Die Käsehobel-Challenge: mit kleinem Gepäck auf große Reise

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Hin und wieder bin ich gerne mal woanders, will neue und alte Länder und Orte besuchen, aber das Reisen selbst mag ich gar nicht. Also den Weg von daheim zu einem anderen Ort.
Ein großer Unlust-Grund: Das Packen und Vorbereiten – ich hasse es.

Ich mag mich ungern heute schon entscheiden müssen, was ich in der kommende Woche anziehe, auch weil das ja vom Wetter abhängig ist, mehr aber noch von meiner Laune. Auch weiß ich nie, was ich vielleicht, möglicherweise, unter Umständen … an Hilfsmitteln und Zeug so brauche. Also nehme ich gleich mal so viel wie möglich mit – die Hälfte davon unnötig.
Zusätzlich kommen dann noch die Dinge, die ich krankheits- und ernährungstechnisch mitnehmen muss, weil ich ja meinen Crohn und seine kranken Gefährten nicht daheim lassen kann (wollen würde ich schon gern, aber die fragen nicht und wandern einfach mit ;)

Ich würde liebend gerne nur mit Handgepäck unterwegs sein. Meist endet es aber damit, dass ich neben einem prall gefüllten Rucksack noch einen großen Koffer mitschleppe und eine zusätzliche Tasche mit den Dingen, die ich in letzter Minute als ungemein wichtig eingestuft habe (und die natürlich keinen Platz mehr im Koffer gefunden haben). Dieses Aufkommen an Zeug ist nicht mal so sehr abhängig davon wie lange ich unterwegs bin. Der Faktor Kleidung ist meist der kleinste Posten und dank der, vor ein paar Jahren entdeckten Konmari Methode, gut verstaut.

Fazit:
Koffer packen ist das, was auf meiner Favoritenliste noch unter Klo putzen und bügeln kommt.
Ich. Hasse. Es.
An Kofferpacktagen bin ich dann auch entsprechend unleidlich, gereizt, nah am explodieren.

Die letzen Jahre haben mir nun gezeigt, dass das Thema Reisen einen weit größeren Rahmen in meinem Leben einzunehmen gewillt ist und das freut mich sehr. Denn es bedeutet auch, dass es mir gesundheitlich so gut geht, dass ich mir das zutrauen kann und das tut gut. Nebenbei wird mein innerer und äußerer Horizont weiter, Herz und Hirn bekommen frische Nahrung, ich lerne immer wieder Neues kennen und sehe vieles life, was ich bis jetzt nur in der Theorie kannte. Auch das tut gut.
Zusätzliche habe ich den Komfort des Reisens mit öffentlichen Verkehrsmitteln wieder entdeckt (ausgenommen die U6 in Wien, die ist eher eine Vorstufe der Hölle ;) Was reisetechnisch eine deutliche Erleichterung für mich ist und auch viel ökologischer.

Was mir jedoch bis jetzt kaum gelungen ist, ist das Reduzieren des Zeugs, dass ich auf diesen kleinen und großen Reisen mit mir mitschleppe.

Ich bewundere all jene die es schaffen, mit einem 20l-Rucksack drei Wochen nach Bali oder Norwegen zu reisen, ohne das ihnen etwas fehlt. Wenn ich übers Wochenende wohin fahre, bin ich schon stolz, wenn ich „nur“ einen 20l Rucksack und einen kleinen (ok, mittleren ;) Koffer dabei habe.
Das ist mühsam und nervt– nicht nur wegen der mehr oder weniger scherzhaften Frage, wohin ich denn nun schon wieder übersiedle, wenn wer mein Gepäckaufkommen sieht.

Auch dieses Jahr war ich schon einiges unterwegs, mal kürzer und mal länger. Bei jedem Kofferpacken habe ich teilweise fast schon verzweifelt versucht weniger mitzunehmen, mehr zurückzulassen (idealerweise daheim ;) und zu reduzieren wo geht. Und langsam hat sich dann auch ein kleiner Erfolg gezeigt. Das macht Mut.

