MaltaGozo Donnerstag 116 - Die Geschichte unserer Zeit - Teil 3: Das Ende aller Zeiten und wann man die Feste feiern soll
Jahreskreis, Ritual & Brauchtum

Die Geschichte unserer Zeit – Teil 3: Das Ende aller Zeiten und wann man die Feste feiern soll

Nachdem alles, was einen Anfang hat, auf dieser Welt auch ein Ende hat, müsste man diese Frage im Titel mit einem „Ja“ beantworten. Aber gilt die Verallgemeinerung auch für etwas so Nicht-Greifbares wie die Zeit? Hat die wirklich einmal ein Ende und wenn ja, wann wird das sein?

In der dritten Folge unserer Zeit-Geschichte geht es um dieses oft sehr philosophisch behandelte Thema. Und es geht um den richtigen Zeitpunkt zum Feiern der Zeit: Wann ist es stimmig und zeitlich richtig, um die Jahreskreisfeste zu feiern?

Hat die Zeit ein Ende?

Unsere technisch-mathematische Zeit ist noch relativ jung. Aber ich vermute, dass sie als erstes enden wird. Sie ist ausschließlich mit unserer Gesellschaft, unserem heutigen Weltbild verbunden und wird so lange dauern, wie es uns bzw. diese Gesellschaft gibt. Wenn man keine Uhren mehr braucht, um den Lauf des Tages zu messen, weil niemand mehr da ist, der diese Uhren nutzt oder der Nutzen an diesem Wissen hätte, wird die mathematische, mensch-gemachte Zeit vorbei sein.

Gemessen an der bisherigen Erfahrung über die Existenzdauer einer Spezies, wird das vermutlich erst in 1-2 Millionen Jahren der Fall sein. Durchschnittlich existiert eine Säugetier-Spezies ca. 2 Millionen Jahre auf unserem Planeten. Danach wird sie von einer anderen Spezies abgelöst, evolutioniert signifikant oder stirbt ohne Nachfolge aus. Den heutigen Sapiens-Menschen gibt es seit ca. 200.000 Jahren. Damit haben wir quasi die Pubertät unserer Spezies erreicht und möglicherweise bleibt uns noch genug Zeit, um die Fehler, die wir in unserer bisherigen Zeit gemacht haben, auszubessern. Einen ernsthaften Versuch wäre es jedenfalls wert.

Die Naturzeit, also die phänologische Zeiteinteilung anhand der Vorkommnisse im Naturraum, wird solange existieren, wie es diesen Naturraum gibt. Sie ist vom Menschen unabhängig und besteht aus Ereignissen, die sich im Lauf des Naturjahres schlüssig, in einer bestimmten Reihenfolge ergeben. Jeweils abgestimmt auf die immer neue, individuelle Länge der vorherigen Phasen, der Wetterereignisse und anderer Faktoren. So lange irgendetwas auf dieser Erde lebt, blüht, wächst, reift, wurzelt … wird diese Zeit da sein.

Die Chance, dass das sehr, sehr lange der Fall sein wird, ist hoch. Deutlich höher jedenfalls als das Erreichen unseres statistischen, menschlichen Spezien-Daseins. Damit wirklich absolut nichts mehr lebt auf diesem Planeten, bräuchte es eine heftige Katastrophe, bei der absolut alles auf diesem Planeten stirbt. Und „alles“ bedeutet, dass auch keine Sporen, Bakterien, Viren, Samen … überleben. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn ein Mars-großer Meteor einschlägt.

Das ist schon einmal passiert, in der „Jugend“ unserer Erde. Damals wurde ein sehr großer Teil der Erde abgetrennt, aus dem sich dann in weiterer Folge unser heutiger Mond entwickelt hat. Das war für die weitere Entwicklung unseres Planeten aus unserer heutigen Sicht ein Vorteil, denn damit wurde die Erde zu einem für uns optimalen Entwicklungsboden. Erst diese Katastrophe hat die heutige Form, Größe, Zusammensetzung, Umlaufbahn, Gravitation etc. ermöglicht, bis hin zu den Jahreszeiten und zum Klima, das eine Entwicklung von Leben, wie wir es heute kennen, erst möglich gemacht hat. Damit ist der Mond quasi die „Hebamme“ des phänologischen Kalenders, der Naturzeit … und streng genommen unsere „Tante“, wenn wir die Erde als unsere Mutter bezeichnen.

Würde die gleiche Katastrophe heute nochmal passieren  – tja, das wäre dann das Ende von Leben in heutiger Form. Die Chancen dafür sind allerdings sehr gering. Unser Sonnensystem ist in den letzten hundert Milliarden Jahren deutlich zur Ruhe gekommen. Meteore, Meteoriten und planetengroße Trümmer, die spontan einschlagen und Radau machen, kommen nur noch sehr selten vor. Damit wird möglicherweise erst mit dem Ende unserer Sonne auch auf Erden das Licht, das Leben und die damit verbundene Zeit enden.

Wann wird die Sonne gute Nacht sagen?

