Virgilkapelle, Wien

virgilkapelle - Virgilkapelle, Wien

Wer vermutet in der U-Bahn einen Kraftplatz? Vor allem wenn darüber doch der Stephansdom  steht,  besucht von unzähligen Touristenscharen. Franz Jantsch, der Autor mehrerer Bücher über Kult- und Kraftplätze, berichtet, dass  die Kraftstrahlung im Stephansdom gering bis kaum vorhanden ist. Ganz anders hingegen in der seitlich unterhalb liegenden Virgilkapelle.

Der Stephansplatz selbst war (und ist) ein kräftiger Platz, seit vielen Jahrhunderten von Menschen als Kultstätte verwendet. Auch der „Stock im Eisen„, ein benagelter Baum, deutet darauf hin. Allerdings ist die Sage zum Stock im Eisen irreführend: heute weiß man, dass die Benagelung Teil eines Fruchtbarkeitskultes war.

Die Virgilkapelle ist weitaus weniger bekannt. Fast vergessen und erst 1973 im Zuge des U-Bahnbaus wiederentdeckt, liegt sie etwas versetzt unter dem Dom. Von oben ist sie nur  durch den Grundriss im Straßenpflaster erkennbar. Diese Zeichnung ist allerdings meist durch Schausteller, Touristengruppen oder Würstel/Punschbuden unsichtbar.

Die Kapelle selbst ist der größte erhaltene gotische Innenraum in Wien. Errichtet wurde sie 1250 als „Capella Subterranea“ unterhalb der nicht mehr vorhandenen Magdalenskapelle. Das bedeutet, dass sie von Anfang an unter der Erde gelegen hat.

Sinn und Zweck ihrer Errichtung sind im Dunkel der Zeit verloren gegangen. Man vermutet, dass sie als Begräbniskapelle gedient hat. Im 14. Jahrhundert hat sie ihre ursprüngliche Bestimmung verloren und diente vortan einer Wiener Kaufmannsfamilie als Gruft.
Die Kapelle selbst ist mit byzantinischen Radkreuzen ausgemalt und hat einen, dem heiligen Virgil gewidmeten, Altar.

Als man die U-Bahn unter dem Stephansplatz baute, stieß man zufällig auf die Virgilkapelle. Sie wurde vom Schutt befreit, mühevoll restauriert und ist heute als museales Schaustück zu bewundern.

Die Kapelle befindet sich direkt in der U-Bahnstation.  Sie war 2005 offen und zu besichtigen, dann war sie kurz wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Aktuell ist sie wieder zu besichtigen, Infos und Eintrittspreise: Wien Museum.

Der Grundriss der Kapelle bildet zwei Kleeblätter, die mit dem Stiel zusammenstoßen. So entstehen sechs halbkreisförmige Nischen, Apsiden genannt. Eine davon wurde zum Eingang umgebaut.
In die Nischen sind oben, teilweise sehr schwach zu erkennende, byzantinische Kreuze gemalt. Die Datierung hat 1200 n.C. ergeben. Fenster gibt es keine, der Einstieg erfolgte ursprünglich über die Öffnung in der Decke, durch eine Innentreppe.

In der Nische gegenüber dem Eingang befindet sich ein Brunnenloch. warum und wieso es hier einen brunnen gegeben hat ist ebenso mysteriös wie die tatsächliche geschichte der Kapelle.

Der Raum selbst hat eine sehr berührende Energie: eine tiefe Ruhe und einen deutlich spürbaren Frieden –  wenige Meter neben dem geschäftigen Stationsbetrieb.
Laut Jantsch ist die starke Strahlung des Ortes ein Hinweis darauf, dass dies der Mittelpunkt des ehemaligen Kultbezirkes ist/war, das alte Herz der Stadt.

 

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