Der Juni: Brachet, Rosenmond und feuriger Johanni

Er soll den Sommer bringen und macht dabei oft vieles falsch, denn das Wetter gebärdet sich im Juni oft noch sehr launisch und wild. Ist es zu heiss, klagen die einen, dass die Ernte verdorrt und es zum Arbeiten vieeel zu warm ist. Regnet es, jammern die anderen, dass die Ernte verfault und man doch nun Sonne braucht, damit alles beizeiten reif wird … und kalt mag es jetzt sowieso keiner. Der Juni ist zu Hitze verpflichtet (was ihn aber leider oft kalt lässt).

Zugleich ist nun die hohe Zeit der Hochzeiterei voll angebrochen und Mitte Juni steht dann auch schon das nächste Jahreskreisfest an: die Sommersonnenwende – auf christlich auch Johanni genannt.

In den Schulen beginnen die Vorferien: Man geht noch hin, aber es tut sich kaum noch etwas, lerntechnisch gesehen. Es wird schon allenthalben sehnsüchtig auf die kommende Ferienzeit gewartet.

Irgendwie hat dieser Monat den faden Beigeschmack einer Passage zwischen Frühling und Sommerurlaub bekommen – dabei gibt es viel Interessantes über ihn zu berichten. Beginnen wir, wie immer ;), beim Namen, der auch dieses mal göttlich inspiriert ist.

Der Name

Juno, die römische Göttin der Geburt, Ehe und Fürsorge, stand Patin für den sechsten Monat im Jahr. Umgangssprachlich trägt sie ihn bis heute, denn in vielen Gegenden sagt man statt Juni Juno, damit man ihn phonetisch besser vom Juli unterscheidet, der dann Julei genannt wird.
Wie auch die anderen Monate hat der Juni während seiner römischen Laufbahn eine Namenswandlung durchgemacht: Nero ließ ihn auf Germanicus umbenennen, Commodus nannte ihn Aelius – beides setzte sich nicht durch und hielt nur bis zum jeweiligen Ableben der beiden Kaiser.

Brachet – Brachmond

Gebräuchlicher war in unserer Region die Bezeichnung Brachet oder Brachmonat. In dieser Zeit wurden die Brachen der Dreifelderwirtschaft umgepflügt. Diese Form der Bewirtschaftung war im Mittelalter die am weitesten verbreitete Landwirtschaftsform. Bei den Römern gab es die Zweifelderwirtschaft, die lange Zeit auch in den römischen Provinzen Verbreitung fand.
Erst um 1100 n. Chr. begann man mit der ertragsintensiveren Dreifelderwirtschaft, die als erstes von den Klöstern angewendet wurde. Dabei wird das zu bewirtschaftende Land in drei gleich große Teile aufgeteilt, von denen eines jeweils ein Jahr lang brach lag. Was auf natürliche Weise darauf wuchs, wurde zur Weidewirtschaft genutzt. Mit dieser Form der Bewirtschaftung und in Verbindung mit verbesserten Geräten für den Ackerbau (Eisenpflug) konnte der Ertrag deutlich gesteigert werden, was der zu dieser Zeit rasch wachsenden Bevölkerung die Lebensgrundlage verschaffte.

Das Wort „Brache“ kommt übrigens vom „umbrechen“ – also dem Pflügen des Ackerbodens.

Rosenmond

Sommer 013Mein persönlicher Sommerbeginn ist dann, wenn bei mir die ersten Rosen blühen, was manchmal in den Mai und manchmal in den Juni fällt. Generell ist der erste kalendarische Sommermonat die Zeit, wo die Rosen ihre volle Blüte erreichen und ihm dadurch den schönen Namen „Rosenmonat“ geben.

Im Gegensatz zur Bezeichnung Brachmond hat sich der Rosenmonat und sein blumiger Bezug bis in die heutige Zeit gehalten. Jedes Jahr finden im Juni zahlreiche Rosenfeste und Infoveranstaltungen rund um die Königin der Blumen statt.

Herz-Jesu-Monat

Sommer 011Am zweiten Freitag nach Pfingsten wird in der katholischen Kirche das Herz-Jesu-Fest gefeiert, weshalb der Juni fallweise auch Herz-Jesu-Monat genannt wird.

Es ist ein Hochfest, dass allerdings eher jüngeren Datums ist und erst seit Ende des 19. Jahrhunderts verbreitet gefeiert wird.

Hier kann man die Details dazu nachlesen: Heiligstes Herz Jesu

Göttinnen & Heilige im Juni

Der Juni ist die Zeit, mit der die Reifung beginnt – nicht nur landwirtschaftlich gesehen. Die wilde Kraft des Anfangs ist gezügelt, hat ihren Wachstumshöhepunkt erreicht. Nun muss das Erschaffene reifen, möglichst in Ruhe und Frieden. Man sollte meinen, dass auf Grund der nun beginnenden heißen Zeit das Feuer das beherrschende Element dieses Monats ist. Dem wird mit den Sonnwend- und Johannifeuer auch enstprechende Ehre erwiesen. Doch zusätzlich sind es die Wasserwesen und die entsprechenden Gottheiten, die man um Hilfe und Schutz bittet. Zu schnell kann ein wütender Gewitter- oder Hagelsturm alle Anstrengungen der letzten Monate zerstören.
Es braucht nun ein feines Gleichgewicht zwischen Feuer (=Hitze) und Wasser, damit alles gut reif werden kann. Dafür braucht es eine feste, ruhige Hand und die hat man vornehmlich bei den reifen, mütterlichen und roten Göttinnen vermutet.

Juno – Hera – Freya (Frigg): die müttlerlichen Göttinnen

Sommer 009Juno und Hera teilen ein trauriges Schicksal: Sie sind uns heute hauptsächlich als keifende Gemahlinnen ihrer herrschenden und sehr untreuen Männer bekannt. Damit tut man ihnen aber bitter Unrecht. Das Bild des hysterischen, eifersüchtigen Eheweibs, das ihrem schwer arbeitenden Gemahl nachstellt, der sich ja nur ein bisserl vergnügen will, hat Homer mit seinen abenteuerlichen Götter- und Heldensagen gezeichnet.
Mag sein, dass sich das dramaturgisch besser erzählen lässt, als die umsichtig hütende Frau, die sich um den Bestand und Erhalt der Ehe, das Gleichgewicht in der Gemeinschaft und um gute Geburten kümmert. Stimmig ist es aber nicht.

Die römische Juno hat ihre Wurzeln im Glauben rund um die griechische Hera, die eine Schwester des Zeus und die Tochter von Rhea und Kronos war. Hera ist übrigens die weibliche Form von Heros – was Herr bedeutet.

