich nun mit ihrer innersten Kraft im Außen zeigen – sieh her, das ist das, was mich trägt, meine Stärke, meine Narben, meine Wurzeln … alles pur und ohne Schmuck, kahl und dennoch voller Leben und Kraft. Was ist deine Essenz? Wie würde sie als Baum aussehen? Kannst du sie zeichnen oder findest du sie in der Natur, bei einem Spaziergang?

Falls du dir für das, was in diesem Jahr wachsen und werden soll, einen Mentor wünscht, kannst du es ja mal mit einem „Baum-Mentor“ probieren – indem du dir bei einem Naturgang (siehe oben) einen Baum oder einen Strauch suchst, der dich anspricht, zu dem du dich spontan hingezogen fühlst. Im Lauf des Jahres kannst du immer wieder zu ihm zurückkommen und ihm von deinem Weg „erzählen“, dir aber auch umgekehrt anschauen, wie er dieses Jahr erlebt – im Frühling, im Sommer, im Herbst und dann im Winter, gegen Ende des Jahres.

Kerzenweihe

Kerzen, die zu Imbolc geweiht werden, wird schon von Alters her hohe Schutzkraft zu geschrieben, weshalb solche Kerzen während des Jahres vor allem bei Notsituationen, Geburten oder am Krankenbett angezündet werden. 

Ein altes, sehr klassisches Lichtmess-Ritual ist eine Kerzenweihe. Man sprach diesen Kerzen eine hohe Schutzkraft zu und nutzte sie in Notsituationen, bei Geburten oder am Krankenbett. Ideal sind weiße Kerzen, aber du kannst auch andere Farben nehmen, die zu dir, deinem Projekte, deiner Stimmung passen. Wenn du sie für eine bestimmte Sache oder ein bestimmtes Projekt weihen willst, dann kannst du mit einer Nähnadel oder einem Holzstäbchen deine Wünsche und Ideen in die Kerze hineinritzen.

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Die Weihe kannst du selbst vornehmen – alleine oder mit einer Gruppe. Überlege dir einen Spruch, einen für dich stimmigen Segen, ein Gebet, dass für dich, für die Gruppe gut passt. Ihr könnt die Kerzen in die Mitte legen und gemeinsam oder jeder, jede für sich den Segen sprechen. Bunte Bänder, Aromaöle und Glitzer (ökologischer Feenstaub) sind auch eine schöne Möglichkeit, die Kerzen zu schmücken und ihnen so einen besonderen Auftrag zu geben.

Die Kerzen werden dann aufgehoben und sollen in Notsituationen, wenn du Inspiration oder Unterstützung für dein Projekt brauchst, oder auch wenn du etwas, was damit in Zusammenhang steht, feiern willst, angezündet.

Eine schöne, aber auch sehr arbeitsintensive Erweiterung dieses Rituals: Die Kerzen vorher selbst zu ziehen oder zu gießen.

Platz schaffen & Ballast abwerfen

Wie in Teil 2 angesprochen: das, was nun wachsen und werden soll, braucht Platz und einen guten Boden. Zudem ist es nun an der Zeit, sich von der Winter/Weihnachtsdeko zu trennen – was liegt da näher, als ein Ausmist-Ritual? Ich liebe für solche Ausmist-Aktionen die Kon-Mari Methode (siehe hier: Gründlich machen, Zeug versorgen & die KonMari-Methode – aber du findest auch genug Infos dazu im Netz, z.B. auf YouTube).

Reservier dir einen Platz im Kalender für diese Aktion, organisiere dir ausreichend Müllsäcke und Kartons, such dir eine flotte Playlist, Musik zusammen und dann leg los!
Ja, auch das kann ein Ritual sein, wenn du eines daraus machst. Marie Kondo bezeichnet es als ein Fest und was ist ein Fest anderes, als ein Ritual in einem etwas anderen Kleid?

Auch hier ist es gut, wenn du einen bewussten Anfang und ein ebenso bewusstes Ende ansetzt und dich im Anschluss mit einem guten Essen belohnst. Und falls du es auf einmal nicht schaffst, was durchaus möglich sein kann, dann setz dir gleich den Termin für dein nächstes Fest/Ritual.

Reinigungsritual – Space Clearing

Tanzt!
Damit die Engel im Himmel später etwas mit uns anfangen können.
Unbekannt

Es klingt vielleicht ähnlich, wie der vorige Vorschlag, aber hier ist mehr die energetische Reinigung gemeint – es gilt die Wintergeister auszutreiben, Luft und Leichtigkeit ins Leben zu rufen und in die Wohnung zu bringen.
Bei so einem Reinigungsritual, auch Space Clearing genannt, erfolgt idealerweise vorweg eine physische Reinigung, in Form von klassischem Putzen und Ausmisten, siehe oben. Die energetische Raumreinigung kann man auf verschiedene Weisen machen und diese auch, je nach Anlass, kombinieren.

Eine Möglichkeit ist die Reinigung mittels Klang: Glocken, Flöten, Rasseln, Trommeln, Singen … Jedes Instrument hat eine andere energetische Bandbreite, die man gezielt einsetzen kann. Nutze das, was du hast und dich am meisten anspricht. Je intensiver der Klang, desto intensiver die Wirkung – zarte Töne und Klänge sind gut um neues hereinzurufen, starke Trommelschläge widerum „lockern“ alte Strukturen auf. Wenn du magst und es für dich möglich ist, kannst du auch das Räuchern in dieses Ritual miteinbeziehen. Beachte vorweg bitte, ob bei dir Rauchmelder installiert sind – es wäre ein wenig zu intensiv, wenn sich zu deinem gewählten Klang spontan die Sirene deiner Rauchmelder hinzu schaltet oder du ungeplante Unterstützung von Feuerwehr bekommst.

