Auf Göttinnenspuren in Malta & Gozo – Rückblick 1/3: Land und Leute

In meinem Garten fallen die letzten Blätter von den Bäumen, die Natur geht schlafen, die Jahreskreisenergie steht auf Rückzug. Auch ich möchte am liebsten nur schlafen und träumen … und hätte Stoff genug für beides.
Ende Oktober bin ich retour gekommen von einer wunderbaren, wahrlich göttlichen Reis: Auf Göttinnenspuren in Malta und Gozo, mit einer tollen Frauengruppe unter der Führung von Veronika Victoria Lamprecht. Zu elft waren wir 10 Tage unterwegs, haben viel gesehen, viel gespürt, viel wahrgenommen und sind tief eingetaucht in die Kraft dieser Inseln. Trotz der Fülle dieser Tage haben wir gerade nur den Zipfel dessen gelüftet, was es auf diesen mystischen Orten zu entdecken gibt. 

Die Reise wirkt noch nach und ich freue mich, auch anhand der vielen Bilder, die mich nun durch die kommende Zeit begleiten werden. 

Die Erlebnisse und Eindrücke waren sehr vielfältig, das passt einfach nicht in einen ganzen Beitrag. Ich teile die Schilderung daher auf mehrere Beiträge auf. Alle Einträge zu dieser Reise sind gesammelt unter dem Schlagwort Malta-Gozo zu finden. Ein kleines Gedicht, das mich auf der Reise via Mail von einem lieben Bekannten erreicht hat, hat den Anfang gemacht: Wenn du müde geworden bist …

Im ersten „richtigen“ Rückblick stelle ich euch Land und Leute näher vor: 

Granatäpfel, wilde Wellen & englische Gastfreundschaft

Herzliches willkommen

Wir kamen mitten in der Nacht an und schon der erste Atemzug war ein köstlicher Schock: warme, salzige Mittelmeerluft. Der Kerosingeruch am Flughafen war nur leicht spürbar und gab dem Ganzen das gewisse Etwas an Abenteuerlust.

Veronika hatte uns eine Landemeditation vorab geschickt. Ein paar Gedanken zur Einstimmung und eine Einladung, wie man sich gut auf den ersten Schritt im neuen Land vorbereiten kann. 
Schon im Sinkflug auf Malta hatte ich das Gefühl, ganz und sehr besonders willkommen geheißen zu werden. Eine mütterliche, liebevolle Kraft sammelte uns ein und geleitete uns sanft auf den Boden. 

Ich mag fliegen nicht besonders, aber manche Länder sind anders kaum erreichbar. Beim Starten und Landen verkrampfe ich mich, im Hintergrund laufen die unwillkommenen Erinnerungen an die Statistiken ab, die zeigen, dass die meisten Unfälle beim Landen und Starten stattfinden. Manchmal wünscht man sich die Möglichkeit, gewisse Teile im Hirnspeicher ähnlich radikal wie auf einer PC-Festplatte löschen zu können. 
Diesmal aber klappte es mit dem entspannten Ankommen und ich nahm den ersten Atemzug dieser verheißungsvollen Luft als Belohnung und Versprechen an. 

Unsere Koffer waren flott ausgeladen, dann ging es durch die Tür und uns schallte ein fröhliches: We all come from the Goddess ...“ entgegen. Mit einem Ständchen begrüßt zu werden ist schon was sehr Feines, daran könnte ich mich gewöhnen ;-)

Die Gesangseinlage verdankten wir der wunderbaren Peti Songcatcher, die gemeinsam mit ihrer gleichfalls wunderbaren Musikerkollegin Paula Noske in unserer Gruppe mit dabei war. Die beiden waren schon einen Tag früher angereist und nun kamen wir in den ersten Genuss ihrer Sangeskünste – ein weiteres Vorzeichen auf stimmungsvolle Tage und ich freute mich ganz besonders darüber, hatte ich mir doch schon sehr lange gewünscht, mal wieder nach Herzenslust und Laune mit anderen singen zu können. 