Ursprünglich muss das Zusammenleben der Götter ein gänzlich anderes gewesen sein, denn die alten Geschichten erzählen, dass sich Hera und Zeus nur einmal im Jahr vereinigten, und zwar unter dem Baum, unter dem Hera geboren wurde.
Das war ein sog. Keuschbaum, ein Mönchspfeffer, auch Liebfrauenbettstroh genannt. Der Name spricht für sich: der Mönchspfeffer soll den Geschlechtstrieb zügeln. Für die Griechen war der Baum das Symbol einer keuschen Ehe. Seine Wirkung als Anaphrodisiakum war auch den Heilkundigen im Mittelalter wohlbekannt – was ihm den züchtigen Namen eingebracht hat.

Der triebregulierende Baum war jedenfalls eines von Heras Attributen, ebenso wie der Pfau, die Lilie (die ja auch jetzt blüht), der Kuckuck (den man im Juni nach wie vor oft hört und der im Mai der Aphrodite/Venus zugeordnet wird), die Kuh, die Gans und der Granatapfel – welcher im Gegensatz zum mönchischen Baum als uraltes Aphrodisiakum gilt.

Hera hat somit alle Mittel in der Hand, um die Ehe (und die Zeit) entweder zu beruhigen oder anzufeuern – was sie unter anderem zur idealen Namensgeberin für einen Monat macht, der schnell von einem Extrem ins andere umschlagen kann.

Nett ist auch die Geschichte der Werbung des Zeus: Er hatte es 300 Jahre lang immer wieder probiert, wurde aber von Hera abgewiesen. Eines Tages verwandelte er sich in einen Kuckuck und setzte sich in Heras Schoß. Hera war von dem schrägen Vogel ganz entzückt … bis der sich wieder in Zeus zurückverwandelte. Offenbar fand er aber dann doch noch die richtigen Argumente und eroberte Heras Herz und Hand.

Junos Geschichte und Attribute bauen auf denen von Hera auf, kombiniert mit starken etruskischen Einflüssen. Sie galt den Römern als Königin der Göttinnen. Als solche war sie auch die Schirmherrin Roms und wer in Geschichte aufgepasst hat, der erinnert sich nun vielleicht an die kapitolinischen Gänse, die Rom dereinst vor den Germanen gerettet haben. Das taten sie auf Geheiß Junos, die von den römischen Bürgern daraufhin den Zusatz Moneta bekam – was soviel wie Warnerin bzw. Mahnerin bedeutet. Ihrer zusätzlichen Funktion als Schutzpatronin der römischen Münzstätte verdanken wir den Begriff Moneten für Geld.

Interessant ist, dass der Juni zwar nach Juno benannt ist, ihr Feiertag aber am 1. März war: die Matronalia (was sich vom lat. Mater für Mutter ableitet), ein großes Frauenfest, an dem alle Frauen gefeiert wurden und die Sklaven einen Tag frei hatten.

Iuno nannte man übrigens den persönlichen Schutzgeist einer Frau – als Pendant zum Genius, der die Männer schützte.

Wasser und Feuer

verzauberte Bäche… oder Sonne und Mond – die Regenten des Himmels und gerade im Juni von besonderer Bedeutung, denn nun braucht es ein gutes Gleichgewicht zwischen diesen beiden. Die Sonne sorgt für Kraft, Wärme und Lebensenergie, der Mond aber war laut früherem Glauben für das Wachstum des Getreides, das Verhalten von Mensch und Tier, Ebbe und Flut, sowie für die Fruchtbarkeit der Frau zuständig. Steht die Sonne für das Feuer, so versinnbildlicht der Mond das Wasser.
Im Deutschen hat die Sonne einen weiblichen Artikel, der Mond einen männlichen – im englischen, aber auch im lateinischen, ist es genau umgekehrt und ich denke, dass ist auch energetisch stimmiger.
Doch im Grunde genommen ist es egal, denn wichtig ist nun, dass sich die beiden gut vertragen und für Harmonie in dieser beginnenden Reifezeit sorgen. Feuer und Wasser können zerstören, aber auch heilen und wachsen helfen. Insofern verwundert es nicht, dass man sich in den Sommermonaten den Schutz der Archetypen beider Elemente erflehte und sowohl die feuerigen Götter und Göttinnen anbetete, als auch die Hüterinnen des Wassers.

Trotz der spannenden Wetterhoffnungen, ist der Juni, generell der Sommer, eine mütterliche und nährende Zeit – und auch das ist Juno-Hera, oder im germanischen Raum Freya bzw. Frigg, die mütterliche Version von Freya, oder die ägyptische Isis. Das umsorgende Behüten, das Aufrechterhalten des Gleichgewichts, die Fürsorge für die Gemeinschaft, die nur bestehen kann, wenn das, was im wilden Frühling gepflanzt wurde, nun sanft reifen kann … sind alles Eigenschaften, die mit diesen Göttinnen stimmig in Verbindung stehen.

St. Vitus – Hlg. Veit

Am 15. Juni ist sein Gedenktag und er zählt zu den Nothelfern. Er lebte in Italien und starb 304 n. Chr. den Märtyrertod.
Vitus war von frühester Jugend an Christ, bekehrt von seiner Amme und seinem Erzieher, und wirkte schon als Kind zahlreiche Wunder. Was sein Vater nicht gutierte und ihn deshalb schlagen ließ. Vitus gesamte Lebensgeschichte liest sich wie ein wilder Science Fiction Roman:

  • Den Folterknechten und dem Richter verdorrten die Arme, ehe sie in peinigen konnten.
  • Sein Vater, der ihn mit einer Gruppe Mädchen einsperrte, die den Buben verführen sollten, wurde blind, als er dem Treiben durchs Schlüsselloch zusehen wollte. Ein Gebet seines frommen Buben, der vor den veführerischen Mädchen durch 7 Engel beschützt wurde, brachte ihm das Augenlicht wieder.
  • Auf der Flucht vor weiteren Verfolgungen brachte ein Adler Brot zu Vitus und seinen Begleitern und rettete sie so vor dem Verhungern.
  • Die Flucht misslang, sie wurden nach Rom zum Kaiser gebracht, dessen besessener Sohn von Vitus geheilt wurde. Dankbarkeit gab es keine dafür, die Weigerung den römischen Göttern zu opfern endete für Vitus und seine Freunde wieder im Gefängnis.
  • Dort sollten sie mit schweren Eisenplatten gefoltert werden, aber durch ein himmlisches Wunder fielen die von ihnen ab. Ein weiteres Wunder beschützte sie im siedenden Ölkessel und sorgte danach dafür, dass sich der Löwe, dem sie zum Fraß vorgeworfen wurden, in ein zahmes Kätzchen verwandelte.
  • Schlussendlich sorgten Blitze und Erdbeben dafür, dass das weitere Foltern beendet werden musste. Vitus und seine Getreuen wurden von Engeln befreit und an einen Fluss gebracht, wo sie schlussendlich friedlich im Gebet verstarben.

