Lughnasad Rituale - Lughnasad, das Schnitterfest: Rituale allein oder in der Gruppe
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Lughnasad, das Schnitterfest: Rituale allein oder in der Gruppe

Im abschließenden Teil der vierteiligen Serie zum Jahreskreisfest Lughnasad gibt es Empfehlungen für Rituale rund um dieses Fest – alleine und in der Gruppe.
Alle Teile der Serie sind hier zu finden: Lughnasad-Schnitterfest

Warum feiern wir Rituale?

Die meisten heutigen Menschen denken bei Ritualen entweder spontan an die Messe in einer Kirche oder an ein esoterisch-verschwurbeltes, abstrahiert-verzerrtes Realcomic, bei dem sich Menschen in seltsamer Kleidung, mit seltsamen Gegenständen und seltsamen Wortlauten ekstatisch im Kreis bewegen.

Allenfalls werden noch Alltagsrituale genannt, wie das tägliche Zähneputzen, Yoga und Meditation oder bestimmte Gepflogenheiten im persönlichen Umfeld, sowohl physischer als auch psychischer Natur.
That´s it.

Dabei sind Rituale älter als die heutigen Menschen und begleiten uns quasi seit unserer Entstehung. In Bilzingsleben, Deutschland, ist man vor ein paar Jahren über eine Sensation gestolpert, die das Verständnis von Ritual und Gemeinschaft neu definiert hat:

„Vor etwa 370.000 Jahren hatte er [der homo erectus bilzingslebenensi] seinen Lagerplatz am Nordrand des Thüringer Beckens, in der heutigen Gemeinde Bilzingsleben, im Landkreis Sömmerda.“

Man fand hier aber nicht nur einen simplen Lagerplatz des Homo erectus bilzingslebenensi, sondern auch einen Ort, an dem Gemeinschaft gepflegt und vermutlich Rituale gefeiert wurden – der Homo erectus setzte sich wie wir mit dem Tod, geistigen Belangen und komplexer Planung, wie zum Beispiel der gemeinschaftlichen Jagd, auseinander.
Das würde bedeuteten, dass bereits vor knapp 400.000 Jahre, das ist vor der Entstehung des Homo Sapiens, Rituale gefeiert wurden – als wichtiges, stabilisierendes Element in einer humanoiden Gemeinschaft.

Siehe dazu auch:

Das ist geschichtlich sehr interessant und bedeutend – aber WARUM feiern wir Rituale?

Der Mensch ist ein Herdentier, wir brauchen die Gemeinschaft zum Überleben, alleine schafft man es nicht. Gejagt wurde in Rudeln, sprich in einer Gemeinschaft, da man so größere Chancen auf Erfolg und Überleben hatte. Die frühen Menschen waren zwar mehr SammlerInnen, als Jäger, denn das Gros der Nahrung wurde auf diese Weise erworben. Aber auch das geschieht besser in einer Gemeinschaft, da man sich so absprechen kann, wer welche Bereiche abgrast, wer den Schutz übernimmt. Kinder, Alte und Schwache, können damit gemeinsam gehütet und beschützt werden. Auch schafft man so größerer Mengen an Nahrung zu sammeln und das sichert wiederum die Lebensgrundlage. Natürlich ist auch das Thema Sicherheit gegen Feinde von Außen in Gemeinschaft leichter zu handhaben, als wenn man allein auf weiter Flur sein Auslangen finden muss.

Doch das Leben in einer Gemeinschaft braucht Regeln, damit es funktioniert. Es braucht AnführerInnen, die die Richtung vorgeben und auch wenn die Belange der Gruppe im Verband geregelt werden können, muss es eine oder einen geben, der dann den Schlussstrich zieht und den Beschluss als gültig deklariert und gegebenenfalls den nächsten Schritt vorgibt.

Damit es aber überhaupt soweit kommt, muss sich erstmal eine Gemeinschaft bilden und das passiert eher, wenn sich Menschen treffen, die ein gemeinsames Welt- und Glaubensbild haben. Genauso, wie es demographische Strukturen für den Alltag und das Auskommen der Gruppe braucht, muss es damit auch gemeinsame, rituelle Verbindungszeremonien geben, wo die Gemeinschaft im Innersten „verbunden“ wird, sich als Gemeinschaft erkennt. Und das sind Rituale.

