Der Juli: Heuert, bärig und sehr heiss

Der Juli ist wahrlich kaiserlich – das sagt uns schon sein Name, den er einem Cäsaren verdankt (man darf raten, welcher da gemeint sein kann ;-)
Doch auch sonst hat man nun Chancen auf kaiserliche Momente. Zum Beispiel wenn das erhoffte Kaiserwetter sich sommerlichst zeigt und man – wie einst der alte Kaiser – auf Sommerfrische fahren kann.

Bei all dieser imperialen Pracht vergisst man gerne, dass der Juli in früheren Zeiten ein arbeitsintensiver Monat war. Die langen Sommerferien in den Schulen gehen darauf zurück. Damals wurden die Kinder beim Helfen der Ernte gebraucht, das Lernen musste warten. Auch wettertechnisch ist der Juli der Monat, der für die Ernte am wichtigsten ist.
Nach der achtsam-sorglosen Juni-Zeit kommt nun die hitzeintensivste Zeit des Jahres, die feiertäglich wenig zu bieten scheint, aber das täuscht.

Der Name

Julius Cäsar stand Pate für diesen Monat und der Grund ist einfach: Dem guten Julius verdanken wir den julianischen Kalender aus dem Jahr 46 v. Chr.
Schon zuvor war der Kalender einmal gründlich bereinigt, neu berechnet und optimiert worden, im Jahr 153 v. Chr., wo auch der Jahresanfang von März auf Jänner verlegt und die Monate in die heute übliche Reihenfolge gebracht wurden. Damals war der Julius-Juli der fünfte Monat im Jahr und hieß Quintus – der Fünfte, was nun doch ein bisschen sehr profan ist, wie ich finde, und nach der Reform auch nicht mehr passte.
Dennoch behielt der nun siebente Monate seinen Fünfer-Namen bis zu Julius` Reform großteils bei. Fallweise findet man aber doch eine 7er-Bezeichnung (7ber – Septem-ber) in alten Schriften aus der damaligen Zeit, was mitunter für Verwirrung sorgt.

Im Gegensatz zu den vorherigen Monaten wurde der Juli nur einmal zwischendurch, von Kaiser Commodus, umbenannt. In dessen Regierungszeit hieß er Aurelius – wie auch die anderen, nicht dauerhaften Monatsnamenänderungen, ein weiterer Name des Kaisers.
Nero verzichtete dieses Mal auf seine Neu-Namensgebung. Ich vermute das Andenken an den guten Julius war sogar ihm wichtiger.

Zur phonetischen Unterscheidung vom Juni wird der Juli im Volksmund oft auch als Julai oder Julei ausgesprochen, wie man in der Beschreibung vom Juni nachlesen kann.

Heumond – Heuert – Heuertim

sommerwieseDer Name sagt es schon: in diesem Monat begann früher die Heuernte. Heute ist man damit regional teilweise schon wesentlich früher dran, oft gibt es im Juli, spätestens im August schon die zweite Heuernte.
Heuert und Heuertim sind die jüngeren, sprachlichen Wandlungen, die der Monat im Lauf der Zeit, vom althochdeutschen Hewimānōth, über das mittelhochdeutsche Höumānōt bis zum nun auch schon veralteten, jüngsten Begriff Heumond – Heumonat erlebt hat.

Das Heu ist übrigens eine „Erfindung“ der Kelten und die Basis einer kulturellen Veränderung. Mit dem Heu als Futtermittel für schlechtere Zeiten konnte im Herbst wesentlich mehr Vieh am Leben gelassen werden, ein stetes Umherziehen zu neuen Weiden und Ausdünnen der Bestände war nicht mehr notwendig. Die Gemeinschaften konnten dauerhaft sesshaft werden und wachsen.

Bärenmonat – Honigmonat

Lavendel_BieneDer Honig im Monat Juli bezieht sich in jüngerer Zeit auf die aktuell herrschende Hochzeitszeit und den darauffolgenden Honeymoon, die Flitterwochen.
Älter ist der Bezug zum Bienenhonig, den man nun findet und damit kommen wir zugleich zu den Bären, denn denen gefielen diese süßen Fundstücke auch sehr. Begegnungen mit ihnen waren nicht nur deshalb häufiger als zu einer anderen Jahreszeit.