Die spannende Geschichte, die ca. 300 Jahre nach seinem Tod geschrieben wurde, sorgte schon früh dafür, dass Vitus verehrt wurde. Das mag nun garstig klingen, aber ich denke, dass es schon damals ein Faible für solche „Filmgeschichten“ gab (die Vorläufer unserer Hollywood-Blockbuster), was vermutlich auch ein Grund für die Popularität besonders gemarterter Heiliger war.

Vitus Beliebtheit lag aber auch daran, dass man ihm nachsagte, dass er die vom Veitstanz erfassten heilen könnte – eine Erkrankung, Chorea genannt, die der Epilepsie ähnlich ist, und als dämonische Besessenheit ausgelegt wurde.
Eine weitere Wunderwirkung des Hlg. Vitus ist angeblich das pünktliche Wachwerden, das er auf eindringliche Bitte hin bewirken soll:

„Heiliger St. Veit, wecke mich zur rechten Zeit;
nicht zu früh und nicht zu spät,
bis die Glocke … schlägt.“

Dazu passt die Darstellung mit einem Hahn. Vitus hat als christlicher Heiliger den slawischen Lichtgott Svantovit verdrängt, dem man früher Hühner und Hähne geopfert hat. Neben der Verehrung übernahm St. Veit auch den Feiertag des Lichtgottes – was wunderbar in den Sommer passt.

Der Hlg. Vitus gilt auch als Schutzheiliger der Jugendlichen, Winzer und Gastwirte, der Stummen und Tauben, aber auch der Haustiere. Er gilt als Hüter der Keuschheit (wegen der 7 Engel, siehe oben …), wird für eine gute Aussaat und Ernte angerufen und hilft gegen Besessenheit, Tollwut, Hunde- und Schlangenbisse, Augen- und Ohrenleiden, bei Unwetter, Blitz und Feuersgefahr und – sehr interessant in Verbindung mit der Keuschheit – bei Unfruchtbarkeit.

St. Johannes

Sommer 005Johannes der Täufer, meiner Meinung nach eine der schillerndsten Gestalten der Bibel, ist neben Maria der einzige Heilige, wo nicht der Todestag (=der Beginn des ewigen Lebens) sondern der Geburtstag gefeiert wird.

Die offizielle Begründung für diese Änderung im Verehrungsdatum: Maria wurde bereits rein und heilig geboren. Johannes widerum wurde durch die Gegenwart Jesu in Marias Bauch von allen Sünden befreit und vor seinem Tod bereits heilig.

Die Geschichten von Johannes und Jesus klingen ähnlich: beide wurden vor ihrer Geburt schon in Prophezeiungen angekündigt und auch bei Johannes war es ein Engel (Gabriel), der die Schwangerschaft verkündete. Was bei den Eltern für Erstaunen sorgte, denn die waren schon recht hochbetagt.

Die erste Begegnung zwischen Johannes und Jesu geschah bereits im Mutterleib, als Maria ihre Verwandte – Johannes Mutter Elisabeth – besuchte. Diese Begegnung sorgte dafür, dass Johannes (siehe oben) bereits alle (Erb)Sünden vergeben waren, noch ehe er auf die Welt kam.

Seinen Namen erhielt Johannes durch seine Mutter, die sich gegen den Wunsch der anderen, die das Kind Zacharias nennen wollten, durchsetzte. Johannes – Gottes Gnade – sollte er heißen.

Johannes gilt als der Vorläufer Jesu und als einer seiner letzen Propheten. Wie auch Jesus meditierte Johannes in der Wüste, wo er längere Zeit als Einsiedler lebte. Als er dreißig wurde verließ er die Wüste und zog zum Jordan, an dessem Ufer er zu predigen begann. Wer sich zu seinen Sünden bekannte, wurde von ihm im Wasser des Jordan getauft – eine Bußtaufe, die ein Zeichen der Umkehr im Lebenswandel sein sollte.
Johannes wurde populär und von vielen schon als der Heiland bezeichnet – was er stets streng von sich wies. Seine Predigten sorgten für Aufruhr, sein asketisches Leben für Bewunderung, Jesus selbst nannte ihn einen Engel und ließ sich später von ihm taufen.

Kurz  nach Jesu´ Taufe wurde Johannes ins Gefängnis geworfen. Herodes Antipas, der damalige Herrscher über Judäa, hatte sich als zweite Gemahlin Herodias, die Frau seines eigenen Bruders genommen, und wurde von Johannes dafür kritisiert. Ein anderer Grund mag gewesen sein, dass Herodes die Popularität des Predigers fürchtete, dessen Anhängerschaft stetig wuchs.

Johannes starb wenige Jahre vor Jesus. Seine Hinrichtung war Teil eines Versprechens, dass Herodes Salome, der Tochter von Herodias gab, die ihm bei einem Bankett mit ihrem Tanz so begeisterte, dass er schwor ihr zu geben was immer sie haben wolle. Sie verlangte den Kopf des Johannes.
Herodes war ursprünglich gegen eine Hinrichtung, doch Herodias konnte Johannes nicht vergeben, dass er gegen die Verbindung gewettert hatte. So brachte sie ihre Tochter dazu, Johannes Kopf als Lohn für den Tanz zu fordern. Herodes konnte sich dem Wunsch des Mädchens nicht entziehen, ohne sein Gesicht zu verlieren, und Johannes wurde enthauptet.

Kurz darauf sollte es zu einer wichtigen Schlacht kommen, die Herodes aber verlor, was vom Volk als Strafe für die Hinrichtung des Johannes gedeutet wurde.

Johannes ist einer der wichtigsten Heiligen in den christlichen Legenden, egal ob katholisch, orthodox oder evangelisch, auch im Islam wird er erwähnt.

Sein Gedenktag ist der 24. Juni, 2-3 Tage nach der Sommersonnenwende und 6. Monate nach Christi Geburt – um soviel war Johannes älter als Jesus. Das Johannesfest gilt als katholisches Hochfest. Um den Tag selbst ranken sich zahlreiche Bräuche, die ihren Ursprung großteils in den heidnischen Sonnwendritualen haben.

