Ein Hoch auf die gute, alte Sommerfrische

Ans Meer kann heute schon jeder fahren, Dubai ist viel näher als früher, Ägypten liegt zwar nicht im Trend, aber per Flieger gleich ums Eck und mal eben zum Strandcafe nach Grado zu fahren, zählt ja schon fast zum Standard-To-Do am Wochenende.

All inclusive gehört natürlich auch überall dazu und bitte beim Essen nur ja die Spezialitäten von daheim auf den Tisch – ohne Wiener Schnitzel und Standard-Schweinsbraten ist’s kein Urlaub, fremdländische Nahrungsexperimente sind off topic. Dazu Daueranimationsberieselung, damit die Tage voll sind und man nur ja nicht zum Nachdenken kommt. Ein Hotel ohne WLan/Wifi geht gar nicht – Internet gehört zu den Grundnahrungsmitteln, das Handy schwimmt wasserfest im Meeresrauschen mit und der Selfie mit dem Fisch, in seiner heimatlichen Unterwasserumgebung aufgenommen, muss natürlich auch unbedingt sein.

Für diesen Gusto gibt es Urlaubsarrangements in epischer Breite und mit vollklimatisierten 08/15-Hotels zum Supersonderextrasparpreis, alles natürlich ohne innerem Kontakt zu Land und Leut´, aber dafür voll und total hipp und very style … aber irgendwie … also so insgeheim … wenn man mal eine ruhige, unanimierte, ent-internettete Minute Zeit zum Denken und Spüren hat … kommen Sehnsüchte hoch, die sowas von abseits der sandigen Meeresbucht liegen, die einen weit weg vom 40°-Strand, hoch hinauf ins Gebirge tragen und sanft hört man plötzlich verlockende Kuhglocken läuten.

Sommerfrische 006Wer diesen Sirenenruf vernimmt, der ist nicht reif für die Insel, sondern bereit für die ultimative Erholung auf allen Sinnes- und Seinsebenen:

Die Sommerfrische ruft!

Und die einzige akzeptable, weil total richtige Antwort darauf: Koffer packen und ab ins heimische Landfeeling, bei wunderbar erträglichen Temperaturen, authentischen Köstlichkeiten direkt vom und am besten auch gleich direkt am Bauernhof genossen und die einzige Animation, die tagein-tagaus wirklich verpflichtend zu absolvieren ist, nennt sich „mit der Seele baumeln“ – da, wo schon Kaisers und Bürgerliche früher die Sommermonate verbracht haben.

Bevor es zu Missverständnissen kommt: Ich bekomm diesen Artikel nicht von der Österreichwerbung finanziert ;-)
Aber ich steh´ ehrlich und absolut voll auf Sommerurlaub „dahoam“ und singe darum nun herzhaft jodelnd ein Loblied auf die gute alte Sommerfrische im eigenen Land.

Sommerfrische 008Teile des Aprils und fast den ganzen Mai habe ich heuer in der schönen Steiermark verbracht, direkt unterm guten, alten Hochschwab, und bin noch immer sehr begeistert davon. Nebenbei auch total erholt und wenn ich die Augen schließe, den Kopf leicht zur Seite neige, dann riech ich das Heu und hör die Kuhglocken noch bimmeln. Keine Angst, ich hab keinen Tinitus ;-), aber dafür ein paar genussvollste Wochen für Leib und Seel´ hinter mir, die mich nun durch die kommende Zeit begleiten werden.

Darum und auch, weil ich wirklich von dieser Urlaubsdestination inklusive dem Angebot voll überzeugt bin, nachstehende ein paar gute Gründe, warum man das Meer am Strand lassen und statt dessen mal wieder auf heimische Sommerfrische fahren sollte.

20 gute Gründe für die Sommerfrische

… und was man so alles tun kann, wenn man sich mit Genuss drauf einlässt:

  1. Kurfeeling im Retrostyle statt Standard-Wellnessen: herzhaft gemütlich, statt verkrampft stylisch
  2. Statt 08/15-Diät mit gesichtslosem Plastikfood gibt´s good-old-Style-Kalorien mit Geschmack aus heimischen Anbau
  3. Genusswandern und Powerwalken im Wald- und Wiesenambiente, mit atemberaubender Bergkulisse und vollkommen unplugged
  4. Wiesen-Chillen und Bergklettern, Hügelerobern und Gipfelstürmen sind das Animationsprogramm der sommerfrischen Stunde – und gefeiert wird dann beim besten Kaiserschmarrn der Alpen (den gibt´s übrigens auf der Grazer Hütte am Preber ;-)
  5. Statt Sand in den Sandalen lieber die Zehen in den Gebirgsbach stecken und den Kopf beim Wasserfall frohduschen
  6. Statt Seeigeln aufzulauern lieber die kecken Eichkater- und -katerinnen mit Nüssen füttern
  7. Dem Sommerregen beim Geschichtenerzählen zuhören und anschließend die frisch gewaschene Luft beim Spaziergang tieeef einatmen
  8. Schlechtwetter als Ruhezeit, ganz ohne schlechtes Gewissen, nehmen und den Tag gemütlich mit Büchern, Kuchen und Tee im Bett verbringen (unter dicken Mummeldecken im Karolook)
  9. Statt Muscheln sammeln duftende Wiesenblumensträuße pflücken und sich von den Grillen sanft in den Abend singen lassen
  10. Der Seele eine arbeitslose Erholzeit, gänzlich ohne Handy, Zeitung, Wlan und TV, gönnen und statt dessen den Wolken am Himmel beim Figurenbasteln zuschauen
  11. Alle angefangenen Gedanken mal in Ruhe bei einem Waldspaziergang zu Ende denken und gern auch mal den Faden dabei verlieren. Die Wege sind markiert und man braucht kein Wollknäuel, um aus dem Gedankenlabyrinth wieder rauszukommen. Und wenn´s zu Verirrungen kommt, die einen woanders hinführen als ursprünglich geplant, daran denken, dass Umwege die Ortskenntnis erhöhen ;-)
  12. Statt stundenlangem Sonneliegen lieber auf der Bank unter der alten Linde sitzen und Wolkenschafe hüten
  13. Aus Flussteinen Pyramiden bauen und für nachkommende Wanderer als vergängliche Landschaftskunst stehen lassen
  14. Aus Hollerästen Flöten schnitzen und sich das nicht Draufrumtröten dann gegen Kaffee und Kuchen ablösen lassen
  15. Zu Fuß zu Jausenstation-Heurigen-Gasthof-Konditorei am nächsten Berg oder in den Nachbarort marschieren und dort hemmungslos Kalorien ohne Reue genießen (weil man sie am Heimweg eh wieder runtermarschiert)
  16. Im Regen spazierengehen, die Funktionskleidung voll ausnutzen und sich endlich diese bunten, quietschfröhlichen Gummistiefel gönnen – statt der x-ten Strandsandale und dem keine-Ahnung-wievielten-Batik-Wickeltuch
  17. Im Frühtau zu Berge die Schwammerl jagen gehen und den Rest des Tages dann faul in der Sonne rumliegen und den Kühen beim Wiederkäuen zuschauen
  18. Ohne Schuhe den Waldboden abwandern, gaaanz langsam, und gute Bücher auf alten Bäumen sitzend lesen
  19. Aus Ästen, Steinen und selbstgedrehten Grasschnüren Mandalas und andere Kunstwerke zwischen den Zweigen basteln und zur Waldvernissage einladen
  20. Mit anderen zusammen die lauen Sommernächte genießen und herzhaft lachen, bis der Bauch weh tut und die Lachtränen kommen

Gute, alte Sommerfrische …

Oft probiert und nie bereut! Ich bin schon als Kind von meinen Großeltern sommerfrisch beurlaubt worden und habe durchwegs schöne Erinnerungen daran.

Meine persönliche Liste selbsterprobter Sommerfrische-Locations, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Das Waldviertel, NÖ
  • Reichenau an der Rax, NÖ
  • Höllental und Klostertal – Rund um Gutenstein, NÖ
  • Aflenz, Stmk.
  • Das Krakautal bei Murau, Stmk.
  • Die Südsteiermark – Gleinstätten, Großklein, Leibnitz …
  • Bad Schönau, NÖ
  • Bad Aussee, Bad Mitterndorf – kurz: das Salzkammergut
  • Die prachtvollen Seen im ganzen Land
  • Bernstein, Bgld.

Und wer es ganz und gar richtig und voll-retro machen will, der verschickt keine Urlaubsmails oder „Mirgehtsgutundwiegehtsdir“-SMS, sondern echte ANSICHTSKARTEN, natürlich handgeschrieben. Das kommt gut an und ist in heutiger Zeit wirklich mal was anderes. Ein Retro-Analog-Tweet sozusagen, volle hipp und total hype ;-)

Das wären meine unschlagbar, treffsicheren Argumente und Tipps für das Revival der guten, alten Sommerfrische.
Was denkt ihr dazu und wohin zieht es euch in den Sommermonaten?
Habt ihr Tipps und Ergänzungen zu meiner Liste oder einen sommerfrischen Urlaubs-Geheimtipp?
Dann schnell her damit – ich bin neugierig darauf! :-)