Die nächste herzliche Begrüßung kam von Anja Jokisch, die die Reise-Organisation vor Ort über hatte. Eine Blume, ein Glücksbringer und eine sehr willkommene Wasserflasche für jede – dann ging es schon zum Bus, wo uns Joe, unser Fahrer, im Eilzugstempo zur Fähre nach Gozo chauffierte. Wir waren die letzten, die an Bord kamen, die Rampe klappte hoch und es ging über das nächtliche Meer hinüber auf die fröhliche, kleine maltesiche Insel Gozo.

Das Land, die Menschen, die Nahrung

Malta, Gozo und Comino sind die drei größten Inseln und bilden, mit ein zwei weiteren, wesentlich kleineren, das sog. maltesische Archipel. 

Malta ist nach Luxemburg das am dichtesten besiedelte Land Europas. Die Bevölkerung kommt auf ca. 400.000 Menschen, davon leben auf Gozo ca. 30.000, die Gesamtfläche des maltesischen Staates sind insgesamt gerade mal 316 km².

Die Hauptinsel ist landschaftlich und auch vom Charakter her ganz anders als Gozo, die zweitgrößte Insel. Auf Malta ist es quirliger, betriebsamer und die Landschaft ist karger, karstig und wenig abwechslungsreich. Für mich machte es den Eindruck, als wäre es eine riesiger Ort, der von größeren landwirtschaftlichen Flächen aufgelockert wird. Das hat durchaus seinen Reiz, lässt einem aber auch erahnen, das diese dichte Besiedlung Probleme verursacht.

Gozo ist grüner, ländlicher, überschaubar und hat mehr von diesem sanften, rustikalen Flair. Dazu kommt eine sehr einzigartige Flora und Fauna, die sich deutlich von der auf der Hauptinsel unterscheidet. 

Die beiden Inseln sind nur 6km getrennt, aber sie haben auch energetisch sehr unterschiedliche Qualitäten.

Die Inselgruppe liegt zwischen Europa und Afrika und bildet eine Art geologischen, geschichtlichen und auch spirituellen Brückenkopf zwischen den beiden Kontinenten. Das schlägt sich in der Geschichte des Landes nieder, aber auch im Leben auf den Inseln. Durch die lange englische Herrschaft hat sich der „english way of life“ im Dasein der Menschen eingebrannt: Man stellt sich beim Bus an, fährt auf der linken Straßenseite, kann Toast, Tee, Würstchen, Bohnen, Eier und Speck zum Frühstück haben … oder alternativ die mediterrane Version mit starkem Kaffee, Croissants und, als maltesische Besonderheit, den köstlichen Goat-Cheese, kleine gepfefferte weiße Ziegenkäse. Dazu Orangenmarmelade (englisches Erbe), oder Kaktusfeigenjam (maltesisch). 

In den Restaurants finden sich für Mittag und Abend hauptsächlich italienisch angehauchte Gerichte, mit maltäsischem oder gozischem Einschlag. Fisch ist hier frisch und wir sind gerade richtig angekommen, denn es ist Lampuka-Zeit – eine Goldmakrelenart, die nun Saison hat. Interessanterweise wird der hier eher frittiert denn gegrillt. Was man auch wissen muss, damit man sich eine lukullische Überraschung erspart.

Eine Alternative zu Fisch ist Kaninchen, das Nationalgericht, das als Ragout serviert wird, in einer dunklen Sauce, meist mit Wein abgerundet. Die Versionen differieren von Lokal zu Lokal, jeder hat hier sein Spezialrezept. 

Das Gemüse dazu kommt größtenteils direkt aus dem eigenen Land: Kartoffeln, Zucchini, Karotten, … alles frisch vom Feld.
Die Antipasti-Platten sind eine Augenweide und schmecken köstlich. Kapern werden direkt vor Ort eingelegt, nach Familienrezepten, außerdem gibt es Oliven, diverse Aufstriche, Käsevariationen und sehr delikate Würste, kombiniert mit der erwähnten Gemüsevielfalt in salziger, eingelegter, gegrillter oder frischer Version. Dazu das typisch mediterrane Brot, lokale Weine oder ein mildes heimisches Bier … oder der leicht bittere, extrem süße Kinnie, eine alkholfreie Limonade.