Johannes wird meist mit einem Fellgewand, einem Kreuzstab oder einem Lamm dargestellt. Sehr verbreitet ist auch die Darstellung der Johannes-Schüssel: Eine Schale mit dem abgetrennten Haupt des Täufers. Dieser Darstellung wurde Hilfe speziell bei Kopfleiden nachgesagt, weshalb man sie in Spitälern gerne zeigte.

Der Hlg. Johannes ist unter anderem Schutzheiliger der Johanniter und des Malteserordens. Beides Gemeinschaften, die sich unter anderem auch um Kranke, Alte, Flüchtlinge und Behinderte kümmerte.
Weiters gilt Johannes als Schutzpatron der Steinmetze und sein Gedenktag am 24.Juni ist zugleich auch das Bundesfest der Johannislogen der Freimaurer.

Und für die Spargelbauern ist der Johannitag der letzte Tag der Spargelernte.

Peter & Paul

Am 29. Juni gedenkt man der beiden Apostel Simon Petrus und Paulus von Tarsus, kurz Peter & Paul genannt. Die beiden sind als Kirchenväter bekannt und gelten sie als die Begründer der christlichen Gemeinschaft in Rom. Ihr Andenken wird seit dem 4. Jahrhundert nach Christus gefeiert und zieht sich gleichfalls durch alle christlichen Religionen.

Eine Besonderheit der Feiern sind die sog. Peterlfeuer, die speziell in Österreich und Bayern zu finden sind. Ähnlich den Johannesfeuer werden sie rund um die Sonnenwende angezündet. Manchmal wird auch eine Puppe mitverbrannt und wenn der Holzstoß niedergebrannt ist, springt man für einen guten Segen über das Feuer. Wer es schafft, hat danach eine Wunsch frei.
Die Ähnlichkeiten zu den heidnischen Sonnwendfeuern sind, wie auch beim Johannesfeuer, nicht zufällig ;-)

In vielen Diözesen finden am Peter & Paul Tag auch die Priesterweihen statt und in der orhodoxen Kirche gibt es bis einen Tag davor das sog. Apostelfasten, dass zu Pfingsten beginnt und am 28. Juni endet.

Den beiden Apostel sind zahlreiche Kirchen, Klöster und Gebäude geweiht, am bekanntesten ist die Peter-und-Paul-Festung in St. Petersburg.

Simon Petrus

Simon stammte wie Jesus aus Galiläa, war wie er Fischer und – was wenige wissen – verheiratet. Über den Namen seiner Frau ist nichts bekannt, wohl aber, dass Jesus Simons Schwiegermutter von einer schweren Krankheit heilte. Da Jesus gegen die Ehescheidung war und der Ehe grundsätzlich nicht ablehnend gegenüberstand, ist anzunehmen, dass Simons Ehefrau ihren Mann auf seinen späteren Missionsreisen aktiv begleitete. Diese Info ist insofern interessant, da ja Simon Petrus der erste Bischof von Rom war. Er war „der Fels, auf dem ich meine Kirche bauen will“ – wie Jesus laut Neuem Testament sagte.

Simons Spitzname war lt. Überlieferung Kephas (Kefa), was soviel wie „Stein“ bedeutet und aus dem obigen Satz ein schönes Wortspiel macht. Den Spitznamen soll Simon von Jesus selbst erhalten haben, der Grund ist unbekannt. Der Zusatz „Petrus“ hat auch einen steinigen Bezug: Petros (griech.) kommt von Petra und bdeutet Fels. Simon erhielt diesen Zusatz anlässlich seiner Bekehrung, die ihn zum Jünger Jesu machte.

Laut Neuem Testament war Simon Petrus einer der ersten und prominentesten Jünger, der auch immer wieder als Sprecher der Gemeinschaft auftrat. Trotz seiner Liebe zu Jesus und erklärter Opferbereitschaft war er aber auch derjenige der ihn nach seiner Verurteilung dreimal verleugnet hat, noch ehe der Hahn krähte.

Ähnlich wie im Leben folgte Simon Petrus Jesus auch in den Tod: Er wurde von Nero in Rom gekreuzigt, allerdings mit dem Kopf nach unten. Sein Grab soll sich auf dem vatikanischen Hügel, unter dem Petersdom befinden.

Simon Petrus ist der Schutzpatron der Päbste und zahlreicher Städte, unter anderem Rom, Trier, Worms und Regensburg. Es gibt auch unzählige Peterskirchen und Orte, die seinen Namen tragen – was ihn diesbezüglich zu einem sehr beliebten Heiligen macht.

Neben seinen prominenten Patrozinien ist er auch der Schutzheilige der Metzger, Schmiede, Uhrmacher, Töpfer, Maurer, Weber und natürlich auch der Schiffer und Fischer. Sein helfende Wirkung soll sich auf Bessesenheit, Fallsucht, Tollwut, Fieber, Schlangebisse und Diebstahl entfalten – was insofern interessant ist, als der Hlg. Vitus (siehe oben) ähnliche Bereiche abdeckt und im gleichen Zeitraum seinen Feiertag hat.

Was einem zu der seltsamen Frage bringen könnte, warum die Heiligen, die gegen die Besessenheit helfen sollen, ausgerechnet im Sommer, rund um die Sonnenwende, gefeiert werden …

Im Volksglaube hat der gute Petrus aber noch eine weitere wichtige Funktion über: er ist der Himmelspförtner, der Türsteher, der den anklopfenden Seelen der Verstorbenen Einlass gewehrt oder nicht. Außerdem ist er auch für das Wetter zuständig, besonders für den Regen – und das schließt den Kreis wieder und passt zu seiner Verehrung rund um die heisse Sonnenwende, wo alle, die das Wasser hüten und regeln können, besonders angefleht wurden (werden).

Paulus von Tarsus

Paulus ist der, der zuerst Saulus hieß und später einen anderen Namen annahm. Ursprünglich war er ein Verfolger der Anhänger Jesu und gesetzestreuer Pharisäer. Er stammte aus Tarsus, war von Geburt an römischer Bürger und sehr gebildet. Was ihn von den anderen Jüngern abhob und im späteren Verlauf, bei den Missionierungen, einige Vorteile einbrachte.
„Paulus“ bedeutet „der Kleine“ und kommt aus dem Lateinischen, wohingegen Saul(us) hebräisch ist. Die Redewendung „Vom Saulus zum Paulus“ wird oft mit dem Wandel vom Christenverfolger zum Christusfolger verbunden, dürfte aber falsch sein. Viele Juden wählten (und wählen) fern ihrer Heimat einen anderen Namen, der dem alten ähnlich sein kann, aber hauptsächlich für die neue Umgebung leichter verständlich sein soll. Als römischer Bürger, der missionierend durch die Lande zog, hatte es ein (lateinischer) Paulus damals sicher leichter als ein hebräischer Saul.

