Stonehenge – mit dem Käsehobel in England

Falls wer nicht weiß, was es mit dem Käsehobel und dieser Challenge auf sich hat (und es gerne wissen will ;): Lies am besten den ersten Beitrag, dann weißt du worum es geht.
Die Kurzform:
Für eine dreiwöchige Reise durch Irland und England habe ich mir als Ziel gesetzt, mit möglichst kleinem Gepäck zu reisen. Für all das, was ich sonst immer an Überflüssigem mit mir mitgeschleppt habe, reist der Käsehobel anstelle mit und sorgt auch unterwegs dafür, dass sich mein Zeug nicht vermehrt, Stichwort Käsehobel-Faktor. In den Käsehobel-Gechichten berichte ich über den Verlauf der Reise und die Orte, die wir besuchen.

Stonehenge. STONEHENGE! … oh mein lieber Käsehobel …

„Der Traum eines jeden Käsehobels?
Im Schatten von Stonehenge Cheddar hobeln.“
© Harald Koisser

Was tut man nicht alles, um seinem Käsehobel einen Traum zu erfüllen?
Ein Traum, der sich zum Glück auch mit meinen Wünschen deckt – zumindest was den Besuch von Stonehenge betrifft (wobei guter Cheddar auch sehr fein ist ;-)

Den Cheddar für diese besondere Käsehobelhandlung hatten wir uns schon im schönen Glastonbury organisiert. Da die berühmten Cheddarhöhlen in der Nähe sind, bekommt man hier Cheddar in ausgezeichneter Qualität und es ist empfehlenswert sich mit dieser Köstlichkeit einzudecken. Schließlich muss man ja auch ein paar handfeste Erinnerungen für daheim mitnehmen.
Der Käsehobel war jedenfalls erstmals glücklich über einen meiner Einkäufe und sollte in den kommenden Tagen dann auch mehrfach Gelegenheit bekommen, seiner ursprünglichen Profession (=Käse hobeln) nachzukommen.

Für unser Stonehenge-Ereignis hieß es zeitig aufstehen: Wir mussten um 7:00 vor Ort zu sein. „Early Access“ nennt man das und der Vorteil der unchristlichen Stunde: maximal 30 Personen und man darf direkt zu den Steinen. Also richtig nahe hin, in den Kreis und fast auf Tuchfühlung. Der normale Eintritt führt einen lediglich in ca. 30-40m an den Steinen vorbei, im Pulk mit vielen anderen.

Dafür steht man (=ich) gerne um 5 Uhr auf und erkämpft sich vom übernächtigten, leicht überforderten Servierpersonal unseres Hotels ein Brunchpaket
(Ein Insider – wir hatten es jedenfalls gleich am Morgen sehr lustig. Der beste Muntermacher ever ;)

Die Fahrt vonGlastonbury nach Stonehenge war ein Ereignis für sich: zarter Morgendunst über den Feldern von Somerset – die Nebel von Avalon, ein wahrlich mystischer Sonnenaufgang und eine fröhliche, sehr motivierte Gruppe – was will man mehr?

Und dann waren wir da, am menschenleeren Parkplatz, kurz nach Sonnenaufgang. Kühl war es und alles noch sehr zu. Der Zubringerbus stand schon bereit und in der Ferne konnte man die geheimnisvollen Steine erahnen.

Über Stonehenge wurde und wird viel geschrieben, geforscht, gemutet und gesagt. Das Netz ist voll von Infos jedweder Art und Richtung. Darum will ich hier einfach nur meinen Eindruck und mein Erlebnis festhalten.

Der Wunsch hierher zu kommen stand auf meiner Löffelliste und die Möglichkeit, mir diesen Wunsch zu erfüllen, stand vor noch gar nicht so langer Zeit noch in den Sternen – unerreichbar. Als ich mich zu dieser magischen Südenglandreise anmeldet, ging ich ein spontanes Wagnis ein. Ohne zu wissen, ob ich es auch wirklich schaffen würde dabei zu sein. Wer mit zwei chronischen Autoimmunerkrankungen durchs Leben hatscht, weiß was situative Planung bedeutet (und schließt sicherheitshalber eine gute Reiseversicherung ab).
Stonehenge war eines von mehreren Zugpferden, die mich dazu brachten, mich zu dieser gut organisierten Reise anzumelden. Alleine war es mir einfach zuviel, das Rundherum zu organisieren und dann auch entsprechend genießen zu können.