Blut-Christi-Monat

Am 1. Juli wurde das katholische „Fest des kostbaren Blutes Christi“ gefeiert, weswegen der Juli manchmal auch als Blut-Christi-Monat bezeichnet wurde. Im Mittelpunkt stand bei diesem Fest die Anbetung der Blut-Reliquien, die mit den Kreuzfahrern im 15. Jahrhundert nach Europa gebracht wurden.

Ursprünglich wurde das Fest am 10. August gefeiert. Pabst Pius X. verlegte es dann auf den 1. Juli und bei der Reform des römischen Kalenders 1969 wurde es dann ganz gestrichen, da es inhaltlich schon mit Fronleichnam abgehandelt worden war.

Weitere Namen für den Juli sind, je nach Region und Zeitalter: Hundemaen oder Hundshochzeit (Hochzeit der Hundstage), Apostelmonat, Wärmemond oder Jakobsmonat.

Warum so viele Namen für einen Monat?

Es gab lange Zeit keine einheitliche Bezeichungen der Monate, die sich über Länder hinweg durchsetzten. Schon allein durch die Mundart wurden die einzelnen Begriffe regional ganz anderes benannt. Hinzu kamen natürlich geographische Unterschiede, auch im Bezug auf die klimatischen Bedingungen. Nicht zuletzt wurden die Namen im Laufe der Zeit auch mit religiösen Begriffen ergänzt oder ersetzt.

Erst im Laufe der Jahrhunderte, mit dem Ausbreiten der Fähigkeit des Lesens und Schreibens und dem Buchdruck, setzten sich die heutigen Begriffe mehr und mehr durch. Eine moderne, funktionierende Bürokratie braucht eine einheitliche Zeitbeschreibung. Die regionalen Begriffen starben aus bzw. existieren sie nur noch in der Überlieferung.

Göttinnen & Heilige im Juli

Mit dem Juli beginnt die heisseste Zeit des Jahres. War im Juni noch ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Feuer/Sonne und Wasser gefragt, braucht man im Juli aus landwirtschaftlicher Sicht in erster Linien eins: Sonne – der Juli gehört ganz und gar der feurigen Kraft.

Sonnengöttinnen gibt es deutlich weniger als Sonnengötter, das weibliche Prinzip wird eher mit dem Mond in Verbindung gebracht. Und doch gibt es in den Geschichten mehr Sonnengöttinnen, als man glaubt. Eine besonders prominente ist Amaterasu, die japanischen Sonnengöttin, deren Fest am 17. Juli gefeiert wird.

Amaterasu – die göttliche Sonnen-Ausnahme

sonneIhr voller Name ist Amaterasu-ō-mi-kami und bedeutet: „Am Himmel scheinende große erlauchte Göttin“. Sie gilt auch als Stammmutter und Begründerin des japanischen Kaiserhauses.

Amaterasu sollte gemeinsam mit ihrem Bruder Susanoo die Herrschaft des Himmels von ihrem Vater übernehmen. Doch Susanoo zeigt sich wenig herrschaftlich. Er beging eine Vielzahl an Streichen, die schon eher als boshaftes Rowdytum galten, und warf als Höhepunkt ein totes Pferd in Amaterasus Halle, wodurch eine ihrer Dienerinnen ums Leben kam.
Amaterasu war darüber sehr schockiert und unendlich traurig. Sie verließ die Halle und zog sich in eine Höhle zurück. Doch damit verschwand auch die Sonne vom Firmanent und die Welt versank in Dunkelheit.