Paulus begegnete Jesus zu Lebzeiten kein einziges Mal. Nach der Kreuzigung ist im Jesus jedoch mehrmals erschienen und fragte warum er (Paulus) ihn (Jesus) verfolgte. Paulus erblindete und erlangte durch die Taufe sein Augenlicht wieder. Fortan war er einer der eifrigsten Apostel, der sich selbst als Völkerapostel bezeichnete.

In der Bibel ist er vor allem als Verfasser der Paulus-Briefe und für seine zahlreichen Reisen bekannt. Diese Reisen brachten auch einiges an Verfolgung und Ablehnungen, bis hin zu Strafen und Gefängnisaufenthalten mit sich. Die körperlichen Leiden, die vermutlich daraus erfolgten, deutete er teilweise auch in seinen Briefen an.

Paulus wurde bei seinem letzten Aufenthalt in Jerusalem verhaftet und angeklagt einen Nichtjuden in den Tempel gebracht zu haben, worauf nach damaligem jüdischem Recht die Todesstrafe stand. Die Römer nahmen ihn in Schutzhaft und es folgte eine mehrjährige rechtliche Auseinandersetzung. während der er sein Bestes tat, um die römischen Stadthalter zu bekehren. Da er römischer Bürger war, wurde er schlussendlich der Gerichtsbarkeit in Rom übergeben. Über seinen Tod weiß man nicht viel, doch soll er von Nero zum Tod durch das Schwert verurteilt worden sein. Eine Kreuzigung war für einen römischen Bürger nicht üblich.

Auch sein Grab liegt in Rom, angeblich unter der Kirche San Paolo fuori le mura.

Neben dem Peter & Paul Tag, der er mit Simon Petrus teilt, gibt es noch den 25. Januar, wo Pauli Bekehrung gefeiert wird. Er ist natürlich auch Schutzpatron zahlreicher Orte und Kirchen, die bekannteste ist hier die St. Pauls Cathedral in London.

Paulus gilt als Schutzpatron der Theologen und Seelsorger, der Weber, Seiler, Korbmacher, Sattler und der Presse. Auch er wird um Unterstützung bei Regen angerufen, und soll die Fruchtbarkeit der Felder steigern können. Auch bei Furcht, Ohrenleiden, Krämpfen und (einmal mehr) Schlangenbiss wird er um Hilfe gebeten. Bessesenheit steht nicht auf seiner Liste.

Siebenschläfertag, Sommeranfang und weitere wichtige Tage im Juni

Über Fronleichnam, Christi Himmelfahrt und Pfingsten haben ich hier schon ausführlich geschrieben:

Im folgenden daher die anderen spannenden Tage, die der Juni regelmäßig bereit hält.

Vatertag

Sommer 002Wie die Mutter, so der Vater – auch beim Ehren der Eltern wird gegendert und darum gibt es den Vatertag … könnte man meinen.

Der Brauch rund um den Vatertag ist nicht so volkstümlich und regional stark unterschiedlich, was sich schon im Datum zeigt, an dem er gefeiert wird. Denn das ist in Österreich der 2. Sonntag im Juni, in Deutschland an Christi Himmelfahrt, in Liechtenstein am 19. März (das ist der Josefstag), in Bulgarien am 26. Dezember, in Amerika am 3. Sonntag im Juni … und auch sonst hat, so scheint´s, jedes Land ein anderes Datum für diesen familiären Feiertag.

In Österreich wird der Vatertag seit 1955 gefeiert, als Gegenstück zum Muttertag. Er wird allerdings deutlich weniger bis gar nicht wahrgenommen.

In Deutschland wird der Vatertag auch als Herrentag oder Männertag bezeichnet und seit Ende des 19. Jahrhunderts gefeiert. Die Herrentagspartie, die in Deutschland an Christi Himmelfahrt mittlerweile schon Tradition hat, stammt ursprünglich aus der DDR, die Christi Himmelfahrt so eine neue Bedeutung gab.
Meist wird eine (männer)gemeinsame Wanderung oder Ausfahrt getätigt, bei der speziell der Konsum von großen Mengen Alkohol auf der Tagesordnung steht, den man in Bollerwägen mit sich führt. Rein statistisch gibt es an diesem Tag deutlich mehr Schlägereien und Unfälle.

Siebenschläfertag

Bei diesem handelt es sich nicht um den Ehrentag der putzigen, nachtaktiven Nagetierchen, sondern um den Gedenktag an die 7 Schläfer von Ephesus. Die Legende erzählt von sieben jungen Christen, die zur Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Decius (249 – 251 n. Chr.) in einer Berghöhle eingemauert wurde.

Sie starben jedoch nicht, sondern schliefen fast 200 Jahre lang. Am 27. Juni 446 wurden sie durch Zufall entdeckt. Sie erwachten, bekannten sich erneut zum christlichen Glauben und starben kurz darauf.

Im bäuerlichen Alltag gilt der Siebenschläfertag als wichtiger Lostag – allerdings nicht am aktuellen Datum. Durch die gregorianische Kalenderreform kam es zu einer Verschiebung und der wettertechnische richtige Termin wäre daher der 7. Juli.

Spannend ist in diesem Zusammenhang, dass zu dieser Zeit tatsächlich ein Wetterphänomen bekannt ist, speziell im Raum Süddeutschland. In der Zeit von 5. bis 10 Juli konnte eine statistische Häufung bei der Stabilisierung der Wetterlage beobachtet werden. Schuld daran ist der Jetstream. Je nachdem wo er liegt, kommen entweder Tiefdruck- oder Hochdruckgebiete, und das für einen längeren Zeitraum:

Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, dann regnet’s ganze sieben Wochen.

Sommeranfang – Sommersonnenwende

Der Sommersonnenwende möchte ich noch einen eigenen Artikel widmen, daher hier nur ein paar ausgewählte Infos:

Die Energie der Sommersonnwend-Zeit

Sommer 004Nach der intensiven Wachstumsphase ist nun die Zeit der Ruhe im Außen gekommen: Die Sommersonnenwende ist das gespiegelte Äuquivalent zur Wintersonnenwende, dem inneren Innehalten. Die Sonnenkraft hat ihren höchsten Punkt erreicht, was gesät wurde, ist aufgegangen oder muss nun abgeschrieben werden.