Granatapfelstrauch beim Ggantjia-Tempel

Granatapfelstrauch beim Ggantjia-Tempel

Einer meiner kulinarischen Höhepunkte aber war Granatapfelsaft, frisch gepresst. Den durfte ich in einer alten Taverne in der Zitadelle der gozischen Hauptstadt Victoria genießen. Auf der Dachterrasse sitzend, die faszinierende Stadt zu Füßen, der strahlend blaue Himmel über mir, meine göttlichen Reisegefährtinnen rundum – ein 360° Genuss.

Ein weiteres Nahrungs-Highlight war eine ausgezeichnete Zahnbrasse, in einem supertollen Lokal in Valetta, namens Malata – was soviel wie Muttermilch bedeutet und, lt. Info von Jasmin, einer mitreisenden Göttinnen-Schwester, an den uralten Namen von Malta erinnert, der Malat gewesen sein soll.
Malta, der heutige Name, bedeutet „Kraft„, wohingegen Gozo für „Freude“ steht.

Die Zahnbrasse teile ich mir mit drei anderen und wir waren danach so pappsatt, dass nicht mal mehr das beste Eis Valettas eine Chance, geschweige denn Platz in unseren Bäuchen hatte. Was schade war, aber frau muss sich auch noch was für die nächste Reise aufheben ;)

Und dann war da noch die Kokosnuss, die ich beim Stadtspaziergang in Valetta, am vorletzten Tag serviert bekommen habe. Eine Straßenverkäuferin bot die eisgekühlt an. Die vorgeschälten Kokosnüsse werden frisch angebohrt und mit Strohhalm und Schirmchen serviert. Meine erste frische Kokosnuss und ich möchte bitte ab sofort nur noch solche natürlichen „Getränkedosen“ für zwischendurch. 

Das Essen auf Gozo und Malta ist ein nahrhaftes Panoptikum quer durch die Geschichte und Kultur des Landes und man sollte sich ausreichend Zeit nehmen, denn das hat sich die Küche hier verdient. Auch wenn manche behaupten, dass die Briten hier einen ungünstigen Einfluss nahmen: Abgesehen von manchen Frühstücksgepflogenheiten war das Essen durchwegs köstlich und erfreulicherweise nicht sehr englisch ;-)

Beide Inseln haben ihre Vorzüge – aber ich gestehe, dass mir Gozo besser gefallen hat. Einfach weil die Ruhe und die herrliche Landschaft einen sehr angenehmen, wohltuenden Zauber hat. In unserem friedlichen Guesthouse wurde der Kaffee und Toast vom Hausherrn serviert, die Omeletts kamen für jede frisch aus der Küche, man fühlte sich angenehm umsorgt.

In Valetta hatten wir ein nettes, kleines Hotel direkt in der Altstadt. Wunderschön, aber nach den sehr ruhigen Gozotagen war mir das quirlige Valetta anfangs fast zuviel und mir fehlte auch die familiäre Gemütlichkeit, die in einem Hotel nun mal nicht so vorhanden ist. 

Erst am zweiten Tag  konnte ich mich auf diese so ganz andere Ortsqualität von Valetta einlassen und dann war ich von den winzigen kleinen Gassen dieser alten Johanniter-Stadt fasziniert. Die Ritter vom Orden des St. John, die man bei uns Malteser-Ritter und in Malta Johanniter nennt, haben die Altstadt nach sehr besonderen geomantischen Richtlinien angelegt. Valetta ist die erste Stadt, die quasi am Reißbrett konstruiert wurde. Den Rittern war wichtig, dass es einerseits eine starke Festung war, die aber auch Lebensqualität bieten sollte. So weht in den schmalen, absolut rechtwinkelig angelegten Straßen dieser südländischen Stadt immer ein kühler Wind und das ist in diesen Breiten ein angenehmer Vorteil. 