Die anderen Götter versuchten alles, um Amaterasu wieder aus ihrer Höhle zu locken, doch die wollte niemanden sehen und blieb wo sie war.
Schließlich sandten die Götter Ama no Uzume hinein, deren Namen übersetzt soviel wie „das abschreckende Weib des Himmels“ bedeutet. Diese Göttin begann mit einem ungemein absurden und offenbar sehr schrägen Tanz, bei dem sie unter anderem auch ihre Geschlechsteile in sehr heiterer Art und Weise präsentierte. Die Götter rundum mussten daraufhin laut lachen. Das Lachen widerum machte Amaterasu neugierig und sie schaute vorsichtig hinaus, auf der Suche nach dieser Heiterkeit. Dabei fiel ihr Blick auf einen Spiegel, den ihr die Götter vor den Eingang gestellt haben. Sie sah ihr eigenes Spiegelbild und damit ging im wahrsten Sinn des Wortes die Sonne wieder auf.
Gebannt von ihrem Anblick und von den anderen Göttern an der Rückkehr in die Höhle gehindert, beschloss Amaterasu ihre Herrschaft allein anzutreten und übernahm die Regentschaft.
Ihr garstiger Bruder aber wurde zur Strafe auf die Erde verbannt. Offensichtlich ein wenig geläutert brachte er den Menschen den Ackerbau und die erste Kultur und begründete somit die Zivilisation.

Amaterasus Fest wird in Japan groß zelebriert, die Feiern dazu dauern oft Tage, der Höhepunkt ist am 17.Juli.

Eine weibliche Sonnengöttin ist selten in den Mythen. Amaterasu ist eine der wenigen Ausnahmen, die dafür aber bis heute aktiv und groß verehrt wird. Ihr Bild ist sogar in der japanischen Flagge zu sehen, wo die Sonne dargestellt ist.

Demeter

Blumen_welkAmaterasus Geschichte erinnert stark und sicher nicht zufällig an die Geschichte von Demeter, die ob dem Verlust ihrer Tochter Persephone so traurig war, dass sie sich in die Dunkelheit zurückzog und von der Welt nichts mehr wissen wollte. Ähnlich wie bei der japanischen Sonnengöttin versank die Erde darauf in Trauer, nichts wuchs, alles war dunkel. Auch hier entsandten die anderen Götter schlussendlich eine der ihren, damit Demeter aus ihrer Trauer wieder erwachte.
In der griechischen Geschichte ist es Baubo, die wie in der japanischen Erzählung einen obszönen Tanz zeigte und Demeter zusätzlich sehr schweinische Witze erzählte. Ihr Tun hatte Erfolg, Demeter musste lachen und die Erde erwachte wieder.

Die griechische Geschichte ist allerdings im Herbst und Winter angesiedelt. Die japanische erinnert dafür sehr stark an die Geschichten rund um die Wintersonnenwende, wo die Sonne stirbt um neu geboren zu werden.
Dennoch wird Amaterasu in Japan rund um den sommerlichen Höchstand der Sonne gefeiert und vielleicht liegt der Grund darin, dass man hier zur Abwechslung nicht den Punkt der niedrigsten Energie einer göttlichen Kraft, sondern den mit der höchsten zelebriert – ähnlich wie bei uns am 24. Juni der Geburtstag des Johannes feiert und nicht, wie bei allen anderen Heiligen, der Todestag.

Maria Magdalena

Sie ist einer der spannendsten Frauen in der an Damen nicht sehr üppigen Bibelgeschichte. Spannend deshalb, weil sie bis heute die Phantasie bewegt und viele sie gern als Gefährtin Jesu sehen wollen, weit über das hinaus, was die Bibel an entsprechenden Gemeinsamkeiten bietet. Als „Gefährtin“ Jesu wird sie sogar explizit im Philippusevangelium bezeichnet:

„Drei (Frauen) hatten ständig Umgang mit dem Herrn: seine Mutter Maria, seine Schwester und Magdalena, die „seine Gefährtin“ genannt wird. …“

In weiterer Folge ist da sogar davon die Rede, dass Jesus seine Magdalena gerne auf den Mund küsste.

Die „reuige Sünderin„, der Jesus 7 Dämonen austrieb, brachte es im 3. Jahrhundert sogar zur Bezeichnung „Apostelin der Apostel“ und war die erste, der Jesus nach seiner Auferstehung erschien.
Einen besonders intensiven Part nimmt sie in koptisch-gnostischen Texten ein. Da wird sie als vom Geist-Erfüllte, Begnadete, Erbin des Lichtreichs, Reine, All-Begnadete, Erleuchterin, Lichtreine und vieles mehr genannt.