Viel ist nicht zu tun, außer: Warten. Denn nun beginnt das Reifen, ein spannungsgeladene Ruhephase bevor die Ernte beginnen kann. Es gibt wenig, was getan werden muss, aber das erfordert alle Achtsamkeit: Bei manchen Pflanzen empfiehlt es sich, zu üppige Triebe und Früchte zu entfernen – ausgeizen nennt man das zum Beispiel bei den Tomatenpflanzen. Hat die Pflanze zuviele Triebe, ist das zwar im ersten Moment üppig, doch die Kraft teilt sich auf alle gleichermaßen auf, was in Summe nicht reichen kann. Mehr und sichereren Ertrag bekommt man, wenn man die Triebe auf ein sinnvolles Maß reduziert.
Und diese Metapher kann man 1:1 ins heutige Arbeitsleben übertragen. Oft läuft  man ja Gefahr, sich im Überschwang kreativer Ideen zu verzetteln. Man beginnt viele Projekte, die alle vielversprechend aussehen – doch im Lauf der Zeit zerspragelt man sich, man wird zum „Schnittlauch auf jeder Suppe„, wie man bei uns umgangssprachlich sagt. Die Energie verteilt sich auf zuviele Punkte und irgendwann braucht es die Einsicht, dass man nicht alle Ideen-Knospen, die man im frühlingshaften Aufbruch gezeugt hat, am Leben erhalten kann.

Insofern ist die Sommersonnenwende ein guter Zeitpunkt für einen Kassasturz: Was lohnt sich, was verspricht guten Ertrag, wo schaut es mühsam aus, was kann man nun zurücklassen?
Diese Revision ist wichtig und ja, sie ist auch schmerzhaft. Doch was man nun gehen lässt, dass kann im Kreislauf des Lebens als wertvoller Dünger genutzt werden. Manches steht zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf, wenn die Umstände besser sind und die Erfahrung, die man gewonnen hat, ist gleichfalls eine wertvolle Ressource.

Sommer 008Reifenlassen erfordert Kraft, Ausdauer und Mut – denn im Außen schaut es nach Nichtstun aus, im Inneren aber werden folgenschwere Entscheidungen getroffen und Weichen gestellt.

Die Zeit rund um die Sommersonnenwende ist einerseits ein herrlich sorglose – die schwerste Arbeit ist getan, bevor die anstrengende Erntesaison beginnt, kann man durchatmen, Kraft sammeln und feiern. Gleichzeitig heißt es wachsam sein, denn es ist eine sehr sensible Zeit. Schnell kann ein Unwetter, zuviel Hitze, zuviel Tätigkeit oder Nichtstun das erhoffte Ergebnis zerstören. In der Landwirtschaft sind es reale Gewitter und die gefürchteten Hagelstürme, ein kalter oder zu heißer Juni, die für schlechte Ernten sorgen.

Im „anderen“ Leben sind es Husch-Pfusch-Aktionen, übertriebene Fürsorge, Nachlässigkeit und manchmal einfach Pech – die Schlechtwetterphasen des Lebens.

Sorglos achtsam zu sein erfordert eine gewisse innere Reife, die man nun trainieren und sich erarbeiten kann. Es ist aktives Nichtstun, Abwarten und in sich ruhen. Nur so spürt man den feinen Wandel und weiß, wann man aktiv werden muss oder wann man den Dingen ihre Ruhe lässt und vermeidet überstürzte Fehler.

Die Sonnenwende feiern

Feuerbilder 002In den nordischen Ländern geht die Sonne an diesem Tag nicht unter – es bleibt den ganzen Tag hell. Auch heute noch wird die Sonnenwende im Sommer üppig gefeiert, die Feste dauern oft 12 Tage an, was stark an die 12 Rauhnächte erinnert, die man bei uns zur Wintersonnenwende feiert.

Die Feste rund um die Sommersonnenwende sind alt, stammen noch aus vorkeltischer Zeit und wurden von den nachfolgenden Kulturen immer wieder übernommen und für die Religionen passend geformt. Das hat nicht nur die christliche Religion so gemacht, auch die vorherigen Glaubensgemeinschaften und Völker waren in diesem Sinne auf den Ritualen der anderen aufbauend aktiv. Das Leben der Menschen orientiert sich seit jeher am Jahreskreis. Er ist der erste, älteste und beständigste Kalender. Die acht Feste waren und sind Fixpunkte im Gemeinschaftsleben, auch in heutiger Zeit.

Die Sommersonnenwende bietet einen guten Zeitpunkt um Danke zu sagen und um Segen für die kommende Zeit zu bitten. Gleichzeitig wird und wurde auch Unterstützung erfleht, damit während dieser sensiblen Zeit kein Unglück geschieht.
Das Atemholen und Krafttanken vor der Ernte wurde mit Festen gefeiert, die für Gerichtsurteile, Hochzeiten und zur Stärkung der Gemeinschaft genutzt wurden.

Die Sonnwendfeuer waren und sind ein zentraler und wichtiger Teil dieser Feiern.

Litha – Sonnenwende – Johanni – Mitsommer

Es gibt viele Namen für die Hochzeit des Sommers, Litha ist einer der ältesten, Johanni vermutlich der jüngste.
Die Hintergründe für dieses Fest sind mythisch und uralt:

Sommer 001Der Sonnengott hat seine Schuldigkeit getan, seine höchste Kraft ist erreicht – nun stirbt er, als Opfer für die Gemeinschaft. So könnte man die Quintessenz aller Geschichten rund um diese Zeit zusammenfassen.

In viel früheren Zeiten mögen es mitunter echte Menschenopfer gewesen sein, die als Fürbitter für die Gemeinschaft in die andere Welt gesandt wurden. Was uns heute grausam erscheint, war zu damaliger Zeit ein heiliger Akt, ähnlich den Helden- und (christlichen) Märtyrerschicksalen – einer opfert sich, damit die anderen überleben können.
In späteren Zeiten übernahmen Strohpuppen, Kränze, Tiere, Blumen und Trankopfer diesen Teil und wer heute ein Sonnwendfest besucht, der findet (bis auf die Tieropfer) all diese Bestandteile in neuer und alter Version vor.

Sommer 015Belenus (Baldur) war einer dieser Sonnengötter, deren Zenit nun überschritten war. Andere hießen Dionysos, Mithras, Enkidu oder Nimrod, dessen zweiter Name Oannes war – was sich ähnlich anhört wie Johannes, der im christlichen Kalender die Patronanz über das Fest der Sonnenwende über hat.

Belenus – Baldur starb durch eine List. Seine Mutter hatte nach einer schaurigen Vision allen Lebewesen des Himmels und der Erde den Eid abgenommen, ihrem Sohn kein Leid zuzufügen – doch sie vergaß auf die Mistel, die zwischen Himmel und Erde wächst, und ihr zu gering schien. Diesen Fauxpax machte sich Loki, der listige Gott zunutze. Er schnitzte einen Pfeil aus der Mistel und brachte seinen blinden Bruder Hödur dazu, bei einem Spiel auf Baldur zu zielen. Bis dahin hatten alle Götter und Göttinnen erfolglos versucht den schönen Baldur zu treffen, der den Speeren und Pfeilen lachend auswich. Der blinde Hödur aber traf und Baldur stirbt.