Wir haben unsere Göttinnen-Reise in Gozo begonnen, wo wir bis Freitag blieben. Am Plan standen natürlich der fantastische, uralte und wahrhaft riesige Ggantjia Tempel, der Xaghra Steinkreis, die Zitadelle von Victoria und der zauberhafte, versteckte Santa Verna Tempel.
Einen Tag sind wir nach Malta hinüber gefahren um dort zwei Tempel – Mnjadra und Ħaġar Qim – zu besuchen. Erst gegen Ende der Woche sind wir dann ganz von Gozo nach Malta, in die Hauptstadt, übersiedelt, um an die letzten beiden Tage dann den Tarxien Tempel und das sagenhafte Hypgäum zu besuchen. 

Sprache, Kultur, Klippen und Herbstfrühling

Die Landessprachen sind Englisch und Malti, eine sehr charmante Mischung aus italienisch, arabisch, sizilianisch, spanisch… auch hier zeigen sich die Spuren derer, die hier auf den Inseln aktiv war und zugleich dringt der maltesische Zauber auch in der Sprache durch, gibt ihr einen ganz eigenen Charakter.

Dieser Charme schwingt weiter: Die Bewohner der Inseln sind freundlich und hilfsbereit, ohne Anbiederung, und ruhen gut in sich. Zumindest kommt es mir so vor. Trotz dichtem Verkehr auf den Straßen hört man selten bis nie Autos hupen (nur wenn es gar nicht anders geht und der Bus nun aber wirklich weiterfahren muss, sorry, auch wenn der Fahrer des Baufahrzeuges noch nicht mit seinem Kaffee fertig ist). Auch Flüche sind selten. Man nimmt Rücksicht aufeinander, alles fließt sanft, aber beharrlich, und diese aktive Ruhe ist sehr wohltuend.

Das nächste, was mir positiv auffiel: Die Sauberkeit. Kein Müll, keine beiläufig weggeworfenen Dinge – die Städte waren durchwegs gepflegt. Peti freute sich besonders, konnte sie hier doch ohne Bedenken barfuß gehen und das ist in den meisten Städten ja nicht so ganz ungefährlich.

Unser erstes Quartier, ein Guesthouse, war in Xlendi – sprich: Schlendi. Vom Zimmer aus konnte ich die Wellen hören und die wunderschönen Klippen sehen. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie eine Mischung der Cliffs of Moher und den white Cliffs of Dover – nur eben in einem wesentlich wärmerem Klima. Steile, abfallende Steinklippen im „Ildefonso“-Stil, wo man die Schichten unterschiedlichen Gesteins gut sehen kann. Gekrönt von sanft grüner Vegetation.

Auf den zweiten Blick dann die Besonderheit: Sie leuchten leicht golden und am Strand unten, bei den aufgelassenenen Salzpfannen, unterhalb des alten Johanniter-Wachturms, finden sich typisch gozische Globigerina-Kalkformationen, die aussehen, als wären Wüstendünen auf göttlichem Befehl hin zu Stein erstarrt. Sanfte Rundungen, wie archaische Wellen aus goldenem Sand. Man kann sich hineinlegen, den Wellen weiter unten lauschen und spürt sich gut geborgen, mit Blick auf das unendliche Meer. Dieser goldene Kalkstein, der sich leicht verarbeiten lässt, ist seit Jahrtausenden DAS Baumaterial der Insel. Die uralten Tempel sind großteils daraus errichtet und auch heute noch wird er für die meisten Häuser verwendet. 

Wir sind im Herbst gestartet und im Frühling gelandet – auf Gozo hatte es verfrüht geregnet und die Natur rund um uns beeilte sich, diese willkommen Nässe gewinnbringend zu verarbeiten. Hibiskus und Bougainvillea blühten in den Gärten, auf den weiten Flächen oberhalb der Klippen wächst der Salzalant und die Kapernbüsche, dazwischen ausgewilderte Aloen (die hier riesig werden!) und winzig kleine, unendlich zarte Herbstnarzissen

Das und die Tatsache, dass das Meer selbst noch wunderbar warm war, die Lufttemperatur hingegen angenehm bei sehr erträglichen 20-24 Grad lag, sorgte für ein wahres Hochgefühl. Ende Oktober, bei Frühlingsvegetation im warmen Meer zu schwimmen … das ist wunderschön und unbeschreiblich. 

