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Kult & Brauchtum

Wallfahrten

Eine Wallfahrt (lat. „Peregrinatio Religiosa„, kommt von „wallen“ –  in eine bestimmte Richtung ziehen, fahren unterwegs sein) ist eine traditionelle, spirituelle Reise zum Zweck des Besuches einer bestimmten Pilgerstätte mit religiöser Bedeutung. Sie wird auch als Pilgerreise, Pilgerfahrt, Betfahrt und im Islam als Hadsch oder Ziaret bezeichnet.

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

Im symbolischen Sinn ist die Pilgerfahrt sowohl eine Initiation als auch ein Akt der Ergebenheit. Sie geht zurück auf den alten Glauben, dass die übernatürlichen Mächte ihre Kraft an bestimmten Orten besonders stark entfalten. Im Islam ist dies der Ort Mekka, die Geburtsstadt des Propheten. Im Hinduismus ist es Benares am Ganges. Für Buddhisten und Christen sind es die Schlüsselstationen im Leben des Gautama Buddha bzw. Jesu Christi oder Orte, wo es zur Erscheinungen und Wundern gekommen ist.

Die Ursprünge der Wallfahrten reichen von den Griechen und Römern teilweise noch länger bis in graue Vorzeit zurück. Auch die Germanen veranstalteten Wallfahrten zu heiligen Hainen.

Eine Wallfahrt war und ist immer auch ein soziales Ereignis, sie führt zu Begegnungen und zum Austausch zwischen Gläubigen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten.

Alles erhält Symbolcharakter, wird aufs eigene Leben übersetzt. Das gute Wetter zu Beginn, der Nebel am Weg über den Pass und die Blasen an den Füßen.

Eine Wallfahrt ist nicht einfach, kein Spaziergang und schon gar kein Sonntagsausflug. Nicht nur die eigene Kondition steht am Prüfstand, auch der Glaube wird geprüft – in erster Linie der Glaube an sich selbst.

In füheren Zeiten war eine Wallfahrt ein lebensgefährliches Ereignis. Die, die überlebten, waren gezeichnet und gewandelt – ein klassisches Initiationsritual.

Heute, zumindest in Europa, ist das Wallfahren zum großen Teil mehr eine touristische Sensation. Nach wie vor zieht es die Menschen zu den Orten. Doch die Gefahren sind geringer geworden – in Europa, wie gesagt.

In anderen Teilen der Welt sterben jedes Jahr viele Menschen auf dem Weg zu ihrem bevorzugten Heiligtum. Ein Grund sind körperliche Strapazen, wie zum Beispiel der Weg um den  Kailash, den heiligsten tibetischen Berg. Ein anderer Grund liegt manchmal in der Menge der Gläubigen: immer wieder sterben Menschen bei der Hadsch, der islamischen Pilgerfahrt, die jeder Moslem zumindest einmal im Leben absolvieren muß. Viele werden im Gedränge und bei Massenpaniken zu Boden gestoßen und niedergetrampelt.

Aber nicht immer muss es so dramatisch zugehen: auch ein bewusster Spaziergang, eine Wanderung kann das Potential zu einer Wallfahrt haben – denn Wallfahren ist (auch) Meditation im Gehen.

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