Der Jänner: Schneemonat, Hartung, drei Madln und Buam

Naturwunderweiss 018 - Der Jänner: Schneemonat, Hartung, drei Madln und Buam

Er ist der erste, er beginnt das Jahr und meist tut er das mit seiner berühmt-berüchtigten Jännerskälte. Während rund um Weihnachten oft ein Temperaturhoch alle Hoffnungen auf Schnee zunichte macht, sorgt der Frost im Jänner dann für grimmige Kälte und knirschendes Eis unter den Füßen. Zumindest war es früher so ;-)

Doch über den Jänner gibt es mehr zu sagen, als dass er der erste im Jahr ist. Hier ein paar Infos rund um diesen Monat, seine Bedeutung und seine Besonderheiten im Jahreskreis:

Der Name

Janus – der Namenspatron des Monats Jänner

Unser Jänner hat seinen Namen nach dem römischen Gott Janus, dem Gott des Anfangs und des Endes. Janus hat zwei Gesichter, eines blickt in die Zukunft, das andere in die Vergangenheit. Als klassischer Hüter der Schwellen bewacht er Ein- und Ausgänge.

Bei den vorchristlichen Römern war der Ianuarius genannte Jänner der elfte Monat und dem Ende des Jahres näher. Damals begann das Jahr allerdings auch mit dem März und der Jänner hatte nur 29 Tage. Erst im Jahr 153 v. Chr. wurde der Ianuarius zum ersten Monat des Jahres.

Nach dem altrömischen Kalender kam der julianische, wo Julius Cäsar im Jahr 45 v. Chr. den Jänner auf die heutigen 31 Tage verlängerte. Der heute übliche gregorianische Kalender, den Papst Gregor XIII einführte, gilt seit Ende des 16. Jahrhunderts (1582) und wurde mittels einer päbstlichen Bulle zwangsverordnet. Der Grund für die Reform lag darin, dass der alte julianische Kalender einfach nicht mehr zum Sonnenlauf passte – er hinkte gut 10 Tage nach.
Somit kann man sagen, dass unser heutiger Jänner, in der Form wie wir ihn kennen, mit den für Jänner üblichen Naturerscheinungen, noch nicht mal 500 Jahre alt ist. Die anderen Monate sind allerdings auch nicht viel älter ;-)

Andere Namen für den Monat Jänner und die Zeit rund um den Jahresbeginn

Während der Pabst und die Römer sich mit dem Jänner-Ianuarius herumärgerten, nutzte die Landbevölkerung andere Namen für diese Zeit, je nach Region unterschiedlich und meist mit einem Mond-Bezug. Damit ersparten sie sich auch das Anpassen des Kalenders, denn sie lebten mit der Zeit im Naturrhythmus und die braucht keine Tabellen.
Das Wort Monat leitet sich übrigens vom Mond ab, denn mit diesem konnte man ohne Kalender sehr einfach die Dauer feststellen.

Hartung – Hartmond – Hertimanod: Hartman

Naturwunderweiss_019Das bedeutet jeweils das gleiche, nur in anderer regionaler oder zeitlich verschobener Einfärbung. „Hartman“ steht im althochdeutsch für die harte Erde = Hart und Mond = Man, der Mond der harten Erde.

Der Boden ist gefroren, die Erde ist hart und verschlossen. Die neuere Version davon ist Eismond oder Schneemond.

Wolfsmond – Wolfsmonat

wolf-590756_640So benannt, weil man nun die Wölfe deutlich heulen hörte. Sie waren hungrig und suchten die Nähe der Menschen. Auch hatten die Wölfe da ihre Ranzzeit und waren dadurch leichter zu jagen. Der Wolfsmond war ein wandelnder Termin, denn er konnte auch schon im November oder Dezember sein – je nach Region und Wetterlage.

Jänner oder Januar?

Je nachdem wo man zuhause ist, gibt es einen Unterschied in der Schreibweise des ersten Monats: im österreichischen, bayrischen und dem schweizer Raum nennt man ihn auch amtsdeutsch Jänner. Im übrigen deutschsprachigen Raum heißt er Januar – die gelehrtere Version des altrömischen Ianuarius.