Jesus selbst sprach von ihr in höchsten Tönen und sehr leidenschaftlich:

„Du bist begnadet in Fülle, du bist die allselige Vollheit, die von allen Geschlechtern selig gepriesen wird“.

 

„Doch Maria Magdalena und Johannes, der Jungfräuliche, werden alle meine Jünger und alle Menschen, die die Mysterien vom Unaussprechlichen empfangen, überragen. Und sie werden zu meiner Rechten und zu meiner Linken sein. Und ich bin sie und sie sind ich.“

Speziell der zweite Satz lässt aufhorchen, ist doch der Juni festmäßig dem (jungfräulichen?) Johannes gewidmet. Maria Magdalenas Gedenktag ist hingegen ist fast genau einen Monat später, am 22. Juli.

Unter den Aposteln war Maria Magdalena nicht unumstritten. Der strenge, verheiratete Simon Petrus wollte sie aus dem Kreis entfernen, doch Jesu bestand auf ihrem Bleiben.

DIe Geschichte Maria Magdalenas ist, wie leider die meisten Frauengeschichten in der Bibel, nur sehr bruchstückhaft bekannt und basiert großteils auf zusammengestückelten Informationen, deren Ursprung noch unsicherer ist, als es die anderen Geschichten der Bibel schon sind.
Nach Jesu Tod soll sie mit anderen auf einem segellosen Schiff ausgesetzt worden sein, dass durch göttliche Fügung an der Küste Frankreichs landete. Hier soll sie dann missionierend tätig gewesen sein, speziell in der Provence. Mit ihr gemeisam ist auch die schwarze Sarah an Land gegangen, die als Patronin der Roma und Sinti gilt.
Eine andere Geschichte erzählt, dass sie Johannes und Maria, Jesu Mutter, einige Jahre auf deren Reisen begleitete und in Ephesus starb.

In der katholischen Kirchentradition ist Maria Magdalena traditionell das Sinnbild der anonymen Sünderin, der Jesus die Füße wusch.

Da es aber auf Grund der nicht wirklich nachvollziehbaren Geschichte um Maria Magdalena unterschiedliche Auslegungen gab, ob es sich nun nicht doch vielleicht um eine Schwester der Hlg. Martha oder tatsächlich um besagte arme Sünderin handelt, wurde 1969 im liturgischen Kalender der Kirche ein für allemal erklärt, dass Maria Magdalena, weder die eine, noch die andere ist.
Es bleiben aber noch genug andere Spekulationen über und die Geschichte bleibt spannend.

Die Hlg. Maria Magdalena gilt als Schutzpatronin der Frauen, speziell der verführten, sowie der reuigen Sünderinnen, der Schüler, Studenten und der Winzer – letztere passen insofern ins Bild, als nun die Reifezeit des Weins beginnt, der es heiss und trocken braucht, damit die Ernte gut geht.
Wer von Ungeziefer und Augenleiden geplagt wird, soll sich trostsuchend und um Hilfe bittend an sie wenden. Sie hilft aber auch Gewitter abzuwehren und passt damit gut in den Juli, wo man sowas gar nicht brauchen kann.

Mir persönlich gefällt der Gedanke, dass der umstrittenen Maria Magdalena, der Gefährtin Jesu, in einem Monat gedacht wird, der der Sonne „gehört“ – die man auch als Beherrscherin des Himmels bezeichnet … und wo in einem anderen Land die weibliche Sonne kaiserlich gefeiert wird.

St. Jakob

Jakobus der Ältere, oder – was vermutlich bekannter ist – Santiago hat am 25. Juli seinen katholischen Gedenktag. Und wer bei „Santiago“ spontan an „Compostella“ gedacht hat, der liegt richtig. Genau um diesen Heiligen, der für den langen und sehr berühmten Pilgerweg Pate stand, handelt es sich.

Er war der Bruder von Johannes und zählte zu den erstberufenen Aposteln Jesu. Wie sein Bruder war auch Jakob (die hebräische Grundform des lateinischen „Jakobus“) für sein aufbrausendes Temperament bekannt. Unter den Jüngern wurden die beiden deshalb als Donnersöhne bezeichnet (Boanerges, aramäisch).

Jakob starb ein paar Jahre nach Jesus, er wurde mit dem Schwert hingerichtet.

