Mariazell, Stmk.

mariazell basilika - Mariazell, Stmk.

Anfang des vorigen Jahrtausends lebten die Menschen im Mariazeller Land noch „in blynder Heydenschafft“. Erst im 12. Jahrhundert begann von St. Lambrecht aus die Christianisierung dieser Gegend.

Die Sage erzählt, dass einst einem Mönch, der mit seiner selbstgeschnitzten Marienstatue  unterwegs war, der Weg durch einen gewaltigen Fels versperrt war. Als er die Statue auf den Fels stellte, spaltete sich dieser. Er sah dies als göttliches Zeichen und errichtete hier seine Zelle (daher der Name, von „Maria in der Zelle“)

Basilika von MariazellVom Felsen ist heute kaum etwas zu sehen, leider. Wer nach Mariazell kommt, ist von anderen Dingen überwältigt. Früher, als es noch einen Weg zu diesem Felsen  gab, zählte des Durchschreiten des gespaltenen Steins zum Um und Auf einer echten Mariazeller Wallfahrt – dieser Teil der Mariazeller Wallfahrt basiert offenbar auf dem sog. Durchkriechkult. Heute ist es wichtig, sich rechtzeitig einen Termin für den Dankgottesdienst seiner Pilgergruppe geben zu lassen.

Mariazell war bereits lange vor dem Marienwunder ein Kraftort, heutzutage ist davon leider nicht mehr allzu viel zu spüren.

Die erste Kirche wurde 1340 errichtet, später wurde der Bau erweitert und ist nun eine Mischung aus Gotik und Barock. Zwei barockeTürme flankieren den gotischen Mittelturm, der Ostteil wird von einer Kuppel gekrönt. Im Inneren sind mehrere Seitenkapellen angefügt worden, über ihnen Emporen, die zu den Schatzkammern führen.

Gottesdienste werden den ganzen Tag abgehalten. Durch das rechte Tor treten die Pilger ein und verlassen die Basilika 40 – 50 Minuten später durch das linke Tor – so gibt es keine größeren Staus und weniger Gedränge. Ziel der Andacht ist die Gnadenmadonna in ihrem üppigen Schrein.
Hinter dem Schrein der Gnadenmadonna wird es ruhiger, ein weiterer Altar ist hier aufgestellt. Weniger Barock, besinnlicher und friedlicher als der vordere Teil der Kirche.

In der Kirche selbst dürfen aus Denkmalschutzgründen keine mitgebrachten Kerzen angezündet werden, dazu gibt es die Kerzerlgrotte direkt hinter der Kirche. Schon von oben spürt man die Wärme der Kerzen. Innen ist es, vor allem im Sommer, extrem. Wer nun denkt, er/sie kann hier aus Dankbarkeit oder anderen spirituellen Gründen eine große Bienenwachskerze (oder ähnliches) opfern – so wie es früher üblich war – den muss ich leider enttäuschen: es dürfen nur Kerzen verwendet werden, die direkt in der Grotte zu kaufen sind. Selbst mitgebrachte Opferkerzen müssen abgegeben werden.

Ein Platz, der mich mit dem Trubel um und in der Kirche wieder etwas versöhnt hat ist der Friedhof von Mariazell. Hier ist der alte Geist des Ortes noch spürbar und macht Lust, den Ort ein weiteres Mal zu besuchen und dann vielleicht abseits, hinter den Verkaufsbuden, das Wunder und die versteckte Kraft von Mariazell zu finden.