Wikipedia deklariert das Wort Ritual folgendermaßen:

Ein Ritual (von lateinisch ritualis‚ den Ritus betreffend‘, rituell) ist eine nach vorgegebenen Regeln ablaufende, meist formelle und oft feierlich-festliche Handlung mit hohem Symbolgehalt. Sie wird häufig von bestimmten Wortformeln und festgelegten Gesten begleitet und kann religiöser oder weltlicher Art sein (z. B. Gottesdienst, Begrüßung, Hochzeit, Begräbnis, Aufnahmefeier usw.). Ein festgelegtes Zeremoniell (Ordnung) von Ritualen oder rituellen Handlungen bezeichnet man als Ritus. Manche Rituale gelten als Kulturgut.
Siehe Wikipedia-Ritual

Das erfordert klare Regeln, einen für alle verbindlichen inneren Sinn und Zweck, der mit dieser Handlung gestärkt oder bewirkt werden soll, und ein gemeinsames Glaubensbild, in dem das Ritual einen essentiellen, wirksamen Platz einnimmt.

Was wir uns in der heutigen, modernen Welt kaum noch vorstellen können: Die Menschen damals hatten viel Zeit, sich mit diesem inneren, geistigen Weltbild auseinanderzusetzen und ihren Glauben zu formen. Denn der Arbeitstag war durch den Sonnenlauf bestimmt. In der Nacht war es finster und das blieb es auch lange, selbst nach der Entdeckung zur Handhabung des Feuers. Bis zur Erfindung der Elektrizität bzw. der Glühbirne, musste das Tagwerk in der Nacht ruhen und da auch der Fernseher damals keine Gedankenzeit beanspruchte, hatte der Geist Zeit um den Himmel und die Nacht zu beobachten – die Sternbilder wahrnehmen, sie zu benennen, der Nacht zu lauschen, wachsam nach Gefahren zu horchen, die inneren Dämonen wahrzunehmen und sich auf geistiger Ebene Kraft und Unterstützung zu suchen, als Schutz und Stütze, als Hilfe und um die Dankbarkeit für das, was gut war, weiterzugeben.

Denn Rituale sind nicht nur Not-Handlungen, sondern auch ein Zeichen der Dankbarkeit gegenüber dem, was man zusammenfassend als „höhere Macht“ bezeichnen kann. Ob das nun der christlich-jüdische Gott, Buddha, Allah, der Pantheon der Griechen, Römer, Kelten, Hindus oder Germanen ist, die Erdmutter oder Magna Mater der Urmenschen, die Allwissenheit der modernen Wissenschaft oder ein philosophisches Konstrukt ohne Namen.

Viele heutige Menschen bezeichnen sich als Atheisten, weil sie weder einer der klassischen Religionen angehören möchten, noch sich mit älteren oder modernen Glaubensrichtungen identifizieren wollen. Aber Atheismus bedeutet, an nichts zu glauben, was man gemeinhin mit einer höheren Macht in Verbindung setzt. Und das ist sehr, sehr schwer. Ich wage zu behaupten, dass es auch kaum möglich ist, weil es nicht in unserer Natur liegt.
In Zeiten der Not zeigt sich dann meist, dass es sehr wohl ein nicht genau definiertes „Etwas“ gibt, an das sich vormals überzeugte Atheisten wenden, um Trost, eine Erklärung für Unfassbares oder Antworten auf Fragen zu finden, für die es in Wikipedia oder bei WissenschaftlerInnen keine Erklärung gibt. Klassisch ist dann auch der Satz „das war so geschrieben und vorweg bestimmt„. Was bedeutet, dass es ja irgendwer geschrieben und bestimmt haben muss. Fragt man nach, wird das Schicksal, das Leben oder Karma genannt – und damit hat man auch schon einen Namen, mit dem man das benennt, woran man behauptet nicht geglaubt zu haben.

Was Rituale betrifft, so muss man nicht mal an etwas glauben, damit sie eine Wirkung haben. Es hilft, vor allem wenn man mit den anderen, mit denen man das Ritual macht – sofern es ein Gruppenritual ist – auf einer Wellenlänge schwimmt. Aber man kann auch als vollkommen unbedarfter Mensch von einem Ritual profitieren. Weil es in erster Linie dazu dient, die Gemeinschaft zu stärken, sie zu verbinden, und ein gemeinsames, schützendes, tröstendes Umfeld zu erwirken, in dem sich der suchende, ängstliche oder unruhige Geist entspannen kann. Wir sind so konditioniert und daran ändert auch die moderne, für permanente Ablenkung sorgende, die Nacht zum Tag machende Welt nichts.