Malta gehört übrigens seit 2004 zur europäischen Union. Malti (maltesisch) ist auch als EU-Sprache anerkannt. Man kann problemlos mit Euro zahlen, Kreditkarten werden so gut wie überall akzeptiert. 

Busse, falsche Pilze und roter Sand

Wir reisten hauptsächlich mit den öffentlichen Bussen und die waren immer pünktlich – was laut Auskunft Wissender und Einheimischer ein Wunder für sich sein soll. Die Fahrpläne ändern sich öfter, man muss sich immer wieder neu erkundigen. Das System ist aber leicht zu durchschauen. Gozo selbst ist nicht groß, man könnte es auch gut zu Fuß erwandern.
Am freien Tag nahm ich mir gemeinsam mit einer lieben Mitreisenden ein Ticket für den Hopp-on-Hopp-off-Bus und wir trampten über die Insel. 

Meine Highlights dieser Tour waren das Blue Window, dass im März 2017 eingestürzt ist, aber eine spektakuläre Wellenszenerie bietet. Gleich daneben ist der Fungus-Rock, ein Felsen, den die Johanniter, lange Zeit Herren der Inseln, eifersüchtigst bewacht haben. Denn nur hier wächst der Malteserschwamm, dem man beeindruckende Heilkräfte nachsagte (was sich in modernen, wissenschaftlichen Studien aber nicht beweisen ließ).

Auf der anderen Seite von Gozo ist es die Ramla Bay, die mich jauchzen ließ – ein roter Sandstrand und sanft-wilde Wellen. Schwimmen ging eher nicht, aber sich mit Verve in die Wellen schmeißen ging gut, herrlich gut! Kindheitsgefühle wurden wach, ich konnte kaum genug davon bekommen. Wäre ich allein gewesen, wäre ich hier nimmer weggegangen :) Das warme Meer, die Brandung, die sanfte Sonne … und ich bin mir ganz sicher, dass ich im Hintergrund göttliches Kichern gehört habe. Vielleicht aus der Grotte der Calypso, die hier gleich ums Eck sein soll?

Wasser. Wasser! Wasser?

Beim eingestürzten Blue Window in Dwerja, Gozo … und zur Abwechslung nicht waschlnass ;)

Generell war das Element Wasser „mein“ Thema auf der Reise. Das zeigte sich am ersten gemeinsamen Tag, als wir uns am Nachmittag bei den goldenen Steindünen von Xlendi zum offiziellen Beginn unserer Göttinnen-Tage trafen.

Mich zog es sofort zum Rand des flachen Steinstrandes, wo die Wellen hochgischten. Dicht am Rande stehend freute ich mich am wilden Wasser … bis mir von rechts eine übermütige Welle zeigte, dass man sich nicht darauf verlassen kann, das alle Wellen gleich sind und nah am Wasser zu stehen einen schneller nass werden lässt, als wenn man nah am Wasser gebaut ist.
Einseitig nass, aber herzhaft lachend, krabbelte ich retour ans trockene Land und bedankte mich für die Lektion und auch, dass mein Handy die Salzwasserdusche gut überstanden hatte. 

Auch hier glaubte ich im Hintergrund feines Lachen zu hören, als würde sich das Meer über den Scherz sehr amüsieren. 

Die nächste Dusche erwartete mich tags darauf. Mich zog es schon frühmorgens hinunter zum Steinstrand, ich wollte einen flotten Spaziergang bei Sonnenaufgang machen. Am Hochplateu beim Turm angekommen, wurde ich mit einem faszinierenden Schauspiel belohnt: Am Horizont ging über dem Meer ein Regenschauer nieder. Kurz darauf leuchtete ein Regenbogen, zuerst über dem Meer, dann über den Klippen auf der anderen Seite. Verzückt fotografierte ich (siehe das Beitragsbild ganz oben), atmete tief den salzigen Wind ein, der vom Meer zu mir herwehte, als mir schlagartig bewusst wurde, dass der Wind auch den Regen brachte und zwar sehr, sehr schnell. 