Die „Early Access“-Karten zu bekommen ist ein spezielles, bürokratisches Stolpersteinchen – Veronika und Harald hatten sich bereits lange vor den Anmeldungen, unmittelbar nach der Ausschreibung der Reise und ohne zu wissen, ob sich überhaupt genug Interessenten finden würden, um die begehrten Karten bemüht.
Es war also auch ein guter Batzen Glück notwendig, auf allen Seiten und ich weise diesen Beitrag am Gelingen ganz der wunderbaren Vorsehung zu – man kann es auch gerne Schicksal nennen ;)

Selbige Vorsehung sorgte dann auch für ein Prachtwetter: Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein – keine Wolke am Himmel oder wenn, dann nur zur noch klareren Verdeutlichung der Schönheit dieser Kulisse.

Der erste „echte“ Blick auf die Steine war noch vom Busfenster aus und meine Aufregung, stieg schlagartig. Der berühmteste Steinkreis der Welt, sattsam bekannt von unzähligen Fotografien, Zeichnungen, Dokumentationen … und ich war nur noch ein paar Meter von ihnen entfernt! Ich wollte mich eben in ein „ohmeingottohnmeingottohnmeingott-ichbinjasoaufgeregt“ reinsteigern, als der Bus hielt. Die Spannung der anderen BesucherInnen war ähnlich, doch als wir uns eben kollektiv aus den Sitzen erheben wollten, betrat der Hüter den Raum.

No digging.

Einer der Securities stieg ein, in dunkler Uniform und mit einer sehr „wächterigen“ Ausstrahlung.
Nicht groß aber sehr beeindruckend, stand er neben dem Fahrer, wartete bis sich die junge Aufregung der SteinbesucherInnen gelegt hatte und alle Augen auf ihn gerichtet waren. Dann erhielten wir unseren Einsatzbefehl.

Pardon.
Unsere Verhaltensregeln.

Ich habe vermutlich irgendwann in meinem Leben zuviele amerikanische Filme gesehen, wo militärische Situationen dargestellt waren. Der gute Hüter des heiligen Steinkreises hätte jedenfalls in jedem dieser Filme eine tragende Rolle als Drill Sergeant authentisch ausgefüllt.

Sehr korrekt, sehr höflich, sehr klar und deutlich wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass man bei den uralten Steinen …

  • nicht essen
  • nicht trinken
  • nicht tanzen
  • nicht singen
  • und keine Rituale machen darf.

Außerdem:

  • … die Steine NICHT, unter gar keinen, wie auch immer gearteten Umständen, BERÜHREN!
  • … und auch nichts drauf schreiben, abschlagen, kratzen, behauen, mit Kaugummis bekleben oder Graffitis versehen usw.usf.
    (kann man alles auch hier nachlesen: Stone Circle Access Terms and Conditions | English Heritage)
  • … and of course NO DIGGING!“.

Im Bus war es mucksmäuschenstill. Alle hielten den Atem an. Niemand wagte es, sich zu bewegen – der Mann hatte uns alle in seinen Bann geschlagen. Meine rechte Hand zuckte und wollte zackig zu meiner Schläfe, damit sie rechtzeitig dort ankam, wenn mein Mund reflexartig „YES SIR!“ brüllte.

Keine Ahnung mehr wie, aber ich habe es geschafft, diesen Reflex abzuwürgen. Unser Drill Sergeant blickt nochmal streng in die Runde (und jedem ins Herz, ich schwöre!). Dann sprach er die magischen Worte: „You have one hour.“ … und gab den Weg frei.

Ich habe noch nie eine Gruppe von 30 Personen so brav, so still und geordnet aus einem Bus aussteigen sehen.

Schon nach wenigen Metern aber waren wir wieder ganz bei uns und vor allem:
DIREKT BEI DEN STEINEN!

Einerseits und andererseits

Der Kreis, die Steine, die Umgebung – alles ist: Überwältigend.
Und gleichzeitig so massiv, dass sich mein geomantisches Ich erstmal verschreckt versteckt hat.

Zuviel von allem und vor allem zu viele Vorstellungen von Gehörtem und Gelesenem, die sich in meinem Gedächtnis wie Schleier über meine Wahrnehmung legten. Ich war überfordert, mir war schlagartig alles zuviel: zu viele Menschen, auf zu engem Raum, die uralten, mächtigen Steine – zu eng, zu hoch, zu … keine Ahnung.

