Prag: zu Besuch bei einer Königin

Prag bei Nacht

Prag im November – ein Traum, den ich mir 2013 erfüllt habe.
Veronika Lamprecht organisiert immer wieder Reisen in diese wunderbare Stadt und nun hat es auch für mich einmal gepasst: Ein Besuch bei der Königin an der Moldau.
Prag hat gerade im Bereich Kraftplatz – Geomantie – Geschichte viel zu bieten. Hinzu kommt der ganz eigene Zauber dieser einzigartigen Stadt, mit ihren alten und wunderschönen Gebäuden.

Die geografische Nähe ist für mich ein großer Vorteil und besonders fein war es, dass der Zug mich direkt in 5 1/2 Stunden mitten ins Prager Herz gebracht hat. Wer ähnliche Reisen plant: es gibt ganz tolle Zug-Angebote über die tschechische Sparschiene und Prag selbst kann man mit Öffis wunderbar entdecken.

Prager Stadtrundgang

Veronika hatte unsere Reise sehr gut geplant, unser „Hauptquartier“ lag nahe dem Zentrum, in einem kleinen, modernen Hotel. Am ersten Tag ging es gleich zu Fuß auf den Vyserad und ich kann nur sagen: Bei Nacht ist diese Festung mitten in Prag ein ganz besonderer Platz. Das scheinen auch zahlreiche Liebespärchen so zu sehen ;-)

Das goldene Gässchen bei Nacht

Das goldene Gässchen bei Nacht

Generell habe ich viele dieser besonderen Plätze in Prag abends und Nachts gesehen und das in der absoluten Nebensaison.

Damit hatte ich auch das Glück, unter anderem das, ansonsten völlig überlaufende, Goldene Gässchen auf der Prager Burg komplett menschenleer zu erleben. Die Geschäfte hatten alle, bis auf eines, zu und dieses eine war Kafkas Buchladen – ich war selig.

Der Hradschin am Abend, mit einem traumhaften Blick über die goldene Stadt – das ist ein Erlebnis, das weit jenseits von klassischen Touristenaufenthalten angesiedelt ist und sehr zu empfehlen!

Prag Veitsdom 2013 003

Erster Blick auf den Veitsdom

Doch zu Prag gehört auch der Veitsdom. Wer hier war und den nicht gesehen hat, dem fehlt was und darum stand dieser uralte Kultplatz auch auf meiner „Must see“-Liste. Die erste Begegnung mit diesem ganz besonderen geomantischen Bauwerk hatte ich gleichfalls am Abend, als es schon dunkel war. Die Kirche war natürlich geschlossen, aber der Platz rundum war angenehm leer und so konnten wir uns dieses Bauwerk in aller Ruhe von außen ansehen. Der erste Eindruck, wenn man unter dem Torbogen unmittelbar vor dem Dom steht, ist einfach überwältigend. So groß … der Veitsdom sprengt fast den Platz.

Das Gefühl der Größe und Allmacht setzt sich im Inneren fort – gigantisch.

Daneben war die erdige, romanische Georgskathedrale fast eine Erholung. Direkt hinter dem Dom und sehr versteckt hat sie eine angenehm beruhigende Ausstrahlung.

Brückenturm

Brückenturm

Ein ganzen Tag haben wir am Königsweg verbracht. Diesen Weg absolvierten die böhmischen Monarchen am Tag ihrer Krönung. Er führt vom Pulverturm, neben dem Gemeindehaus, über die Karlsbrücke auf den Hradschin und musste von den HerscherInnen ursprünglich zu Fuß und in dünnem Schuhwerk begangen werden.
Meiner Meinung nach ein Ritual, um die Bodenhaftung zu stärken und den HerscherInnen auf solche Art und Weise die dunklere Seite des Herrschens nahe zu bringen: Verantwortung für die Menschen, die nicht auf hohen Rössern geboren sind. Speziell der Weg über die Karlsbrücke sorgt mit seinen zahlreichen Heiligenfiguren sehr eindringlich dafür, dass man sich seiner Sterblichkeit mehr als bewusst wird.
Unter einem die mächtige Moldau, über einem der Himmel, an der Seite die mahnenden katholischen Heiligen und das alles auf einer uralten Steinbrücke, die an einem Platz steht, wo seit Menschengendenken der Weg hinüber, auf die andere Seite führt. Am Anfang und am Ende stehen mächtige Türme – wahrlich ein klassisches Initationsportal, bestens für einen Königsweg geeignet, um die wichtige Balance zwischen Himmel und Erde klar zu vermitteln.