Auch seine Geschichte ist kirchenhistorisch umstritten. Laut einer Legende wurde sein enthaupteter Leichnam einem unbemannten Schiff übergeben, dass an der spanischen Küste landete. Seine Gebeine wurden um Landesinneren beigesetzt. Erst im 9. Jahrhundert wurde das Grab wieder entdeckt und man erbaute darauf eine Kapelle, aus der sich im Lauf der Zeit die Kathedrale und der Ort Santiago de Compostela entwickelte.

Mit der Grabentdeckung begann gleichzeitig der „Siegeszug“ des Apostels, der zu Lebzeiten zwar gerne viele Menschen missionieren wollte (was er auch laut verkündete), aber nicht sehr erfolgreich dabei war. Als er daraufhin mutlos wurde, erschien ihm die Jungfrau Maria und versprach, dass sie ihn nun unterstützen würde.

Jakobs eigentlicher Ruhm begann jedoch lange nach seinem Tod. Zahlreiche Legenden und Geschichten ranken sich um ihn und führten dazu, dass er zum Nationalheiligen Spaniens wurde. Jeder Sieg wurde dank seiner Unterstützung gewonnen – so der Glaube zahlreicher spanischer Könige und Herrscher. Dabei war es egal, ob es gegen maurische oder christliche Feinde ging. Seine Darstellung als Bewaffneter auf einem Schimmel geht auf eine dieser Legenden zurück – seinem „Erfolg“ im Kampf speziell gegen die Mauren verdankt er dem Zusatz Matamoros, was Maurentöter bedeutet. Dieser ein wenig sehr kriegshetzerische Ruhm zog sich bis in die Neue Welt, die lt. anderer Legenden erst mit Unterstützung des Hlg. Jakob erobert werden konnte. Sogar bis in neueste Zeit wurde um seine Unterstützung bei Kämpfen gebeten, unter anderem auch von Francos Truppen beim Putsch gegen die Republik.

Kirchenintern wurde lange um diese Legenden und Jakobs Geschichte gestritten. Der allgemeine Tenor ging dahin, dass es sich um Wunschdenken und historisch ungestützte Erzählungen handelt. Doch die spanische Kirche, speziell der Kreis in Santiago, setzte sich schlussendlich auf diplomatischen Wege durch und die Legende wurde zur offiziellen Geschichte erklärt.

Jakobs Gedenktag am 25. Juli wird seit dem 8. Jahrhundert als Feiertag zelebriert und gilt in der Landwirtschaft als wichtiger Lostag (siehe unten, bei den Bauernregeln). Er ist ein sehr eifriger Schutzpatron, unter anderem hilft er den Pilgern, Apothekern, Hutmachern, Wachsziehern und Kettenschmieden und natürlich ganz besonders den Kriegern. Aber auch er half bei der Arbeit rund: Er war der Patron der Schröter, die früher die Weinfässer von Keller zu Keller und auf die Schiffe zogen. Das Wort kommt aus dem Mittelhochdeuschen und leitet sich von „ziehen“ bzw. „schleifen“ ab.

Stimmig zur aktuellen Jahreszeit ist der Hlg. Jakobus auch für die Äpfel und Feldfrüchte, sowie ein weiterer Heiliger, der für das Wetter zuständig ist.

Hundstage, 7-Brüder und weitere wichtige Tage im Juli

SonnenschirmNeulich habe ich im Eissalon smalltalkend gemeint, dass die aktuelle Hitze doch sehr geschäftsfördernd sein sollte und wurde sofort intensiv korrigiert: Heiss und sonnig ist für´s Freibad gut, Eisgeschäfte wünschen es sich warm und bedeckt, aber bitte nicht zu kalt und Regen geht sowieso gar nicht.