Was wie eine bösartige Geschichte und nach Verrat klingt, hat einen wichtigen Hintergrund: Nichts lebt ewig, auch Götter wandeln sich und müssen dem Kreislauf des Lebens gehorchen. Die Sonne hat ihren Zenit erreicht, nun ist es Zeit, dass sich die Energie wandelt, es braucht einen anderen Aspekt. Die Energie im Jahreskreis dreht sich wieder zur inneren, dunkleren Zeit hin und für die kommende Ernte braucht es den Schnitter, der klar entscheidet, was und wann geerntet wird. Diesen Part nimmt Loki ein, dessen Fest im August als Lughnasad – das Fest des Loki – gefeiert wird.
Auch sein Regierungszeit ist endlich, denn mit der Ernte stirbt der Schnitter und ein anderer übernimmt das Zepter.
Einzig der weibliche Part, die Göttin, so sagt(te) man, hat eine dauerende Regentschaft inne, wandelt sich aus sich heraus von der jungen, zur mütterlichen Frau und schlussendlich zur weisen Alten.

Wenige denken an diese Geschichten, wenn in heutiger Zeit die Sonnwend- oder Johannesfeuer angezündet werden. Aber die Feiern ähneln sich und der Jahreskreis ist nach vor der gleiche, wie vor tausenden Jahren. Zwar hat man heute einen geringeren Bezug zur Natur und Landwirtschaft, aber der Mensch, der in diesem Zyklus lebt, ist im Inneren und auch organisch der gleiche, wie damals. Die Feiern sind wichtige Fixpunkte im Kalender, die Gemeinschaft kommt zusammen und wenn die Holzstöße angezündet werden, dann ist die Kraft intensiv spürbar – nicht für alle verständlich, aber dennoch vorhanden.

Die Johannesfeuer haben die Tradition aus der vorchristlichen in die heutige Zeit getragen und viele der damaligen Rituale christianisiert. Der Sprung über das Feuer soll heute wie damals Segen bringen und wer ihn gut schafft, ist vom Glück gesegnet.
Zahlreiche Kräuter und Pflanzen haben nun ihre höchste Kraft erreicht und bei den Kräutern beginnt bereits die Ernte – wie zum Beispiel beim Johanneskraut, dass phenologisch den Sommer einläutet.

Sommerbeginn

Sommer 010Da steht im Kalender „Sommerbeginn“ und das Wetter hält sich nicht daran – also wirklich!

Leider ist es mit dem Wetter und dem Kalender so eine Sache und speziell bei den Jahreszeiten gibt es da Unstimmigkeiten, wann die nun wirklich beginnen. Das liegt unter anderem daran, dass es immer vier Anfangsdaten gibt:

  • Kalendarisch
    Das ist das Datum, das im Kalender steht und am bekanntesten ist. So beginnt demnach der kalendarische Frühling am 21. März, der Sommer am 21. Juni, der Herbst am 23. September und der Winter am 22. Dezember.
  • Astronomische
    Hier wird es wissenschaftlich, denn diese Daten orientieren sich exakt am Sonnenstand. Für die Tag- und Nachtgleichen sind die sog. Äquinoktial-Punkte (0° und 180°) wichtig, für die Sonnenwenden sind die Solstitial-Punkte (90° und 270°). Weil das immer ein wenig anders ist, divergiert das astrologische Datum leicht vom kalendarischen, ist aber immer in der Nähe dieses Tages.
    Laut dieser Definition beginnt der astronomische Sommer auf der Nordhalbkugel (also bei uns in Europa) exakt dann, wenn die geozentrische Lage (=vom Erdmittelpunkt aus gesehen) der Sonne 90° beträgt. Die Sonne hat nun ihre nördlichste Stellung auf der Himmelskugel erreicht.
    Wer es ganz genau wissen will, der kann hier vorbeischauen und findet nicht nur den exakten Tag, sondern auch die genaue Stunde und Minute, wann die jeweilige Jahreszeit beginnt.
  • Meteorologisch
    Hier ist es am einfachsten, denn das Jahr wird da simpel in 4 Viertel unterteilt. Der meteorologische Frühling regiert in den Monaten März bis Mai, der Sommer von Juni bis August, der Herbst ist September bis November aktiv, der Winter beginnt mit Dezember und endet im Februar.
  • Phenologisch
    Hier wird es besonders spannend, denn dieses Datum kann man einerseits kaum vorhersagen und es ändert sich auch jedes Jahr. Bei den phenologischen Daten bestimmen Pflanzen und Veränderungen in der Natur, wann eine Jahreszeit beginnt und endet – und das ist je nach Region und Jahr immer anders. Für unsere heutige Arbeitsplanung ist es weitgehend egal, doch in der Landwirtschaft war und ist es immens wichtig, diese Zeitpunkte gut zu kennen.
    Es gibt bestimmte Zeigerpflanzen, die für die jeweilige Jahreszeit Bedeutung haben. Für den Sommer sind das zum Beispiel die Rosen und das Johanneskraut. Wenn die beiden blühen, dann hat der Sommer in der Natur begonnen. Bei den Tieren sind es die Glühwürmchen, die man heute wieder öfter sieht und die auch Johanniswürmer oder Johannikäfer genannt werden.
    Nun ist auch Zeit, sich um die Johannisnüsse zu kümmern – das sind die grünen, unreifen Nüsse, die man für den Likör, Nussschnaps oder die eingelegten, schwarzen Nüsse braucht.

Sommer 007Wonach sich jeder einzelne richtet, bleibt ihm und ihr selbst überlassen und wenn man zu dem einen Datum keine Zeit hat, dann kann man getrost auf ein späteres oder früheres ausweichen – schlussendlich wird ja die Sommersonnenwende ursprünglich 12 Tage lang gefeiert und in dieser Spanne findet sich vermutlich leichter ein passender Termin, also zu einem exakt definierten Zeitpunkt, der kalendarisch vorgegeben wird.

Um die Verwirrung aber noch ein bisschen zu steigern sei noch erwähnt, dass für die gern zitierten Kelten der Sommer schon lange begonnen hat – zu Beltane, Walpurgis, dass Anfang Mai gefeiert wird.

Welche Aktion, welches Gedenken an welchem Tag?