Prag Sarkatal 2013 070

Verzauberter Baum

Einen Tag haben wir abseits der Stadt, im Šárka-Tal verbracht. Eine sehr angenehme Erholung zum dichten Prager Stadtleben. Das Naherholungsgebiet ist bequem mit der Straßenbahn erreichbar und bietet landschaftlich und geschichtlich eine Fülle an Erlebnissen. Auch radiästhetisch ein sehr spannender Platz, vor allem oben, am Weg zum Hochplateau. Dort findet sich eine Wiese mit sehr extrem gewachsenen Obstbäumen. Als wäre man mitten in einem verzauberten Hexenwald gelandet und ich habe fast erwartet, dass die Bäume ihre Wurzeln aus der Erde ziehen und zum Gehen, nein: Tanzen anfangen.

Abgerundet wurde diese spannende und sehr berührende Stadtreise durch die einzigartige Prager Stimmung, die netten Leute und das gute Essen in Prag.

Freundlicher Haifisch

Freundlicher Haifisch

In Summe war es ein extrem dichtes Programm, das mir aber auf sehr kompakte Weise eine beeindruckende Fülle an kostbaren Begegnungen und Orten gezeigt hat. Es war eine Einführung in Prag und ich habe beschlossen, diese schöne Stadt bald wieder zu besuchen und mir dann für jeden dieser Orte genug Zeit zum intensiver Erforschen zu nehmen.

Mein inniger Dank gilt hier Veronika Lamprecht, die eine wunderbare Tour durch diese lebendige, goldene Stadt zusammen gestellt hat! Ein weiteres Danke an die anderen ReisegefährtInnen, die das ihre dazu beigetragen haben, damit die Wanderungen zu etwas besonderem wurden.
Die Reise hat jedenfalls meinen Hunger geweckt – ich will mehr ;) – und hat mich mit der Stadt verbunden, die mit einem Teil meiner Ahnen in Verbindung steht.

Ich habe euch eine Fülle an Bildern mitgebracht, ihr findet sie nachstehend, ebenso wie weitere Infos zu den Orten. Die Fotos habe ich mit meinem iPhone aufgenommen, dass heißt die Qualität ist leider suboptimal. Ich habe sie dennoch nicht bearbeitet, weil meiner Meinung nach die zauberhafte Novemberstimmung bei diesem Königinnenbesuch durch die Authentizität der unbehandelten Bilder greifbarer vermittelt wird.
Dennoch: bitte um Nachsicht für die teils doch sehr unscharfen und körnigen Aufnahmen!

Der Vyserad

„Es war einmal …“
So beginnen viele Märchen und mein erster Eindruck vom Vyserad war märchenhaft: eine mächtige Mauer umschließt trotzig einen Zaubergarten, in dem Geheimnisse verborgen liegen.

Die Mauer ist wahrlich mächtig und, wie bei solchen Festungsanlagen üblich und sinnvoll, außen eher abwehrend als einladend. Steht sie doch teilweise auch auf einer wasserführenden Verwerfung, einem geologischen Bruch. Die alten Bauherrn wussten schon, wo und wie sie ihre Schutzmauern bauten.
Doch hat man dann Einlass gefunden, schützt sie einen und man kann beruhigt auf Märchenpfaden wandern.
Im Zentrum befindet sich die Peter und Paul Kathedrale und der Friefhof der KünsterlInnen. Am Vyserad findet man auch eine der letzten Rotunden von Prag: runde Kirchen, eher in Kapellengröße, aus romanischer Zeit.

Ein herrlicher Rundblick über die goldene Stadt und die Moldau gehört auch dazu und wie ich schon sagte: der Platz zieht Liebespaare an ;)
Im Park befinden sich auch steinerne Pärchen. Zum Beispiel das Denkmal von Libuše und Přemysl, den Gründern der Stadt. Aber auch das von Šárka und Ctirad, die einerseits erbitterte Gegner aber angeblich auch ein Liebespaar waren. Mehr dazu weiter unten.

Der Vyserad ist eine Stadt in der Stadt. Aber eine, die ruhiger, entfernter und – im positiven Sinn – abgehobener ist vom irdischen Chaos.
Mein Eindruck: kreative Ruhe und Geborgenheit. 

 

Am Königsweg

Der Weg war lang und wenn ich ihn nochmal gehe, dann ganz sicher mit Wanderschuhen ;)
Aber er war lohnend und wirklich beeindruckend.