Also ab in den Touristenmodus, der mir schon an vielen anderen Plätzen die Distanz verschafft hat, damit ich mich im Hintergrund langsam an das Ereignis und den Ort gewöhne.
Ich knipste mich von Stein zu Stein, immer darauf bedacht, sie nur mit Blicken zu berühren.

Und langsam, sehr langsam beruhigte sich mein Inneres und ich begann mich an sie heranzutasten (rein bildlich gesprochen ;). Ich ging hinaus aus dem Kreis, umrundete ihn, ging durch die Tore durch, ließ mich von meinen Füßen führen, ging auf Distanz und dann wieder ganz ins Zentrum.

Stonehenge ist eine ungemein machtvolle Zentrale unterschiedlichster Energien. Die fehlenden und gestürzten Steine sorgen spürbar für Disonanzen – aber andererseits auch für eine sehr eigene Harmonie. Als hätte sich der Ort weg von den Plänen der  menschlichen ErbauerInnen bewegt und sich hin zu seinem seinem ureigenen, für uns nicht klar erkennbaren, Zweck entwickelt.

Die Steine kamen mir zuerst sehr unnahbar und verschlossen vor – wie Wesen, die schon viel erlebt, gesehen haben und sich nicht mehr viel von uns erwarten. Was angesichts der uralten Geschichte verständlich ist.

Ich brauchte einige Zeit, bis ich zu einem Stein kam, wo ich mich länger aufhalten und in Kontakt mit ihm treten wollte. Leider ohne direkte Berührung – der Drill Sergeant war sehr überzeugend ;) und seine Hüter-Kollegen achteten sehr genau, dass die Direktiven peinlichst eingehalten wurden.

Die Meditation mit diesem Stonehenge-Stein war intensiv, sehr tief gehend und sehr persönlich. Ich kann mir gut vorstellen, dass man hier rasch überladen ist, denn wenn das „Eis“ der Steine mal gebrochen ist, man mit in Kontakt kommt, dann steht man auf einer regelrechten Datenautobahn – uff.
Wenn schon einer dieser Steine sooo viel geben kann, wie intensiv muss es dann damals gewesen sein, als der Kreis noch intakt war und sie gemeinsam „gesungen“ haben?

Da wir früh am Morgen, als erste Besucher da waren, war der Platz „ausgeruht“ und vielleicht auch deshalb so intensiv.
Insofern war ich froh, dass unser Aufenthalt auf eine Stunde begrenzt war. Man kann sich hier verlieren, die Sinne überladen und ich denke, dass es eine gute, entsprechende Ausbildung braucht, um unter diesen Anforderungen nicht zu leiden. Eine Ausbildung, die man in unserer Zeit kaum noch finden wird – zuviel an Wissen, das hier notwendig wäre, ist verloren gegangen.

Ein paar aus unserer Gruppe versuchten abschließend noch ein paar Wyda-Übungen zu machen – unter der strengen Aufsicht der Platzhüter, die sichtlich überlegten, ob das nun ein Ritual sei.

Der Bus stand viel zu schnell wieder bereit, und die Securities motivierten uns höflich, aber sehr bestimmt, den Ort zu verlassen.

Ein letztes Dankeschön an den Platz, eine tiefe Freude über das Geschenk des Erlebten … eine kleine, sehr verstohlene Steinberührung ;) … und dann war Einsteigen angesagt.

Was ich tat, um kurz darauf wieder hinaus zu springen – ich wollte mich bewegen, musste echten Boden unter den Füßen spüren und beschloss spontan, zu Fuß zum Visitor Center zurück zu gehen, wie auch eine andere aus unserer Gruppe.
Der Weg ist nicht weit, gerade mal 20 Minuten, und führt über die Kuh- und Schafweiden, an ein paar alten Hügelgräbern vorbei. Es ist fast eben, kaum Bäume und nur ein paar kleine, meist eingezäunte Wäldchen.

Und es ist ideal, wenn man sich nach so einem Erlebnis wieder erden will. Die Bewegung tut gut. Mehr aber noch, dass man sich im eigenen Tempo von dem mächtigen Steinkreis wegbewegen kann. Die sanfte, weite Landschaft mit den Kühen, die Ruhe und Einsamkeit tun das ihre und langsam, Schritt für Schritt, kommt man wieder zu sich und die eben erfolgte Erfahrung sinkt langsam ins Bewusstsein:

Ich war in Stonehenge!
ICH WAR IM STEINKREIS VON STONEHENGE!!!