Am 1. Juni ist (zeitgleich):

  • Internationaler Kindertag
  • Weltmilchtag
  • Weltbauerntag
  • Weltelterntag
  • In Samoa Unabhängigkeitstag
  • Albert-Schweitzer-Tag

Sommer 017Bei den anderen Tagen schaut es ähnlich aus und wenn man die Listen sieht, dann finden sich für mich hier erstaunliche Parallelen zu den alten Heiligenkalendern, wo jeden Tag auch mehrere Gedenktag haben.

Vielleicht ist ja diese Form der Aktionstage die moderne Version der Heiligentage? Soziologisch interessant ist es allemal, den scheinbar brauchen wir Menschen Gedenktage, die uns an Wichtiges und Besonderes erinnern.

Wer genauer wissen will, was an welchem Tag gerade gedenkmäßig dran ist, der kann hier vorbeischauen: Liste von Gedenk- und Aktionstagen

Brauchtum, Wissenswertes und anderes

Der Johannestrieb

Einerseits nennt, man so den zweiten Austrieb von Laubgehölzen. Der Zeitpunkt ist auch ideal zum Heckenschneiden, denn wer nun schneidet, hat den Rest des Jahres Ruhe, einen dritten Austrieb gibt es nicht.
Andererseits ist der Johannistrieb im Volksmund auch als zweiter Männer-Frühling bekannt und soll die älteren Männer antreiben, die um eine jüngere Frau werben.

Johanneskraut – Johanneskinder

Sommer 006Das Johanneskraut ist ein sehr kraftvolles Heilkraut, das mittlerweile auch schulmedizinisch wiederentdeckt wird. Es hilft bei Depressionen, nach einem Sonnenbrand und ist lt. Storl sehr nützlich gegen alle Arten von (innerem und äußeren) Pilzbefall. Auch energetisch kann es viel und gehörte seit jeher in die bäuerliche Hausapotheke, wurde zum Räuchern und in vielfacher Form als Schutz gegen Dämonen verwendet.

Es hat aber auch starke Nebenwirkungen, die man tunlichst nicht unterschätzen sollte! So sollte man mit Johanneskrautöl auf der Haut nicht in die Sonne gehen, auch nicht, wenn man es gerade als Teekur trinkt.
Und wer Antibiotika oder die Antibabypille nimmt, der muss wissen, dass das Johanneskraut die Wirkung dieser Medikamente außer Kraft setzen kann.
Bei den Antibiotika ist das natürlich sehr konterproduktiv und mitunter auch sehr gefährlich.
Bei der Antibabypille im Grund genommen auch – aber die Folgen sind erst 9 Monate später zu spüren. Kinder, die auf diese Weise das Licht der Welt erblicken, werden im Volksmund auch Johanneskinder genannt.
Was aber ursprünglich nicht auf die stille Wirkung des Johanneskrauts, sondern auf die ausgelassenen Feiern rund um die Sonnenwende und Johannesnacht zurückgeht, deren Auswirkungen dann gleichfalls ein paar Monate später sichtbar waren.

Schafskälte

Rein statistisch gibt es zwischen dem 3. und 21. Juni oft einen Kälteeinbruch, manchmal auch zwei hintereinander. Das Phänomen ist nicht jedes Jahr, bei uns in Österreich aber doch sehr regelmäßig. Die Temperatur kann um 5 – 10 Grad fallen und in höheren Lagen ist durchaus auch Schneefall möglich – zum Sommerbeginn.
Der Name Schafskälte kommt aus der Schafzucht, wo traditionell zwischen Mitte Mai und Mitte Juli geschoren wird. Nimmt man den Schafen den Pelz zu früh, dann kann der Kälteienbruch sehr gefährlich werden. Viele Herden sind ja schon in den höheren Regionen, teilweise auf Almen unterwegs, wo ein sommerlicher Wintereinbruch eine große Gefahr darstellt, speziell für Mutterschafe und Lämmer.

Bauernregeln im Juni

Sommer 016Der Juni ist ein wichtiger Monat für die Heuernte und um dem reifenden Getreide die notwendige Sonne zukommen zu lassen. Zuviel Regen kommt da äußerst ungelegen und kann die mühevolle Arbeit der vorherigen Wochen mit einem (Donner)Schlag zunichte machen.

Aber zuwenig ist auch nicht gut – es braucht ein ausgewogenes Gleichgewicht, oder um es mit dieser Bauerregel zu sagen:

“Juni feucht und warm,
macht keinen Bauern arm.

Nass und kalt hingegen ist gar nicht gut und kann die Ernte gefährden.
Der Juni ist auch für die Weinernte wichtig: Je trockener, desto besser für die Trauben. Ist aber der Juni verregnet, dann bleibt es meist auch den Rest des Jahres kühl und nass.

Wie das Wetter im Juni wird, verrät angeblich schon der März:

„So viel der März an Nebeln macht,
so oft im Juni Donner kracht.“

Und hier die speziellen Lostage, die einem helfen sollen, das Sommer-Wetter zu verstehen und vorherzusagen:

  • 01. Juni: Justin klar, gutes Jahr.
  • 08. Juni: Regnet’s am Medardustag, regnet’s noch 40 Tag danach.
  • 10. Juni: Hat Margaret´ kein Sonnenschein, kommt das Heu nie trocken rein.
  • 11. Juni: Regen an St. Barnabas, währt 40 Tag ohn´ Unterlass.
  • 13. Juni: Wenn an St. Anton gut Wetter lacht, St. Peter (29.) viel in Wasser macht.
  • 24. Juni – Johannisnacht:
    • Vor Johanni bitt um Regen, hernach kommt er ungelegen.
    • Der Kuckuck kündet gar teure Zeit, wenn er nach Johanni schreit.
    • An Sankt Johanni Abend, leg die Zwiebel in ihr kühles Beet.
    • Wie’s Wetter am Johanni war, so bleibt’s wohl 40 Tage gar.
  • 27. Juni: Wie`s Wetter am Siebenschläfertag, so bleibt es sieben Wochen danach.
  • 29. Juni – Peter & Paul: Regnet’s an Peter und Paul, wird des Winzers Ernte faul.

Anderes, Ergänzendes & Besserwisserisches rund um den Juni

  • Der Juni ist einer der wenigen Monate, der im deutschsprachigen Raum keine festen Feiertage hat – Christi Himmelfahrt, Fronleichnam und Pfingsten sind ja beweglich und fallen nicht immer bzw. nur teilweise in den Juni.
  • Kein anderer Monat beginnt mit dem gleichen Wochentag wie der Juni – dafür aber der Februar des nächsten Jahres.
  • Wer mehr darüber wissen will, was an diesem oder jenem Junitag geschah, der kann hier vorbeischauen: Was geschah im Monat Juni?

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