Ich hatte gerade noch Zeit mein Handy sicher zu verstauen und mich umzudrehen, da war der Regenschauer schon da. 10 Minuten dauerte er, ich war „soaking wet“ – waschelnass auf gut österreichisch – und musste wieder sehr lachen. Mutter Gozo wollte mich mit allen Wassern waschen (und diesmal hatte ganz sicher der Wind hinter mir gekichert). 

In der Gruppe war ich ab sofort die, bei der man aufpassen musste, dass man nicht zu nahe steht, wenn Wasser in der Nähe ist. Das Wasserphänomen wiederholte sich noch ein paar Mal in kleinerem Rahmen. Drei Tage heftiger Winde sorgen zusätzlich dafür, dass die Wellen hochgingen in der Bucht. Was faszinierende Fotoaufnahmen ermöglichte, aber das Sitzen auf der Terrasse im Hafen zu einer Herausforderung werden ließ. 

Allen Wasserspielen zum Trotz: Süßwasser ist auf den maltesischen Inseln eine rare Angelegenheit. Das Speichern von Regenwasser ist seit Jahrtausende eine wichtige Angelegenheit. Die wenigen Quellen der Inseln können die Bevölkerung schon seit langem nicht mehr ausreichend versorgen. Es gibt teuer Meerwasserentsalzungsanlagen, der Regen wird gespeichert und fallweise kommen auch Tankschiffe, die Wasser liefern. Wasser aus der Leitung zu trinken ist nicht empfehlenswert. Wie in den meisten Mittelmeerländern üblich kauft man sich das Trinkwasser in (Plastik)Flaschen. Insofern schmerzt es, wenn man im Hafen dann die riesigen Kreuzfahrtschiffe sieht, die den ganzen Tag Frischwasser pumpen, während die menschliche Fracht touristisch durch die kleine Altstadt wogt.

Früher soll es wesentlich mehr Quellen gegeben haben. Doch auch hier hat der Mensch zu lange und zu gierig in das labile natürliche Gefüge eingegriffen, Raubbau betrieben, die Folgen zu spät erkannt. Die Phönizier und Römern haben die Wälder gerodet, die Spanier und Briten den Baumwollanbau forciert und auch davor und dazwischen ging man sehr rücksichtslos mit diesem hochempfindlichen Bioraum um.
Man bemüht sich nun, auf eine ökologischere Lebensweise umzusteigen und es gibt sogar ein Eu-gefördertes Projekt, dass das unterstützen soll. Ich wünsche dem Land und den Bewohnern, dass dieses Projekt greift und die weitere Verkarstung rechtzeitig stoppt.

Negatives?

Der Mini-Markt in Xlendi stellte meine europäische Geduld auf die Probe. Ich brauche glutenfreies Brot, was sogar fallweise in den lokalen Restaurants verfügbar war (und zwar in exzellenter Qualität). Für die Tagesausflüge wollte ich mir meine eigenen Sandwiches machen. Meine mitgebrachten Vorräte waren am Schwinden, aber laut Auskunft meinte der Inhaber, dass er mir bei der Bäckerei ein glutenfreies Brot bestellen könne. Das klappte auch – einmal. Es schmeckte super, aber beim zweiten Versuch: „Sorry, they didn´t bring it … maybe tomorrow.“ Und diese „tomorrow“ blieb dann bis zu unserer Abreise von Gozo unerreicht, wurde von einem auf den anderen Tag verschoben und lehrte mich Nahrungsmittelversorgungskreativität. Ich musste mir spontan andere Futterquellen suchen und bekam eine sanfte Lektion in maltesischer Geduld. 