Leg dir auch für dieses Ritual einen ungefähren Zeitplan zurecht und auch hier gibt es einen definierten Anfang und ein ebensolches Ende. Überlege dir vorweg, warum du das Ritual machst, was du energetisch loslassen willst und was du an Qualitäten und Energien hereinrufen magst. Richte dir alle Instrumente und was du sonst noch brauchst her, arrangiere es so, dass es für dich passt. Such dir Musik die dich unterstützt. Du kannst gemessen durch die Räumen schreiten, gehen oder auch tanzen – lass dich von dem inspirieren, was du für dich herein rufen willst, es ist DEIN Ritual. Vielleicht hast du Freunde, Freundinnen, die dieses Ritual mit dir bei dir machen wollen? Dann hol dir diese Hilfe und lass dir dabei helfen, macht ein Fest daraus.

Lichtmess Räuchermischung

Für dieses Jahreskreisfest nutze ich gerne die Kraft der „hellen“ Kräuter und die wunderbare Qualität der Föhrenwälder (Kiefern), in denen ich aufgewachsen bin. Föhrenharz ist bei uns auch als „Pech“ bekannt, was aber gar nichts mit Unglück zu tun hat ;)

Die Pecher waren diejenigen, die das Harz der Kiefern geerntet haben. Es war eine harte und sehr anstrengende Arbeit, die für viele Familien im südlichen NÖ ein wichtiges Einkommen bildete. Das Pech wurde sowohl für Heil- und Kosmetikzwecke eingesetzt, als auch in der Industrie genutzt. Kiefern, die man bei uns Föhren nennt, sind sehr harzreiche Bäume und ihr „Blut“ hat viele gute, heilsame Eigenschaften, die man in heutiger Zeit wieder neu entdeckt. Die alten Pechbäume findet man bei uns nach wie vor und immer wieder auch alte Pecher-Häferl, die zum Auffangen des Harzes genutzt wurden.

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Mein Föhrenharz sammle ich bei den Waldspaziergängen, meist im Sommer. Wie jedes andere Harz auch muss es gut getrocknet werden, ehe man es zum Räuchern nehmen kann. Der Duft ist wie ein Kiefernwald im Sommer: Intensiv, würzig und für mein Empfinden sehr licht. Ein tiefer Atemzug entführt mich sofort in die hellen Föhrenwälder, wo die zartgrauen Stämme zum Himmel streben, gut verwurzelt in der Erde.

Leider kaum zu finden, aber wenn, dann besonders toll: Föhrenharz von einem Blitzbaum – das ist ein Baum, in dem ein Blitz eingeschlagen hat. Damit kann man auch die spezielle, sehr inspirierende Kraft der Blitzernergie in diese Mischung hineinbringen, was gut ist, wenn man neue Ideen und kreative Eingebungen braucht.

Meine Lichtmess-Räuchermischung

  • Föhrenharz, gut und lange getrocknet
  • Mistel: meist nehme ich die, die wir zu Weihnachten aufgehängt haben und die bei uns in den Föhrenwäldern gut zu finden ist. Die Mistel dreht negative in positive Energien, auf sanfte, aber sehr kraftvolle Weise. Ihr Duft ist zart, kaum wahrnehmbar, aber die Wirkung im Gegenzug sehr intensiv. Sie ist eine meiner absoluten Lieblingsräucherpflanzen und eine verlässliche Verbündete bei energetischen Raumreinigungen.
  • Beifuß: Der Klassiker, der in kaum einer Jahreskreisfest-Mischung fehlt und laut Überlieferung die Kraft hat, die Grenzen zwischen den Welten zu überwinden, um Botschaften von der einen zur anderen Seite zu bringen.
  • Mädesüß: abgesehen vom wunderbaren Duft ist Mädesüß ganz besonders gut bei Neuanfängen, um alte Strukturen, die losgelassen werden sollen, aufzulösen. Es wirkt stimmungsaufhellend und hilft die Gefühle zu aktivieren (damit auch das Innere in Bewegung kommen kann). Zudem bringt es das innere Kind zum Lachen und vor allem fördert es auch die Intuition. Auf der heilsamen Ebene wirkt es schmerzlindernd und gilt als „Aspirin aus der Natur“.
  • Styrax: ein sehr angenehm riechendes Harz, das fast augenblicklich für Geborgenheit und Wohlbefinden sorgt. Da es sehr intensiv ist, sollte man es sparsam und nur in Mischungen einsetzen.
  • Johanniskraut: der klassische Lichtbringer, ideal bei Depression, Melancholie und „Winterblues“.
  • Ringelblume: diese kleine, zarte, aber sehr hartnäckige und stark wüchsige Blume sieht nicht nur aus wie eine kleine Sonne, sie verbindet auch direkt mit dieser. Als Heilpflanze ist sie seit ewig in der Volksmedizin bekannt und beliebt, als Räucherpflanze kann sie ihr Potential vor allem in Mischungen mit anderen entfalten. Auch sie stärkt die Intuition und hilft, den grauen Winter aus dem Gemüt und Körper zu vertreiben.

Ich habe keine Mengenangaben und mische nach Gefühl. Immer wieder riechen, reinspüren, anpassen und gegebenenfalls ergänzen. Alles gut mörsern und eine kleine Portion, gerade so viel, als man mit zwei Fingern leicht greifen kann, auf einem Gitter, mit einem Stövchen oder auf einer Kohle räuchern.

Wichtig: Bitte nicht unbeaufsichtigt lassen und immer gut lüften!

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