Die Schafe, die sich meinen Jubeljuchzer anhören mussten, wundern sich vermutlich noch immer, was in mich gefahren ist ;)
Es war Freude, reine Freude und unbändige Lebenslust – ich habs geschafft! Ich war da, habe die Steine von nahem gesehen (und keiner hat gesehen, dass ich sie berührt habe ;), ich war im Kreis, im Innersten, habe mit den Steinen meditiert – ich war da, wo ich mir noch vor gar nicht allzu langer Zeit nicht vorstellen hätte können, zu sein. Und wurde reich beschenkt.

Und mein Käsehobel war mit dabei.
Zwar ohne Cheddar zu hobeln („NO EATING, NO FOOD!“). Aber das haben wir dann beim Frühstück im Besucherzentrum stilvoll nachgeholt.

Stonehenge – Ich war da, der Käsehobel war da und gemeinsam sind wir dann hüpfend, jauchzend und sehr genüsslich glücklich durch die leuchtende Sommerlandschaft gewandert. Vorbei an den uralten Hügelgräbern und den bunten Kühen, unter einem strahlend blauen Himmel, mit dem berühmtesten Steinkreis im Hintergrund.

Danke liebes Universum.

Stonehenge: ein paar Hintergründe und Ideen

Stonehenge ist eines der beliebtesten touristischen Ziele Englands. Auf der nahe gelegenen Straße bildet sich fast täglich ein Stau, weil man von dort aus einen schnellen Blick auf die Steine erhaschen kann. Die Besuchermassen, die täglich an den Steinen vorbeigelotst werden, sind Legion.

Vor ein paar Jahren noch war es ohne weiters möglich, direkt zu den Steinen zu kommen, im Rahmen des normalen Besuchs. Nicht jeder hat das zu schätzen gewusst. Vandalismus, Grafitis, falsch verstandene Ehrbezeugungen und seltsame Ritualanwandlungen nahmen überhand – der Zugang wurde eingeschränkt, um den Platz und die Steine zu schützen. Man kann nur noch in deutlicher Entfernung und unter strenger Aufsicht an den Steinen vorbeidefilieren (siehe Bild oben, ca. zwei Stunden nach unserem Besuch aufgenommen).
Nur zu besonderen Anlässen wird ausgewählten Gruppen ein näherer Zugang, auch im spirituellen Sinne, gewährt. Moderne Druiden und Priesterinnen reinigen den Ort, spirituell und real.

Steinkreise gibt es unzählige in England und Irland – aber auch anderswo auf der Welt. Auf den Inseln findet man sie großteils alle auf Ebenen, selten bis nie auf Hügeln oder Bergkuppen. Sie stehen aber meist in einer energetischen Verbindung zu einer nahe gelegenen Erhebung. Größere Steinkreise, wie auch Stonehenge, haben zusätzlich noch Steinreihen – Alignements, die wie Straßen zum Kreis hin führen.

Über die Gründe für die Errichtung der Steinkreis-Anlagen, sei es Stonehenge oder Avebury oder einer der vielen, vielen anderen, gibt es unzählige Spekulationen. Die meisten vermuten eine kalendarische Funktion, die sich durch die heutigen Sonnenwenden zu bestätigen scheint. Aber auch rituelle und gesellschaftliche Hintergründe werden angenommen. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen.
Oder ganz woanders.

Gesichert ist, dass der Bau dieser Anlagen für die damaligen Menschen von unvorstellbarer Wichtigkeit gewesen sein muss, um nicht zu sagen: lebensnotwendig. Denn es brauchte die geballte Kraft der Gemeinschaft, viel geheimes Wissen, Reichtümer und viele, viele Arbeitsstunden, ehe so ein gewaltiges Werk fertig war.

Bevor man die Kreise in Steinform aufstellte, gab es Kreisanlagen aus Holz. Als hätte man zuerst mit einem weniger mühsamen Werkstoff die Wirkung probiert.

Nicht weit von Stonehenge entfernt kann man den Nachbau eines solchen Woodhenge sehen. Die Holzkonstruktion wurde hier aus Betonpfeilern nachgebaut. Möglicherweise waren die Pfosten auch geschmückt und bemalt. Wissen werden wir es nicht mehr, dann das Holz hat die Jahrtausende nicht überdauert.