Nun steht eine dreiwöchige Reise durch Irland und England am Programm, auf die ich mich schon lange freue.
Aber wie immer: Bevor es los geht, muss der Koffer gepackt werden (Einzahl!). Drastische Entscheidungen über den Inhalt müssen getroffen werden und da wir auch häufiger das Quartier wechseln, muss das ganze leicht und schnell zu transportieren sein. Damit ich im Anschluss an die Reise nicht eine Rücken-Reha brauche.

Im Gegensatz zu früheren, ähnlichen Reisen habe ich diesmal schon lange vorher mit den Vorbereitungen und Listen begonnen.

Mein Gepäck-Ziel bei dieser besonderen Reise:
Ein mittlerer Koffer und ein Rucksack – mehr nicht.

Mein Handicap bei dieser Reise:
Ich muss zumindest für 1-3 Tage auch etwas zum Essen mitnehmen (gluten- und laktosefrei), außerdem eine Wanderausrüstung (Schuhe, Trinkflaschen, Jausenbox …) und das irisch-englische Klima ist als eher wankelmütig bekannt, was Kleidung für jede Begebenheit erfordert. Außerdem sollen noch Geschenke für meine irischen Freunde und Familie im Koffer landen und dann finden sich auch sicher ein paar ganz wichtige Mitbringsel für die Lieben daheim in Österreich, die am Rückweg gut verstaut werden müssen. (Letztes Jahr in Malta habe ich dann kurzerhand einen kleinen, rollbaren Rucksack für diese Überfüllen gekauft. Das will ich mir heuer ersparen)

Und natürlich dann noch der übliche Wahnsinn: Medikamente (tw. gekühlt zu transportieren), diverse Hilfsmittel, unbedingt notwendige Lieb-Dinge, ohne die ich nicht reisen mag, Bücher, Schreibzeug, Tablett … you know it ;)

Zeitgleich merke ich aber auch, dass ich das immer mehr als Herausforderung sehe, was mich zusätzlich motiviert:

Wie kann ich trotz meiner Wünsche und Notwendigkeiten so minimalistisch wie möglich unterwegs sein, ohne das Gefühl zu haben, ich „beschneide“ mich in meinem Komfort oder muss auf etwas verzichten, was mir sehr wichtig ist?

Im Internet gibt es Tipps und Empfehlungen sonder Zahl. Das ist toll, legt aber auch gleichzeitig die Latte höher, was Druck und Stress macht. Beides mag ich nicht. Und da es für meine besondere Situation, nämlich das Reisen mit chronischer Erkrankung und daraus folgender Beeinträchtigung, sowieso keine vorgefertigte Liste gibt muss(te) ich mir selbst etwas einfallen lassen.

Und dann kam der Käsehobel

Beim Rumkramen in meinen Küchenschubladen fiel mir dieser Tage ein Küchenwerkzeug in die Hand, von dem ich gar nicht mehr wusste, dass ich es habe: Ein alter Käsehobel, der vermutlich von einer der Großtanten oder Großmütter stammt.

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Ein Käsehobel sieht aus wie ein zu kurz geratener Tortenheber, der im Knick ein Messer „eingebaut“ hat, mit dem man elegant schmale Streifen vom Käse abschneiden und gleichzeitig kredenzen kann.

Ein heutzutage eher ungewöhnliches Ding, das ein wenig unnötig wirkt – man kann Käse ja auch gut mit einem Messer schneiden. Zugleich ist er eine liebevoll skurile Erinnerung an die Zeit, als man zum Nachmittagstee noch die Zuckerzange gereicht hat (die auch noch irgendwo in einer Schublade ihren Dornröschenschlaf hält).

Beim Anblick des Käsehobels, kamen mir sehr sentimentale Gedanken – und eine Idee.

Der Käsehobel ist ein hübsches Sinnbild für all das, was man im Grunde nicht braucht, aber dennoch hat und fallweise mit sich mitschleppt – real und im übertragenen Sinn. Wie den Eierschalensollbruchstellenverursacher.