Um es mal ehrlich zu sagen: Für´s Wetter möcht´ ich himmlisch-göttlicherseits nicht zuständig sein – nix als Beschwerden erbt man da ;-)
Scheint die Sonne vom Himmel, freuen sich die einen und die andere Hälfte mault und meckert, weil es eben heiss ist. Regnet es, dann passt es auch niemandem, außer vielleicht denen, die sich vorher über die Dürre beschwert haben … aber wenn es dann zu lange oder heftig gießt, ist´s ihnen auch nicht recht.
Egal wie man es macht, es passt keinem. Insofern halte ich Petrus´ Job als Wetterbevollmächtigten für einen Schleudersitz – der Arme hört den ganzen Tag nix als Anklagen und ist sowieso an allem schuld. Aber auch die vorherigen Wettergeister und göttlich Zuständigen sind bei den Anforderungen mit Sicherheit ins Schwitzen gekommen, egal welches Wetter oder welche Jahreszeit gerade herrschte.

Ich vermute mal, falls da oben (oder, je nach Glaubensrichtung, auch unten) wer für die Wettereinstellungen zuständig sein soll, dann wird er oder sie das Gemaule von uns Menschen muten, wie man social-media-technisch heutzutage so sagt, wenn man etwas stummschaltet. Sie oder er werden sich an dem orientieren, was die Natur braucht und was sich seit Jahrtausenden bewährt hat. Und das bedeutet für Juli in unseren Regionen: Heiss, sonnig, warm und gegen Ende die absolute Gluthitze, die sich bis in den August zieht.
Wenn es ein „klassischer“ Sommer ist, einen den man unter „wie damals“ ablegt.

Der Juli steht dem Jänner im Jahreskreis exakt gegenüber und beide sind für Temperaturextreme bekannt. Der Jänner zeichnet sich meist durch bittere Eiseskälte aus und 6 Monate später glüht der Juli die Temperaturen ebenso heftig in die andere Richtung. Beide sind kurz nach einer Sonnenwende mit ihrem Tun an der Reihe und wenn im Jänner die Energie wieder ins Außen zu wandern beginnt, so beginnt nun wieder der Rückzug nach Innen. Man merkt noch fast nichts davon, ebensowenig wie man im Jänner die zart ansteigende Kraft spürt. Aber mit Ende Juli – Anfang August stellen die Bäume ihr Wachstum ein und beginnen mit ihrem Rückzug. Und der Kuckuck, der im Frühling die Wachstumsphase eingerufen hat, begibt sich spätestens nun wieder auf Heimreise Richtung Afrika. Sein Gastspiel bei uns ist kurz und er ist einer der ersten, die wieder abziehen.

Diese Natur-Beobachtungen waren für die Menschen früher die einzige Form der Wettervorherschau und zugleich ihr Kalender – was in beiden Fällen der Grund ist, warum die Lostage und Bauernregeln so wichtig waren. Mag sein, dass die Regeln sich heute nicht mehr so ans Wetter halten und in einigen Fällen verschoben sind. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber bevor man nun moderne Zeiten hineininterpretiert, sei nur mal so am Rande erwähnt, dass es auch früher, vor Beginn der Industrialisierung, massive Klimaänderungen gegeben hat. Beobachtet man die Geschichte in Verbindung mit den klimatischen Veränderungen, so zeigt sich, dass ein Ansteigen der Temperaturen bei uns in Europa meist friedliche Zeiten und einen kulturellen Aufschwung mit sich brachte. Ging es mit den Temperaturen bergab und die Zeiten wurden kalt und nass, dann waren schwere kriegerische Auseinandersetzungen und dunkle Zeiten die Folge. Der 30jährige Krieg und die Völkerwanderung rund um Christi Geburt sind da nur zwei Fälle für die Folgen, die kalte Wetterperioden mit sich bringen.

Bei uns in Dreistetten wurde zu römischen Zeiten Wein angebaut und laut Überlieferung war das kein  „Heckenklescher„, wie man zu einem sauren Wein auf gut österreichisch so sagt, sondern ein guter Tropfen – die Römer waren diesbezüglich Feinspitze. Vor knapp 18 Jahren, als wir hierher zogen, konnte man sich diesen Anbau nur schwer erklären, an Sommerabenden im Freien zu sitzen ging nur mit dicker Decke und warm eingepackt.
Heute – 2015 – ist das kein Thema mehr, im Gegenteil: die Sommerabende sind das, was man sich unter einer angenehmen, lauen Sommerfrische wünscht und vorstellt.
Die Steintrassen, die die römischen Weingärten vor Staunässe schützen sollten, findet man noch im Ackerboden. Wein wird hier schon lange keiner mehr angebaut, aber man kann es sich nun wieder vorstellen.