An Metern waren es nicht so viele, aber an Eindrücken dafür umso mehr. Wir sind von der Nationalbibliothek über den Wenzelsplatz zum Pulverturm marschiert. Vorbei an Jugendstilbauten, mittelalterlichen Bauwerken und einer Fülle von Symbolen und Denkmälern jeder Art. Der alte Pulverturm ist direkt verbunden mit dem Gemeindehaus (Obecní Dum), einem Jugendstiljuwel mit Cafehaus und American Bar.

Von hier weg ging es über die steinerne Karlsbrücke hinüber auf die Kleinseite – Mala Strana, wo auch die Burgstadt und die Burg (Hrad) selbst zu finden sind.
Am Weg dazwischen liegt das Zentrum von Prag, mit einem der schönsten Plätze Europas, dem alten Rathaus, der Aposteluhr, dem Jan Huss Denkmal und der Kirche der Kaufmannschaft, der Teynkirche.

Sehr spannend hier: die Kirche ist umgeben von Häusern, Läden, Lokalen. Es schmiegen sich sogar Verkaufsstände in die Außenrippen des Gebäudes. Der Eingang selbst befindet sich zwischen zwei Restauraunts, in einem dunklen Durchgang, vorbei ein weiteren Geschäftseingängen und einer öffentlichen Toilette. Schafft man diese Hattrick, landet man in der Kirche – sofern sie offen hat.

Ich habe auch ein kleines, leider etwas verwackeltes Video gedreht: Ein Rundblick über den Platz und dazu tschechische Bardenmusik, live, und ich denke es vermittelt die Stimmung sehr authentisch.

Die Burg – Hradschin

Am Ende des Königswegs wartet die stolze Prager Burg auf einen. Durch die malerischen Gässchen geht es hinauf und wenn der Vyserad für Romantik steht, dann symbolisiert die Prager Burg weltliche Macht.

Rund um den Burgkomplex selbst finden sich die riesigen, alten Palais und im Zentrum des Geschehens: der Veitsdom, eine hauptsächlich gotische Kathedrale und eines der bedeutendsten geomantischen Zentren Europas.

Auf der anderen Seite des Burgberges findet man ruhige Gassen mit malerischen Geschäften und Loretto, wo die Prager Sonne zu finden ist. Nicht die, die mir als Abschied bei der Heimreise vom Himmel geleuchtet hat, sondern eine 1669 in Wien gefertigte Monstranz, aus vergoldetem Silber, bestückt mit sage und schreibe 6222 Diamanten.

Gesehen habe ich sie nicht – mir war die Sonne am Himmel ehrlich gesagt lieber, denn es war sehr kalt in diesen Novembertagen. Loretto selbst habe ich auch nur von außen gesehen und fand mich, obwohl es ein sehr schönes Gebäude ist, nicht so hingezogen.

Fasziniert haben mich hingegen das schon erwähnte Goldene Gässchen, die beruhigende Georgskathedrale und die vielen, vielen Symbole und Hauszeichen, die man hier überall findet.

Der mächtige Veitsdom

… einfach zum Niederknien.

Ich kann nicht sagen ob er schön ist – ich war einfach zu überwältigt, zu überrumpelt von dieser Präsenz und hatte leider auch zuwenig Zeit. Schon der erste Anblick von außen war gewaltig und am Sonntag habe ich es dann kurz vor Schluss noch geschafft, ein paar Minuten in den Dom selbst hineinzukommen.

Zuerst das Menschengewurrel am Eingang und die Suche nach dem Durchlass. Endlich hatte ich den gefunden und marschierte eilig weiter, hob den Blick und bin sicher 5 Minuten mit offenem Mund staunend dagestanden.

Das mag nun nach der Schilderung einer Landpomeranze klingen, die erstmals eine große Kirche gesehen hat ;-). Aber ich kenne nun mittlerweile doch einige Dome und auch andere große Bauwerke, aber der Prager Veitsdom hat mich sichtlich „kalt“ erwischt und überwältigt.

Man hat das Gefühl in einem anderen Universum gelandet zu sein. Die Decke ist Äonen weit weg, das Kirchenschiff immens lang und die Fülle an Seitenkapellen schier endlos. Nach meinen ersten, sehr staunenden Minuten bin ich quasi im Galopp durchmarschiert und war sehr dankbar meine Handykamera dabei zu haben. So konnte ich mir danach ansehen, was ich im Dom gesehen habe.