8 Kommentare

  1. Welch ein Genuss! Ich darf dieses Sommerfrische-Feeling noch dazu fahrtfrei genießen, einfach daheim und unterm Lindenbaum mit der Seele baumeln… gerade jetzt, wo es in den städtischen Niederungen NUR mehr heiß ist: kein dampfendes Auto, keine stinkigen Straßenschlachten – einfach nur SEIN!
    Danke Mia für diesen tollen Beitrag, der mir aus der Seele spricht!
    Liebe Grüße,
    Ingrid

    • Sommerfrisches Urlaubsfeeling als Dauerzustand – der Neid aller, die unter der Stadthitze leiden, ist nun mit dir, recht so!
      Ich schick rosenduftende Sommergrüße aus dem schattigen Garten, wo die Hängematte auf die nächste Seelenbaumel-Einheit wartet ;-)

  2. Pingback: Sommerfrische | KräuterKraftKreisKräuterKraftKreis

  3. Elfriede Gassauer

    Ich wohn zwar nicht in der Stadt, aber wenn ich einen noch frischeren Sommer oder ein bisschen Menschen-Erholung brauche, fahre ich in mein Elternhaus, inzwischen von meiner Schwester gut gehütet. Ein knappes halbes Stündchen Richtung Gebirge, eine Sackgasse und deshalb beinahe ohne Autoverkehr, ein Graben, so eng, dass die Krähen verkehrt hineinfliegen aus Angst, drinnen nicht mehr umdrehen zu können. Dort wird am Abend noch (fast) die Straße aufgerollt, dann kann man nur mehr mit der planmäßigen Wildsau durch den Wald reiten. Im Sommer gibt es keine Nacht ohne Tau, das Gebirgsbächlein plätschert so laut, das es Menschen gibt, die sich davon beim Schlafen stören lassen, und man muss täglich den Holzofen in Betrieb nehmen, sonst wirds zu kalt des nächtens. Beim Liegen auf der Wiese und in-den Himmel-schauen kann man die Flugzeuge erst hören, wenn sie schon den halben Weg über das Stückchen sichtbaren Himmel zurückgelegt haben und die Hirsche kommen am Abend und fressen die Apfel vom Baum vor dem Haus. Im letzten strengen Winter haben die Gämsen die Blumen von der Veranda gefressen.Leider wurde allerdings durch den Bau von Forststraßen der Weg zum Wasserfall meiner Kindheit total abgeschnitten. Meine Schwester kennt dort jedes Blümchen und geht sie zählen, ob auch keiner ihre Waldvögelein und Knabenkrauterln und Schwalbenschwanzenzian abgepflückt hat. Mein Bruder hat eine fixe Kamera aufgestellt und dabei eine Maus und einen Feuersalamander entdeckt, die beide unter der Treppe wohnen.
    Dort mach ich meine Kurz- Sommers-und Winters- Erholungstage :-) Mindestens einmal monatlich und ich kann auf weitere Urlaube fast verzichten.

    • Liebe Elfriede,
      Vielen, vielen herzlichen Dank für den Kurzurlaub in Gedanken, den du mir beim Lesen deiner Sommerfrischetage geschenkt hast! Kann sehr nachvollziehen, wie sehr dir diese Art des Krafttankens und Zeitgenießens gefällt – und ein bisserl kommt auch Neid auf ;-) Genieß die Tage und ich wünsch dir immer wieder eine gute Zeit in deinem Paradies.

  4. Welch nette Hymne auf die Sommerfrische! Wir machen das auch so, die letzten zwei Jahre haben wir des Kaisers Sommerfrische in Bad Ischl genossen. Auch weil wir mit Hund unterwegs sind, daher fliegen wir nicht weg und nordische Hunde mögen heimisches Alpenklima! Nächste Woche gehts in Almtalerhaus am Kleinen Ödsee ins schöne Almtal (Elbental), außer Wald, See, Steine, Fluss, Himmel und Erde wird es nicht viel geben! Hoffentlich leckeres Essen beim Wirten wird den Tag strukturieren, ansonsten lasse ich mit Mann und Hundewelpen die Seele baumeln!
    Schöne Sommertage!
    Walpurga

    • Hallo Walpurga,
      vielen Dank für dein Feedback und ich freu mich über deine Schilderung!
      Unser schwarzes Schnauzermädel ist auch kein Hitzefan, kann deine Beweggründe daher gut verstehen und das Almtal ist ja auch eine herrliche Gegend. Wünsche euch gute Erholung und schöne, entspannte, sommerfrische Tage!

  5. Pingback: Eierschwammerlnudeln a la Sommerfrische

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.