Hausecke in Victoria: Eine üppige Maria und daneben ein Wellensittich im Käfig … auch eine Art Tradition 

Weit mehr schmerzte mich aber ein Punkt, der mir gezielt am letzten Tag auf Gozo begegnete: Die Singvogeljagd :(

Am vorletzten Tag auf Gozo wollte ich den Sonnenaufgang von den Klippen aus sehen. Schon im Morgengrauen hörte man überall immer wieder Schüsse. Ich marschierte dennoch los, am Hafen vorbei und kletterte die Steinstufen hoch – die Schüsse hörten nicht auf, ein Schütze war sehr nah rechts oberhalb von mir.

Angst hatte ich keine, empfand die Schüsse aber wie eine Vertreibung aus dem Paradies. Justament ging ich weiter, zur Sicherheit meinen orangen Schal umgebunden. Fast hoffte ich darauf dem Schützen zu begegnen, mir stand der Sinn nach einer kleinen Grundsatzdiskussion. Dazu kam es aber (leider) nicht. Mein passiver und gar nicht stiller Protest gegen dieses idiotische Abknallen: der Andachtsjodler, in extra Lautstärke, damit der Rest der Vogelwelt sich eine andere Bleibe sucht, ehe die Jäger ihrer habhaft werden konnten.

Später hörte ich, dass die Jäger da keinen Spaß verstehen und auch nicht zu einem Konsens bereit sind. Die Singvogeljagd ist auf Malta an sich verboten. Die Jäger wollen davon aber nichts wissen, bestehen auf ihrer Tradition und einmal mehr erinnert mich das an den weisen Spruch: 

„Tradition ist nicht die Anbetung der Asche,
sondern die Weitergabe des Feuers“
Gustav Mahler

Laut Auskunft von Stefanie, unserer Reiseleiterin bei unserem Trip zu den maltesichen Tempeln von Mnajdra und Hagar Quim, gab es beim Erteilen des Verbotes massive Protestaktionen der Jägergemeinschaft, bei denen unter anderem neolithischen Tempel mit Graffitis besprüht und verwüstet wurden.

Eine in Summe sehr interessante Reaktion der modernen Singvogel-Jäger, die ihre Wut an den alten Muttertempeln der Inseln ausgelassen haben, weil sich die Welt einmal mehr ändert und ihre alten, sinnlosen Traditionen an Bedeutung verlieren, die Tempel aber neue hinzu gewinnen und ihre alten Bedeutungen nie verloren haben. Das ließe sich einiges philosophieren und psychologisieren.

Links und weiteres

Soweit mein erster Reiserückblick auf die Göttinnen-Inseln von Malta und Gozo. Es gäbe noch vieles zu sagen, … 

  • … zum Beispiel über das pittoreske Popeye Village, das nun ein Vergnügungspark ist,
  • … oder das man kostenlos von Malta nach Gozo mit der Fähre übersetzen kann, der Retourweg aber nicht gratis ist (was daran liegt, dass man nur mit der Fähre auf die Insel und wieder von ihr wegkommt)
  • … das die Kirchenglocken ein sehr interessantes, für mich nicht durchschaubares, Glockenkonzert bieten, mit hohen, tiefen und mittleren Glockentönen – vor, während und nach der Messe.
  • … das gut 98% der Inselbewohner katholisch sind und Gott auf maltesisch Alla heißt. 

… und vieles, vieles mehr, aber das würde den Rahmen dieses Beitrags (noch mehr ;) sprengen.

Die Tempel, die wir besucht haben, stelle ich im nächsten Beitrag vor. Den Göttinnen der Insel widme ich einen eigenen, dritten Beitrag. Da gehe ich dann auch etwas mehr auf die Geschichte ein.

Weitere Infos über Gozo und Malta findet ihr unter folgenden Links. Bitte beachtet auch die, die ich schon in den Text oben eingefügt habe: 

Wie immer freue ich mich über Ergänzungen und eigenen Erfahrungen, gerne in den Kommentaren, und natürlich freue ich mich auch sehr über das Weiterleiten meiner Info!

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