Bilder aus Mariazell

8 Kommentare

  1. Waltraud Degen

    Liebe Michaela,

    ich habe mein Heimathaus nahe von Mariazell und habe rund um die Basilika wunderbare Kraftorte gefunden. Die Madonna von Mariazell, die Kultstatue, ist eine wunderbare, aus Lindenholz geschnitze Skulptur aus dem 12. Jh., leider von den Kleidern fast ganz bedeckt. Aber mindestens 2x im Jahr steht sie in ihrer Nische in ihrer ursprünglichen Gestalt – und die ist bemerkenswert. Ich finde sie wunderschön. Sie hat nichts Liebliches. Sie ist geheimnisvoll. Sie ist tief und sinnlich und dunkel und herrlich, wenn ich sie spüre. Sie steht mir sehr nahe.
    Der Ursprungsfelsen ist immer noch da, steht in Rasing, Du kannst ihn betreten und Dich in die Spalte stellen. Rechts vom Gasthaus „Zum Ursprung“ findest Du eine Holztreppe, die hinter dem Gasthaus vorbei zum Felsen führt. Leider strömt der Verkehr vorbei und bringt Unruhe. Aber wenn man sich einlässt, ist die Spalte ein wunderbarer Platz.
    Ein ebenfalls wunderbarar Platz ist der Hl. Brunnen, der nicht bei der Kirche zu finden ist, sondern weiter oberhalb steht. Die Brunnenkapelle wurde (leider) in den letzten Jahren restauriert und hat dadurch manches von ihrer Stimmung verloren, aber ist noch immer etwas Besonderes. Links und rechts vom Altar fließt Wasser aus silbernen Krügen, die von je einem Engel gehalten werden, in eine marmorne Schale. Der ganze Raum ist von dem leisen Plätschern erfüllt. Für mich ist das ein Reinigungsplatz mit einer wundervollen sanften beruhigenden Energie. Die Menschen, die heraufkommen, kommen meist zum Beten.
    Dann gibt es nochh den Sigmundsberg südlich von Mariazell, ein Wehrkirchlein auf einem steilen Berg, das geschlossen ist. Drinnen war eine gotische Maria lactans, die jetzt in einem Museum in Deutschland stehen soll. Jetzt gibt es ein Altarbild mit einer Maria lactans in einer großen Mondsichel. Setz dich auf die Holzbank auf der Südseite und schließ die Augen. Im NO der Kirche (außen) gibt es auch einen besonderen Steinsitz.
    Und schließlich gibt es auch noch den Marienwasserfall in der Grünau. Hier stand tatsächlich einmal eine Marienstatue im Wasser. Eine Bekannte hat mir einmal gesagt: wenn es mir schlecht geht und ich nicht mehr weiter weiß, fahre ich zum Marienwasserfall, und nach einer Viertelstunde bin ich wieder im Gleichgewicht. Ja, solche Plätze brauchen wir.

    Liebe Michaela,
    ich wünsche Dir schöne Erlebnisse im Raum Mariazell!
    Ganz herzliche Grüße –
    Waltraud

    • Liebe Waltraud,

      der Mariazell-Artikel stammt aus dem Jahr 2007 – da hat sich sicher schon wieder einiges getan seither und ich denke, ich werde mir die Gegend bald wieder einmal näher ansehen und eine Update des Beitrages machen.

      Danke jedenfalls sehr für deine tollen und ausführlichen Ergänzungen und Tipps!
      Tut gut zu wissen, dass die Sensibilität vorhanden ist und auch, dass sich die Plätze regenerieren, neu orientieren und für Suchende offenbaren.

      Ganz herzliche Grüße vom Fuß der Hohen Wand und vielleicht trifft man sich ja mal im schönen Mariazeller Land, an einem der von dir beschriebenen Orte!
      Michaela

  2. Waltraud Degen

    Liebe Michaela,
    von einem Bekannten, der im Herbst 2013 den Ursprungsstein besuchen wollte, habe ich erfahren, dass der Zugang mittlerweile so baufällig geworden ist, dass er gesperrt wurde. Mein Bekannter ist aber trotzdem zum Stein gegangen, die Bodenbretter sind halt vermorscht, man muss aufpassen, dass sie nicht durchbrechen. Schade! Wer weiß, wann der Zugang wieder erneuert wird!
    Liebe Grüße –
    Waltraud

    • Liebe Waltraud,
      Danke für deine Recherche und den Hinweis!
      Einerseits find ich es schade, dass diese Plätze nicht so gepflegt werden. Aber andererseits ist das vielleicht auch ein Selbstschutz, damit die Orte sich in Ruhe erholen können und nur wirklich achtsam Interessierte einen Zugang bekommen.
      Herzliche Grüße, Michaela

  3. Liebe Michaela,
    Ich habe gerade Deinen neuen Mariazellbericht gelesen. Ja, es ist schade, dass die Mariazeller Madonna mit dem Kind unter so voluminösen Kleidern und Kronen verborgen ist, dass nur die Gesichter zu sehen sind. Du müsstest sie einmal sehen, wenn sie in ihrer ursprünglichen Gestalt in der silbernen Nische steht. Dann lohnt es sich, ganz nahe hin zu gehen, man kann nämlich – wenn nicht gerade eine Messe gefeiert wird – innerhalb des silbernen Altargitters stehen.
    Herzliche Grüße –
    Waltraud
    .

    • Hallo Waltraud!
      Freu mich von dir zu lesen und Danke für deine Info und Erinnerung – weißt du zufällig, wann die Madonna blank zu sehen ist? Wäre fein, da einen Termin zu wissen, vielleicht schaff ich es ja zeitgerecht.
      Herzliche Grüße retour,
      Michaele

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