Ein nettes Ding, das was her macht. Aber es hat keinen tieferen Sinn, weil man das gleiche Ergebnis mit anderen, multifunktionalen Dingen auch erreichen kann.
Es ist nicht mal ein Statussymbol, eher eine lieb gewordene Eigenheit, an die man sich gewöhnt hat (seit ich den Käsehobel wieder entdeckt habe, verwende ich ihn auch) und die man aus eben diesen Gründen nicht mehr missen mag (Käse nie mehr ohne meinen Käsehobel!).
Das Ding ist eigentlich dumm, aber weil es niemanden weh tut und doch eine gewisse Eigenheit hat, nennt man es Spleen und zeigt damit, dass man nicht 08/15 gestrickt ist.

Kurz:

Der Käsehobel ist ein Sinnbild für all das, was dem minimalistischen Dasein im Weg steht.

Korrigiere:
Er ist ab nun MEIN Sinnbild dafür.
Und darum kommt er mit auf die Reise.

Die Käsehobel-Challenge: #KäsehobelOnTheRoad!

Ich weiß es nicht genau, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass noch niemand mit einem Käsehobel nach Stonehenge gereist ist – und genau da will ich heuer hin, mit einer wunderbaren Reisegruppe und sehr feiner Reiseleitung.

Und mit meinem Käsehobel.
Aber dafür ohne all den anderen Kramuri, den ich sonst so gern (und ungern) mit mir mitschleppe.

Mein Wunsch und der Kernpunkt meiner Käsehobel-Challenge, die ich hiermit ins Leben rufe: mein Gepäck so klein und leicht als möglich halten, ohne das Gefühl zu haben, dass ich etwas vermisse oder mir real etwas fehlt.

Für all das, was ich sonst immer mit mir rumgeschleppt habe, was ich vielleicht, unter Umständen oder möglicherweise glaubte zu brauchen, was sich in letzter Minute noch gefunden hat und in den Koffer gewandert ist (weil da noch ein Eckchen frei war und man weiß ja nie …), was ich durch multifunktionelleres ersetzen kann … wandert der Käsehobel anstelle mit und erinnert mich daran, dass es Dinge gibt, die man nicht braucht, aber dennoch hat und freiwillig mit sich mitschleppt, auch wenn man gut darauf verzichten kann.

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Das ganze möchte ich auch dokumentieren, im Sinne eines Online-Käsehobel-Reisetagebuchs, wo ich euch von unterwegs mit Blogbeiträgen am Laufenden halte. Ob ich es jeden Tag schaffe einen Beitrag zu schreiben bezweifle ich. Das wäre mir auch zu stressig, Käsehobel hin oder her. Aber es sollte sich doch alle 2-3 Tage ein Beiträgchen ausgehen.

Wer meiner KKP-Seite auf Facebook oder mir direkt auf Instagram bzw. Twitter folgt, bekommt auch zwischendurch kleine Statusmeldungen – und natürlich Fotos, mit und ohne Käsehobel.
Der dazugehörige Hashtag ist #KäsehobelOnTheRoad bzw. #KäsehobelChallenge

Am Ende der Reise, wenn ich wieder daheim bin, gibt es eine Zusammenfassung und ein Resumé des Ganzen. Vielleicht hilft meine Käsehobel-Lernerfahrung ja auch anderen dabei, etwas minimalistischer unterwegs zu sein ;)

Noch habe ich eine gute Woche Zeit, mich auf das Ganze vorzubereiten. Wie das im Detail ausschaut, worauf ich achte, was ich schon beschlossen habe mitzunehmen und wie ich versuchen will, mein Gepäck klein zu bekommen, erfahrt ihr im nächsten Blogbeitrag, vor der Abreise.

Habt ihr Fragen oder Tipps, wie ich mir das Reisen (mit Käsehobel, aber ohne unnötigen Ballast ;) einfacher gestalten kann?
Dann her damit, ich versuche alles so gut als möglich zu beantworten und freue mich sehr über Hinweise, wo ich Ballast einsparen und mir das Reisedasein erleichtern kann!

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