Göttinnen & Heilige im Jänner

Während rund um Weihnachten die Percht, die Glänzende, mit der wilden Jagd durch die Alpenländer braust, übernehmen zu Jahresbeginn dann drei Heilige die Herrschaft: Kaspar, Melchior und Balthasar … oder sind es vielleicht die drei heiligen Madln, in einer anderen Version?

Die drei heiligen Könige

crib-68893_640Rund um den 6. Jänner ziehen sie von Haus zu Haus und bringen ihren Segen, manchmal auch Kohle und Weihrauch: die Sternsinger.
Dieser Brauch geht zurück auf die Bibelgeschichte, wo drei Weise aus dem Morgenland das Kind in der Krippe besuchten und ihm Geschenke brachten.
Bei uns bringen die verkleideten Kinder die Geschenke ein paar Tage nach Weihnachten und sammeln im Gegenzug für den Segen, den sie dalassen, Spenden für Hilfsprojekte.

Die weisen Drei, die Jesus und seiner Familie die Aufwartung machten, kamen hingegen ein paar Jahre nach Christi Geburt an. Zu Königen wurden sie erst im 3. Jahrhundert n. Chr., davor waren sie nur als weise bekannt. Ihre Namen erhielten sie überhaupt erst im 9. Jahrhundert. Seither aber verbindet man die Initialen C + M + B mit Caspar (der Schatzmeister), Melchior (Königliches Licht) und Balthasar (Schütze mein Leben).

Eigentlich ist aber nicht mal die Anzahl der Weisen verbürgt, denn bei Matthäus 2, 1-12 steht nur: „Weise, Magier oder Sterndeuter kamen aus dem Morgenland, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen.“ Das es drei waren, hat man anhand der Anzahl ihrer Gaben nachträglich interpretiert. Das einer von ihnen eine dunkle Hautfarbe hatte, wurde erst im 12. Jahrhundert bekannt.

Doch es wären keine echten Heiligen, wenn es nicht auch ein paar Reliquien gäbe, auf die man hinweisen kann: Im Fall der drei … Könige? Weisen? Magier? … sorgte die Hl. Helena dafür, dass die Gebeine nach Konstantinopel gebracht wurden. Von dort kamen sie später über Mailand nach Köln und heute ruhen die Drei im Dreikönigsschrein, im Kölner Dom.

In Russland und dem Wirkungsbereich der orthodoxen Kirche findet Weihnachten im Geschenksinne übrigens am 6. Jänner statt. Das hat weniger etwas mit den drei Weisen oder nachernannten Königen zu tun. Sondern damit, dass dort noch großteils der julianische Kalender regiert und es dadurch zu unterschiedlichen Bescherungsdaten kommt.

Doch zurück zu den drei Geschenkebringern: in frühchristlicher Zeit sollen sie gar das Leben als solches dargestellt haben – in der Version von „Vater, Sohn und Greis“ – Na? Klingelt da was? Das klingt doch nach der maskulinen Form der Dreifachen Göttin, die als Jungfer, Mutter und weise Alte auftritt. Insofern sind es also vielleicht gar nicht die heiligen drei Könige aus der Bibel, auf die dieser Brauch zurückgeht, sondern drei ganz andere Wesen, die durch den christlichen Umbau zu Männern wurden:

Die drei Bethen und die drei heiligen Madln

Margareta mit dem Wurm,
Barbara mit dem Turm,
Katharina mit dem Radl,
das sind die drei heiligen Madl.

Damit wäre mal grob geklärt, um wen es sich bei den „heiligen Madln“ handelt oder besser: Handeln könnte.
Wilbeth, Ambeth und Borbeth sind die um einiges älteren Bezeichnungen der heiligen drei Frauen, die auch als die drei Bethen bekannt sind. Nicht zufällig gibt es hier einen Bezug zu den drei griechischen Moiren, die man bei den Germanen die Nornen nannte – Urd (Schicksal), Verdandi (das Werdende) und Skuld (die Schuld).

Eine andere (ost)christliche Dreiergruppe, die auch gerne in Frauenform Darstellung findet, sind Fides (Glaube), Spes (Hoffnung) und Caritas (Liebe).

