Hurling, keine Bücher und Besuch beim „pickled Earl“ – mit dem Käsehobel in Irland

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Irland 2018 – sanfter Regen und kühle Temperaturen, eine Erholung nach den heißen Wochen daheim.
Dazu riesige Supermärkte, die bis Mitternacht offen haben, Gartencenter, die am Sonntag zum Shoppen, Schauen, Lunchen einladen … und Unmengen historisch bedeutsamer Plätze, geomantisch höchst reizvoll, mit Ruinen, Steinkreise, magischen Bäumen und mehr Geschichten, als man in einem Leben erzählen kann.

Meine Käsehobel-Challenge, die 3-wöchige Reise mit möglichst kleinem Gepäck unter Patronanz meines Käsehobels, hat mich in meine irische Seelenheimat geführt, wo ich als Kind meine Sommerferien verbracht habe und seither immer wieder hierher komme, um diese emotionalen Wurzeln zu füttern.

Es ist auch diesmal wieder ein nach Hause kommen und der erste Blick aus dem Flugzeug, gleich nach der Landung, ein regelrechter Flash – die Luft ist grün, ganz zart, aber unverkennbar. Und weil es in den letzten Wochen hier doch wieder einiges geregnet hat, ist auch das Land grün.

Ich wohne in Naas, Co. Kildare, bei meiner irischen Friends-Family, die ich seit meiner Kindheit kenne. Wir haben uns gegenseitig adoptiert, ich bin die „österreichische Tochter“, sie sind meine „irish family“.

Die erste Nacht war wunderbar erholsam, die kühle Luft eine Wohltat und das erste Frühstück – Porridge, what else ;-) – köstlich.

Es ist Sonntag und ein ganz besonders Ereignis steht an: Das All Ireland Hurling Finale! Galway gegen Limerick, was soviel bedeutet: Ausnahmezustand im Land.

HURLING

Wie Fußball mit einem Tennisball, der mit einer Art Cricketschläger (dem Hurley) über ein Baseballfeldgroßes Spielfeld gedroschen wird. Es ist eine der schnellsten Manschaftssportarten und die Spieler müssen (seit ein paar Jahren) einen Helm tragen, denn die Regeln sind rauh. Es wird gedroschen und geholzt und mehr als einer der Recken humpelt vom Feld.

Hurling ist ein irischer Nationalsport und das alljährliche Finale der Höhepunkt der Saison. Dieses Jahr besonders, denn Limerick will nach 45 Jahren endlich wieder den Pokal wieder erobern. Galway, der letztjährige Champion hat verständlicherweise was dagegen ;-)

Es ist, zu meiner Schande, das erste Hurlingmatch das ich miterleben, via TV, denn die Tickets sind teuer und ausverkauft. Fasziniert verfolge ich die irr schnellen Ballwechsel und es braucht eine Halbzeit, bis ich verstanden habe, wie das läuft – weil es einfacher ist als erwartet. Limerick führt von Anfang an und Galway hechelt hinterher. Doch was wie eine „gmahte Wiesn“ ausschaut, um es auf good old austrian zu sagen, wird in den letzten Minuten dramatisch: Galway holt in der Überzeit auf, macht im Eilzug mehrere Punkte und sogar ein Tor und plötzlich trennt die Mannschaften nur noch 1 (ein!!!) Punkt. Ein Galway-Spieler hat eine Freistoß, das Land hält den Atem an, der Ball fliegt an den Torstangen vorbei und der Schiedsrichter pfeift das Ende. Ein unvorstellbarer Lärm explodiert regelrecht – bei den Limerick-Anhängern.

Ein paar Tage später sehe ich meine „irish sister“ Idé, die in Galway wohnt und sie erzählt, dass in dem Moment, als das Spiel zu Ende war, eine Totenstille über der Stadt lag – die Fans waren fassungslos. Auf der anderen Seite der Insel, in Limerick, wo meine „irish family“ ursprünglich herkommt, naturgemäß das genau Gegenteil.

Die Zeit bis zum Finale haben wir mit einem Besuch im Garden-Center verbracht. Neben Pflanzen und Erde gibt es hier auch Bücher, Wohn-Accessoires und ein Café, wo man lunchen kann.

Mein gestrenger Käsehobel erweist sich bei diesem Besuch als sehr nützlich – obwohl er daheim im Zimmer geblieben ist. Da ich nur einen mittleren Koffer und einen Rucksack habe, die beide sehr präzise bepackt sind, kann ich in den vielen Büchern nur schmöckern und muss sie schweren Herzens im Geschäft lassen. Dem Käsehobel sei Dank, wenngleich mein inneres, buchverliebtes Kind ein, zwei Tränchen vergossen hat.

Am Rückweg dann ein kurzer Stopp in Johnstown.
Hier bleiben wir kurz stehen, ich muss dir etwas zeigen“ – wenn Mae Leonard, meine wunderbare irish Mum und hierorts wohlbekannte Autorin, das sagt, dann weiß ich was kommt: ein spannende Geschichte.
So auch diesmal.

Der Ort des Geschehens:
Johnstown, nahe Naas, Co. Kildare.

Die besondere Location:
Ein mystisch schönes Plätzchen, wie aus einem Bilderbuch, mit riesigen Eiben, einer geheimnisvollen Aura mit einer fast gänzlich verfallene, mittelalterliche Kirche, von den Johannitern errichtet, die dem Ort auch den Namen gegeben haben.

Innen drin ein prachtvolles gälisches Kreuz – das Grab von Richard Southwell Bourke, des 6. Earl of Mayo, Vizekönig von Indien.

Er starb 1867 bei einem Anschlag auf den Cayman Inseln und sein letzter Wunsch war es, in seiner irschen Heimat begraben zu werden.

Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Aber weil es doch ein weiter Weg von den Caymans nach Irland war, musste sein Körper für die letzte Reise entsprechend „gesichert“ werden. Die etwas unkonventionelle Lösung: Man verfrachtete ihn in ein volles Rumfass. (Manche Quellen erwähnen ein Fass mit Essig, was weniger hochprozentig klingt. Aber: „Don´t believe them! It was definitly rum.“)

Dieser Prozedur verdankte der Earl den Spitznamen „The pickled Earl“ – der eingelegte Earl.

Ich liebe solche Geschichten. Das macht das Erleben dieser Plätze noch um einiges spannender.

Alle Geschichten/Beiträge von meiner Käsehobel-Challenge findet ihr hier. Kurze Updates gibt es auch auf FB, Twitter und Instagram. Einfach dem Hashtag #KäsehobelChallenge oder #Käsehobelontheroad folgen!

Käsehobel heißt auf englisch übrigens Cheese-Slicer und hat in jedem guten Haushalt einen fixen Platz. Schlussendlich müssen hier ja auch jede Menge Sandwiches für den Lunch und Hurlingspiele gerichtet werden. Ohne Käsehobel wäre das einfach stillos und undenkbar ;)

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