Unsere schöne, gelbe Sonne ist ein sog. „gelber Zwerg“ und die haben eine Lebensdauer von ca. 10 Milliarden Jahren. Ihr aktuelles Alter liegt bei. ca. 4,6 Milliarden Jahren und damit hätten wir lt. astronomischer Schätzung noch ca. 5 Milliarden Jahre Licht im System. Mit anderen Worten: Das Verlöschen unsere Sonne wird die menschliche Spezies ziemlich sicher nicht mehr betreffen.

Doch der Jahreskreis wird sich so lange drehen, wie unsere Welt in ihrer heutigen Bahn um die Sonne kreist, unser Planet sich wie seit Millionen von Jahren um seine Achse dreht und der Mond um die Erde tanzt. Auch dann, wenn auf Mutter Erde eine gänzlich andere Flora und Fauna lebt, eine andere Spezies die Regentschaft über den Tag übernommen hat und unsere menschliche Existenz schon lange Geschichte ist. Der Jahreskreis, in seiner ursprünglichen Form, wird uns und alles, was heute mit uns lebt, überdauern.

Wann feiert man die Jahreskreisfeste zeitgemäß richtig?

Die Frage klingt simple. Aber anhand des vorigen Kapitels rund um die Zeit und ihre Komplexität wird klar, dass man nicht so einfach sagen kann, wann welches Jahreskreisfest seinen korrekten Termin hat.

Will man beispielsweise den Beginn des Frühlings feiern, hat man mehrere Möglichkeiten:

  • Den meteorologischen Beginn am 1. März.
  • Die Tag und Nachtgleiche rund um den 20. März.
  • Den phänologischen Beginn dieser Zeit und da musst du vorab entscheiden, ob du dich für den Vorfrühling, den Erstfrühling oder den Vollfrühling entscheidest und welche phänologischen Zeiger du als Fixum annimmst.
  • Und dann gibt es noch die christlichen bzw. religiösen Feiertage, die sich an den alten, „heidnischen“ Festen orientieren und für den Frühling zum Beispiel das Osterfest als Frühlingsfest in peto haben.

Der Volksmund sagt, man soll die Feste feiern, wie sie fallen – aber gemessen an den obigen Möglichkeiten, würde fast jeder Frühlingstag zum Feiern einladen und vielleicht ist das ja auch eine Option. Willst du dich aber auf einen Termin für eine besondere Zeremonie entscheiden, dann kannst jeden der obigen Zeitpunkte nehmen, um deinen Frühlingsbeginn zu feiern.

Abseits der kirchlichen Feiertage, an die man sich halten kann, aber nicht muss, gibt es kein Reglement, kein „richtig“ oder „falsch“.

Seit einigen Jahren werden in den sozialen Medien zunehmend auch die Jahreskreisfeste modern. Einige Zeit waren es nur die Sonnenwenden im Sommer und Winter. Mittlerweile boomen auch die anderen Feste, mehr oder weniger. Und speziell bei den Sonnenfesten werden dann die astronomischen Zeiten als ultima Ratio genannt: Man feiert global vernetzt auf die Minute genau, wenn die Sonne sich astronomisch wendet oder die Tag-Nachtgrenze überschreitet. Wenn das dein Ding ist, dann mach es so und alles ist gut.

Sollte es nicht in deinen Tagesablauf passen oder du hast zum astronomischen Sommerbeginn rundum noch Frühling, oder du willst dich lieber anhand der Mondphasen abstimmen, dann kannst du dich genauso gut an den phänologischen Zeigern deiner Naturumgebung, den Sternen und unserer lieben Tante Mondin orientieren.

Es ist nicht weniger korrekt, als wenn du dich an die genaue Uhrzeit einer astronomischen Sensation hältst. Denn du selbst bestimmst immer den richtigen Zeitpunkt. Es geht nur darum, dass du das auch bewusst tust.

Das gilt übrigens auch für die Mondfeste, bei denen es von der exakten Zeitangaben her noch etwas komplizierter ist, als bei den Sonnenfesten. Da der Mond seine eigene Zeit- und Umlaufbahn hat, klappt es nicht immer, dass man beispielsweise zu Beltane-Walpurgis den Vollmond genau in der Nacht von 30. April auf 1. Mai hat.

Wenn das mal so ist, dann ist das nett. Aber wenn es nicht mit dem Kalender zusammenfällt, dann ist das auch kein Malheur. Dein Fest an diesem Tag wird um nichts weniger intensiv, gut und stimmig sein. Du bestimmst auch hier den für dein Fest passenden Zeitpunkt und damit ist das geregelt.

Im Endeffekt sind all diese Vorgaben menschlich-subjektive Regeln, die sich vielleicht für einige stimmig und für andere oder für spezielle Themen als nicht schlüssig anfühlen. Man kann seine Wintersonnenwende durchaus gut und richtig zu Vollmond, statt zu Neumond feiern. Oder zu jeder anderen Mondphase dazwischen.

Um es abschließend mit den Worten einer meiner Lehrerinnen zusagen:

„Wenn ich mein Fest feiern will, dann mach ich das und die Mondin lacht dazu, egal wie und wo sie steht.“


Die Geschichte unserer Zeit

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