Doch zurück zu den 3 Madln, deren Namen auffallend ähnlich die Initialen der heiligen Drei Könige spiegeln:

  • Barbara
    Die Schutzpatronine des Wehrstandes, also der Soldaten, und der Bergleute. Ihr Feiertag am 4. Dezember steht am Anfang des Kirchenjahres.
  • Margarete von Antiochien
    Die Schutzpatronin des Nährstandes, das sind die Bauern, Hirten, Ammen und GeburtshelferInnen. Ihr Feiertag am 20. Juli ist in der Mitte des Jahres.
  • Katharina von Alexandria
    Die Schutzpatronin des Lehrstandes. Ihr Feiertag am 25. November steht am Ende des Jahres.

Sie zählen nach wie vor zu den beliebtesten Heiligen und haben es sogar in die hohe Riege der 14 Nothelfer gebracht – als einzige Frauen.

Folgt man der Spur der drei Damen, so kann man quer durch den Alpenraum einen uralten Pfad der Verehrung ausmachen, der weit in vorchristliche Zeit zurückgeht.  Aus Ambeth wurde Margarete, aus Borbeth Barbara und aus Wilbeth Katharina.

Die Silbe beth klingt nicht nur zufällig so, wie unser Wort für beten – aber auch wie das Bett, in das wir uns abends legen. Geht man noch einen Schritt weiter, findet man unter Beth auch einen alten Namen, mit der die Erdgöttin als solches angerufen wurde. Eine wunderschöne Allegorie, denn damit wird das Beten zu einem Anrufen der Mutter Erde und die ihren Namen tragen werden zu Fürsprecherinnen, an die man sich in Notzeiten gerne wendet. Und was liegt näher, als in der dunkelsten Zeit des Jahres ihr Hilfe zu erbitten, damit die kommenden Zeiten unter einem guten Stern stehen. Drei heilige Frauen, die einen gut durchs Jahr begleiten.

Die katholische Kirche hat ja nicht nur einen Großteil der Festtage im Jahreskreis übernommen, sondern in vielen Landstrichen auch die dort übliche Bräuche entweder christianisiert oder verteufelt. Das sich aus der Anbetung der weiblichen Dreifaltigkeit in Notzeiten eine praktische männliche Version entwickelte, scheint anhand der vorliegenden Fakten sehr nahe zu liegen. Insofern bietet also der Segensspruch der Sternsinger auch eine um vieles ältere, gegenderte Version – je nachdem, wie man die Initialen liest und was man dahinter sehen möchte.

Weitere Infos zu den heiligen drei Madln gibt es bei folgenden Links:

Bauernregeln im Jänner

  • Anfang und Ende vom Januar zeigen das Wetter für ein ganzes Jahr.
  • Neujahrsnacht still und klar deutet auf ein gutes Jahr.
  • Wenn’s um Neujahr Regen gibt, oft um Ostern Schnee noch stiebt.
  • 6.1.: Ist bis Dreikönig kein Winter, so kommt keiner mehr dahinter.
  • 15.1.: Spielt auch die Muck’ um Habakuk, der Bauer nach dem Futter guck.
  • 20.1.: An Fabian und Sebastian fängt Baum und Tag zu wachsen an.
  • 25.1.: Pauli bekehr dich – halber Winter, scher dich.

Und was das Wandern des Lichts, die Rückkehr der Sonne betrifft, so gibt es da eine ganz einfache Regel, mit der man das messen kann:

Zu Weihnacht´ an Mückenschritt,
zu Neujahr an Hahnentritt,
zu Drei Könige an Hirschensprung
zu Lichtmess a ganze Stund.

Anderes, Ergänzendes & Besserwisserisches rund um den Jänner

  • Der Jänner beginnt immer mit demselben Wochentag wie der Mai des Vorjahres.
  • Haben wir ein Schaltjahr, dann starten auch der April und Juli des gleichen Jahres mit dem gleichen Wochentag wie der Jänner.

Am 1. Jänner feierte man vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit ursprünglich die Beschneidung Jesu:

„Und als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden musste, gab man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.“

Erst mit der Neuordnung des Kirchenjahres im Jahr 1969 wurde für diesen Tag das Hochfest der Gottesmutter Maria eingeführt. Allerdings nur im römisch-katholischen Ritus.

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