Vielleicht waren auch die Steine in den Kreisen früher bemalt, geschmückt … mit Gaben versehen. Speziell in Avebury hat sich mir hier ein Bild aufgedrängt, wo die (dort unbehauenen) Steine von Menschen mit Tücher geschmückt und mit Nahrung versorgt wurden – wie wichtige Mitglieder einer Ratsgemeinschaft, die mit hoher Ehrerbietung behandelt und um Rat und Hilfe gebeten werden können.

Aber das ist nur meine sehr subjektive Idee (Vision?) und kann natürlich auch komplett falsch sein. Doch wenn ich mir ansehe, wie wir früher und auch noch heute mit den Heiligenstatuen in den Kirchen umgehen, die auch bekleidet werden (siehe z.B. das Prager Kindl), denen man früher mehr, heute weniger Gaben brachte, auch Nahrung, als Opfer und als Wertschätzung … dann erscheint mir mein Bild wie ein früher Vorläufer für dieses Brauchtums.

Die Steine von Stonehenge sind alle behauen, keiner ist naturbelassen. Das Gestein, Form und Farben waren sorgsam gewählt, nichts wurde dem Zufall überlassen. Die Lage in der Landschaft, die Gestaltung der Umgebung, die zahlreichen Hügelgräber rundherum … alles hat und hatte eine wichtige Bedeutung. Über die Jahrhunderte der Nutzung wurde die Anlage mehrfach aus- und umgebaut, ergänzt und intensiv genutzt.

Nicht weit von Stonehenge entfernt, noch in Sichtweite der Anlage, haben wir auch ein paar besonderen Hügelgräber näher in Augenschein genommen. Auch hier haben mich die mächtigen Bäume fast noch mehr als die uralten Grabanlagen fasziniert. Ein beeindruckendes, natürliches Denkmal.

Irgendwann hat sich das Interesse der damaligen Menschen gewandelt. Die Wissenden haben sich zurückgezogen oder wurden verdrängt. Andere Dinge gewannen an Bedeutung, der Glaubenshorizont hat sich verändert, die Gesellschaft gewandelt … und die Steine gerieten in Vergessenheit.
Ihre Wirkung aber ist ungebrochen. Auch wenn viele Steine gestürzt sind, einige in der Lage und Ausrichtung verändert wurden, die Steinreihen lückenhaft sind und die korrespondierenden Schaltstellen vielleicht verschwunden sind, ebenso wie die Alten, die wussten, wie man die Anlage “richtig” verwendet.

Das Geheimnis von Stonehenge wird für uns immer ungeklärt bleiben – etwas, das mich bei neo- und paläolithischer Geschichte besonders fasziniert: wir können nur vermuten und im Dunkel der Ideen herumstochern. Wie Kinder, die in einem unergründlichen Sumpf nach einem Schatz graben. Manchmal sieht man etwas Aufblitzen, erhascht eine Idee von etwas, glaubt etwas begreifen zu können. Aber das große Ganze ist versunken und wir viel zu weit weg von den Menschen damals, ihren Gefühlen, ihrer Glaubenswelt, ihrer gesellschaftlichen Struktur … ihrem Sein.

Die Überbleibsel dieser Zeit in Ehren zu halten, sie zu schützen und ihnen Respekt zu erweisen bedeutet auch, dass wir die Wurzeln unserer heutigen Gesellschaft wertschätzen und ehren. Wir wissen heute vielleicht nicht mehr wie und warum, aber wir haben auf diesen Steinen aufgebaut und sind von ihnen geprägt worden. Tief in unserem Inneren schlummert dieses Wissen und darum bin ich den HüterInnen dieser Orte sehr dankbar für ihre Sorge und den Schutz dieser Orte.

No digging.” – exakt.
Lassen wir die Toten ruhen und freuen wir uns über das, was wir ohne Graben wahrnehmen und sehen dürfen – was uns von unseren AhnInnen geschenkt wurde.

Alle Geschichten/Beiträge von meiner Käsehobel-Challenge findet ihr hier.

Die Reise durchs magische Südengland wurde von Veronika Lamprecht und Harald Koisser geleitet und organisisiert. Infos dazu gibt es auf ihrer Website. Die Reiseberichte sind meine persönliche Erfahrung und nicht gesponsert.

2 Kommentare zu „Stonehenge – mit dem Käsehobel in England“

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