Klimatische Veränderungen hat es immer gegeben und wird es immer geben, denn unser Planet ist noch lange nicht zur Ruhe gekommen, verändert sich laufend und unsere Geschichte auf Erden ist eine sehr kurze, im Vergleich zum Lebensalter dieses Planeten.
Unser Versuch, das Wetter vorherzusagen oder gar zu regeln, erscheint im Vergleich dazu stümperhaft und diletantisch. Wetteraufzeichnungen gibt es erst seit wenigen 150 Jahren – das ist nicht mal ein Wimpernschlag, in Erdzeitaltern gemessen. Bodenuntersuchungen in der Arktis und anderen Regionen können da schon mehr Aufschlüsse geben, wenn man wissen will, wie sich das Wetter im Lauf der Jahrtausende gebärdet hat.

Mit diesem Wissen im Hintergrund, erscheint einem das statistisch häufige Zutreffen der Bauernregeln und Lostage aber umso erstaunlicher – sie stimmen nicht alle, aber doch recht häufig. Ein weiterer Punkt der für Respekt vor den Altvorderen sorgt, sie wussten und spürten mehr als wir … und waren mit Sicherheit die besseren Beobachter. Was nicht an einer evolutionären Veränderung der Sinne liegt, sondern daran, woran man seine Prioritäten und Wahrnehmung orientiert und welche Informationen man als wichtig und bemerkenswert erachtet.
Für uns heutige Menschen heißt das vereinfacht ausgedrückt: Weniger Smartphone und Internet, weniger atemlos-hypendes 08/15-Gequatsche und Geschreibe ohne wahres Zuhören. Hin zu einem bewussten Ausdünnen und Wählen der Informationen, die man sich zuführt. Aber vor allem braucht es mehr und einen demütigeren Kontakt zur Natur – damit wir wieder spüren und erdhaftig leben lernen.

Hundstage

fanny_profilHunde haben es bei Hitze absolut nicht leicht. Sie können nur über die Zunge und kleine Stellen an ihren Pfoten schwitzen. Aktivitäten werden daher in die frühen Morgen oder späteren Abendstunden verlagert und Mittags liegen sie lieber matsch und müd im Kühlen.
Grund genug, dass man die glutheißen Tage des Sommers nach ihnen benennt, oder?
Leider nein, dem ist nicht so. Die Hundstage haben ihren Namen nicht von unseren vierbeinigen Freunden, sondern vom Sirius, dem hellsten Stern im Sternbild es Hundes. Er geht in der Zeit von 23. Juli bis 24. August gut sichtbar am Nachthimmel auf und zeitgleich ist diese Zeit normalerweise die heisseste des Jahres.
Somit verdanken die Hundstage ihrem Namen dem auch als „Hundsstern“ bezeichneten Sirius.

Fanny_schlaeft2Unserer schwarzen Hündin Fanny ist das herzlich egal – sie will in dieser Zeit mittags ihre Ruhe und ist damit ein gutes Vorbild für uns Menschen, die nun schwere Belastungen in die kühleren Stunden verlegen sollten.
Jedes Tier scheint das zu wissen, nicht nur die Hunde geben mittags Ruhe und rasten. Aber Menschen haben dafür Klimaanlagen erfunden, denn wo kämen wir da hin, wenn wir uns von äußeren Umständen die Produktivität diktieren lassen!

Siebenbrüder-Tag

Die Bezeichung klingt ähnlich wie der Siebenschläfertag im Juli, aber rein geschichtlich haben die sieben Schläfer von Ephesus nichts mit den sieben Brüdern zu tun. Die waren nämlich die Söhne der Heiligen Felicitas, die sich gemeinsam mit ihnen dagegen wehrte, ihrem christilichen Glauben zu entsagen. Das war im Jahr 166 n. Chr. noch sehr ungesund und führt im Fall der Felicitas dazu, dass sie als Märtyrerin mitsamt ihren sieben Söhnen enthauptet wurde. Eine traurige Geschichte, die aber in weiterer Folge für zwei Gedenktage sorgte: Der Hlg. Felicitas wird am 23. November gedacht, ihre sieben Söhne erhielten den 10. Juli als Feiertag, der als Siebenbrüdertag zu einem wichtigen Lostag im bäuerlichen Kalender wurde.

