Februar – Lichtmess und das erste, leise Licht

Der Februar fühlt sich oft widersprüchlich an. Der Winter ist noch da, manchmal hartnäckig und fordernd – und doch liegt etwas Neues in der Luft. Das Licht verändert sich. Es ist noch nicht hell, noch nicht kräftig, aber intensiv spürbar. Genau darin liegt die Qualität dieser Zeit.

Anfang Februar ist das Jahreskreisfest Lichtmess, auch Imbolc genannt. Es markiert im Jahreskreis keine laute Schwelle, sondern einen feinen Übergang. Es geht nicht um Neubeginn im Sinne von Aufbruch und Aktivität, sondern eher um Wahrnehmung. Um das Erkennen dessen, was langsam wieder in Bewegung kommt (oder kommen will) – im Außen wie im Inneren.

Der Februar – ein Monat zwischen Mangel, Umkehr und Erwartung

Schon die alten Namen des Monats erzählen von dieser Zwischenzeit. Der Februar wurde unter anderem Hornung, Hungermond oder auch Monat der Narren und Weiber genannt. Sie verweisen auf eine Phase, in der die Vorräte knapp wurden, der Winter sich zog – und zugleich eine gewisse Verkehrung der Ordnung erlaubt war.

Der Februar war nie ein bequemer Monat. Er stand für Mangel und Durchhalten, aber auch für das Aufweichen fester Strukturen. Für Humor, Umkehr und das Infragestellen des Gewohnten. Nicht zufällig fallen in diese Zeit sowohl ausgelassene als auch strenge Momente des Kirchenjahres.

Mit dem Valentinstag zeigt sich eine leise Erinnerung an Verbindung, Zuneigung und Herzenswärme – fern von späteren kommerziellen Überhöhungen. Kurz darauf folgt der Aschermittwoch, der den Übergang in die Fastenzeit markiert: eine Phase des Reduzierens, des bewussten Verzichts und der inneren Klärung.

Der Februar steht damit zwischen zwei Polen:

  • zwischen Zuwendung und Rückzug,
  • zwischen Fülle und Mangel,
  • zwischen dem Wunsch nach Nähe und der Notwendigkeit des Loslassens.

Lichtmess als innere Schwelle

In diesem Spannungsfeld liegt die eigentliche Kraft von Lichtmess. Das Licht ist zurück – nicht als Versprechen auf Frühling, sondern als leise Gewissheit. Etwas ist in Bewegung gekommen. Mehr nicht. Und genau das genügt.

Diese Zeit lädt dazu ein, innezuhalten und hinzuspüren:

  • Was möchte genährt werden?
  • Was darf noch ruhen?
  • Was zeigt sich jetzt als Ahnung, nicht als Plan?

Traditionell ist Lichtmess auch eng mit Haus, Herd und Alltag verbunden. Mit dem Ordnen, Reinigen und Vorbereiten – nicht, um etwas Neues zu erzwingen, sondern um Raum zu schaffen. Für Klarheit. Für Wärme. Für das, was wachsen darf, wenn die Zeit reif ist.

Gerade in heutiger Zeit ist diese Qualität wertvoll. Viele Menschen empfinden im Februar noch Müdigkeit, haben Sehnsucht nach Rückzug oder verspüren Unsicherheit. Das ist kein Zeichen von Rückstand, sondern schlicht ein Ausdruck dieser besonderen Schwellenzeit. Lichtmess erinnert uns daran, dass Entwicklung leise beginnt und auch Kraft braucht. Denn aus der tiefen Winterruhe in die Bewegung des Wachsens zu kommen, diesen ersten Impuls des Werdens zu kreieren, ist eine unglaublich intensive Arbeit, die schwer unterschätzt wird.

Rituale für diese Zeit – Haltung statt Handlung

Rituale rund um Lichtmess müssen nicht groß oder aufwendig sein. Auch wenn Rituale oft als “Gruppensache” definiert werden: Du kannst und darfst ruhig auch alleine Rituale zelebrieren, wenn das gerade dein Wunsch oder deinen Möglichkeiten entspricht. Entscheidend ist immer die innere Haltung.

Ob alleine oder gemeinsam: Ein Ritual ist vor allem eine bewusste Ausrichtung. Ein Moment des Innehaltens, des Widmens, des Wahrnehmens. Für manche entsteht das in Gemeinschaft, für andere ganz still im eigenen Rhythmus. Beides ist gleichwertig. Lichtmess ist eine Einladung zur stillen Verbindung – die immer auch zuerst in dir beginnt und dich mit dir selbst verbindet, ehe andere Anbindungen entstehen können. Darum “denke” Rituale als bewussten Umgang mit dem eigenen Raum, dem eigenen Licht, dem eigenen Tempo.

Konkrete Ritualevorschläge, Symbole und Hintergründe rund um Lichtmess findest du ausführlich in den bestehenden Beiträgen. Dort gehe ich tiefer auf Ursprung, Jahreskreisenergie, Brauchtum und rituelle Praxis ein. Dieser Text hier möchte vor allem eines: erinnern.

An den Februar als Schwellenmonat.
An das erste Licht, das nicht drängt.
Und an eine Zeit, die nicht fordert, sondern begleitet.

Vielleicht ist das gerade genug.


Inspirationen und Infos

… rund um den Monate Februar und das Jahreskreisfest Imbolc-Lichtmess:

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