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich alle Baustile auch in dieser Kathedrale gemischt und die ehemals frei gedachten Lücken sind mit zahlreichen Skulpturen gefüllt. Die üppigste ist der barocke Nepomuk-Sarkopharg, komplett aus Silber. Sicher ein künstlerisch sehr wertvolles Denkmal. Auf mich machte es aber den Eindruck, als stünde es einerseits falsch und im Weg und abgesehen davon wirkte es mehr wie ein Gefängnis, das den heiligen Mann hier festhalten soll. Aber wie gesagt: das ist mein Eindruck.

Ich habe es auch kurz zur Wenzelskapelle geschafft und ein weiteres Aha-Erlebnis gehabt: abgesehen von der üppigen Ausstattung der Kapelle, die an sich schon sehr beeindruckend ist, „schreit“ sie regelrecht vor Energie – wie eine hochaufgeladene Batterie. Ein sehr starker Platz und lange kann man es hier nicht aushalten.

Mit anderen Worten: der Veitsdom birgt eine Fülle an Symbolen, Geheimnissen und geomantischen Besonderheiten, für deren Erforschung man vermutlich ein paar Monate braucht.
10 Minuten sind eindeutig zu wenig ;-)
Aber für einen ersten, starken Eindruck hat es gereicht und ich sagte ja, dass ich wieder hierher kommen will.

 

Ausflug ins Šárkatal

Eine weitere Geschichte, die mit einem „Es war einmal“ beginnt:

Nach Libussas Tod wollten die Männer die Herrschaft an sich reißen, doch die Frauen wehrten sich und die Folge war das, was heute unter dem Begriff „böhmischer Mägdekrieg“ bekannt ist.

Unter der Führung von Vlasta verschanzten sich die Frauen auf der Hochebene über dem heutigen Šárka-Tal. Die Kämpfe wogten hin und her, schlussendlich griffen die Frauen zu einer List. Eine der ihren, Šárka genannt, sollte als Lockvogel einen der Anführer, Ctirad mit Namen,  in eine Falle locken.

Die List ging auf, die Frauen konnten die Männer in diesem Kampf überwältigen, unterlagen aber dennoch im Krieg.
Aus Gram darüber oder, laut anderer Geschichte, weil sie mit der Schande nicht leben konnte oder weil sie Ctirad doch auch geliebt hatte … stürzte sich Šárka vom Berg in die Schlucht.
Die Stelle heißt heute noch Mädchensprung.

Eine sehr dramatische Geschichte, die man in verschiedenen Versionen findet. Mal kommen die Frauen besser weg, dann wieder die Männer. Mal geht es um Amazonenkriege, dann wieder um einen Aufstand – was und wie es wirklich war, werden wir heute nicht mehr herausfinden können.

Das Tal selbst hat eine sehr melancholischen Stimmung. Die schwarzen, schroffen Felsen scheinen eine rauhe Geschichte zu erzählen und mein Eindruck war, dass hier weder die Frauen noch die Männer gewonnen haben. Sehr wohl aber die Natur rundum, die dennoch ob dieser schon lange zurückliegenden Kämpfe noch immer Trauer trägt.

So tief und hart das Tal unten ist, so sanft und erhebend ist die Hochebene darüber. Man kann sich gut vorstellen, dass hier ein Volk gelebt hat. Nach allen Seiten leicht zu sichern und oben mit guten Weideflächen. Dazu ein Ausblick weit ins Land – der ideale Platz für eine Siedlung.

Am Weg vom Tal hinauf sind wir auf der oben beschriebenen „Hexenwiese“ vorbeigekommen. Und mein Rat an alle, die dort wandern: unbedingt anschauen! Solche Bäume habe ich noch nie gesehen – in dieser Fülle und schrägen Form. Alle samt und sonders zeigen sie Wachstumsauffälligkeiten. Verbogen, sich in alle Richtungen windend, ineinander verschlungen und selbst wenn sie schon mehrfach gebrochen sind und am Boden liegen, wachsen sie noch weiter.

Hier gibt es radiästhetisch und geomantisch sicher einiges zu erforschen und zu finden! Das Šárka-Tal und seine Umgebungen sind jedenfalls ein lohnender und schöner Ausflug und ideal als Ergänzung zum Stadtbesuch.

Prager November-Stimmung

Als Abschluss noch ein paar eher persönliche Aufnahmen, die mir so über den Weg gelaufen sind und die ich euch nicht vorenthalten will.

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