So unterschiedlich die Geschichten der Schläfer und der Brüder auch sind, der Wetter-Hintergrund ist bei beiden der gleiche: So wie das Wetter an diesem Tag ist (egal ob 7-Schläfer, am 27. Juni, oder 7-Brüder, am 10. Juli), bleibt es 7 Wochen lang.

„Lacht an Siebenbrüder die Sonne vom Himmel, leidet’s Korn bis zur Ernt’ nicht unter Fäulnis und Schimmel“

Und Schuld daran ist in beiden Fällen der Jetstream:

Während Niederschlagsarmut um Siebenbrüder in den sieben Folgewochen meist eine unterdurchschnittliche Zahl an Regentagen beschert, hat regnerische Witterung um den Siebenbrüdertag häufig eine überdurchschnittliche Anzahl an Tagen mit Niederschlag zur Folge. Das hängt damit zusammen, dass sich das Starkwindband in den höheren Atmosphärenschichten, der sogenannte Jetstream, im Laufe der ersten Julidekade auf seine endgültige mittlere sommerliche Lage eingependelt hat.

Gefunden und Nachzulesen hier: Vom Siebenbrüdertag und dem eingependeltem Jetstream

Möglicherweise handelt es sich bei den beiden Tagen um ein und denselben Lostag zur Vorhersage. Denn so ein Wetterphänomen hat sein Auftreten ja nicht im Kalender stehen und tritt selten pünktlich ein. Die Vermutung, dass man mit der Zeitspanne zwischen 27. Juni und 10. Juli dem Erscheinen der Jetstream-Wetterkonstellation einen gewissen Zeitraum zubilligt, liegt also nahe.

Was allerdings generell bei allen Lostagen beachtet werden sollte, ist die zeitliche Verschiebung, die sich durch die greogorianische Kalenderreform ergeben hat. Da wurden per päbstlicher Anordnung 10 Tage aus dem Kalender gestrichen, damit die Tag- und Nachtgleichen sowie die Sonnenwenden wieder mit dem bürokratischen Kalender zusammenpassen.

Mit anderen Worten: Irgendwann zwischen 27. Juni und 20. Juli beginnt ein Wetterphänomen, das sieben Wochen lang anhält. Alles klar? ;-)

Bauernregeln im Juli

froschDas es nun heiss sein soll, habe ich ja oben schon mehrfach erwähnt und wenn sich der Juli brav daran hält, dann wird auch der Herbst ein guter – zumindest aber ist es gut für die kommende Ernte:

Bringt der Juli heiße Glut, gerät auch der September gut.

Hier im Detail:

  • 01. Juli: Fängt der Juli mit Tröpfeln an, wird man lange Regen ha’n.
  • 04. Juli: Regen am Sankt Ulrich Tag macht die Birnen stichig mad.
  • 10. Juli: Wie es die sieben Brüder treiben, soll es noch sieben Wochen lang bleiben.
  • 22. Juli: An Magdalena regnet’s gern, weil sie weinte um den Herrn.
  • 25. Juli: Jakobi klar und rein, wird das Christfest frostig sein.
  • 31. Juli: So wie Ignaz stellte sich ein, wird der nächste Januar sein.

Anderes, Ergänzendes & Besserwisserisches rund um den Juli

  • Juli und August wurde zu Kaisers Zeit auf Sommerfrische gefahren. Ein heißer Tipp, der sich auch heute noch empfiehlt: 20 gute Gründe für die Sommerfrische
  • Am 6. Juli ist internationaler Kusstag, am 22. Juli dafür Tag der Hängematte … weitere schöne Tage findet man hier: Welcher-Tag-ist-heute.org
  • Der Juli beginnt mit demselben Wochentag wie der April und in Schaltjahren auch wie der Jänner.
  • Am 03. Juli 321 führte Konstantin I. den Sonntag als allgemeinen Ruhetag ein – im gesamten römischen Reich.

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