Ein wichtiger Ritualschwerpunkt lag seit Anbeginn auf den Jahreskreisfesten. Sie sind der älteste Kalender, der lange vor und noch lange nach der Menschenzeit auf dieser Erde wirkt. Diese acht Speichen im Jahreskreis sind die Daten, an denen man die Belange der Menschengruppen festmachte. In der Zeit vor der Sesshaftwerdung, in der Altsteinzeit, waren es die Wege der Tiere, die den Weg der Menschen bestimmten, und diese richten sich nach dem Lauf der Jahreszeiten. Was widerum den Rhythmus der Menschen bestimmte, die sich entsprechend der Jahreszeit in die sommerlichen Sammel- und Jagdgründe oder die winterlichen Rückzugsgebiete begab.

Als die ersten Bauerngemeinschaften im Neolithikum sesshaft wurden, bestimmten der Lauf von Sonne und Mond die Aussaat- und Erntezeiten und es wurde überlebenswichtig, sich mit diesen Daten genauestens auseinanderzusetzen. Die Gemeinschaft versammelte sich zu diesen heiligen Zeiten, regelte die Belange der Gruppe: Gesetze wurden beschlossen, Streitigkeiten geregelt, Strafen verteilt, Hochzeiten und Bündnisse geschlossen. Man begrüßte neue Mitglieder in der Gemeinschaft und führte sie in die Belange der Gruppe ein – mit einem Ritual. Und man stärkte gemeinsam den inneren Wesenkern, den man auch als gemeinsamen Glauben bezeichnen kann.

Dieses Reglement hat bis in heutige Zeit Gültigkeit, nur die Abläufe und manche Themen der Rituale haben sich verändert. Sie wurden an die Glaubensgemeinschaften und Regionen angepasst, im Lauf der Jahrhunderte immer wieder adaptiert. Man hat sie von vorherigen Kulturen übernommen und bei einigen ist auch der ursprüngliche Sinn nicht mehr ganz klar. Womit sie seltsamerweise wenig an ihrer Wirkung einbüßen, solange man daran glaubt, dass es eine solche Wirkung gibt. Denn eines ist bei Ritualen immens wichtig: Der Wille, sich dem Ritual zu stellen, es aktiv mitzufeiern und geistig voll anwesend zu sein. Wer es gelangweilt am Rande absitzt, in Gedanken die Minute zählt, der verliert nur Zeit und belastet den Ritualkreis der anderen.

Da Rituale quasi in unserer DNA festgeschrieben sind, gibt es auch die Sehnsucht danach in uns. Ob das nun die großen Jahreskreisfeste sind oder Rituale in der Familie, mit Freunden, Gleichgesinnten. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Denn auch wenn die Sehnsucht nach Ritualen in uns tief verankert ist, so ist der Ablauf immer wieder ein anderer, ebenso wie die Themen die im Ritual behandelt werden. Auch braucht es nicht immer den Kreis mit anderen, um ein Ritual zu feiern. Man kann es auch mit sich selbst und seiner Umgebung zelebrieren – die im Ritual zu einem Verbündeten wird und der Feier den Raum gibt. Man kann sich seine Spirits, die geistigen Helferwesen, als RitualbegleiterInnen in den Ritualkreis holen, oder liebe Ahnen als Begleiter hinzu bitten, sich geistig mit anderen Gleichgesinnten verbinden (die vielleicht zeitgleich ein Ritual an einem anderen Ort abhalten) oder schlicht und basic den Geist des Ortes (Genius Loci) als Kompagnon in den Ritus miteinbeziehen.

Ab wann etwas ein Ritual ist, bestimmt man selbst. Und auch, wann es wieder endet. Wichtig ist, dass es sowohl einen fixen Anfang als auch eben ein klares Ende gibt. Damit kann aus einer einfachen Mahlzeit entweder ein Essen oder ein ritueller Festschmaus werden, egal wie üppig der Tisch gedeckt ist. Man kann schlicht atmen, um Luft zu bekommen, oder einen bewussten Atemzug rituell zelebrieren und damit das kürzeste Ritual der Welt vollziehen. Man kann ein ganzes Jahr als Ritual begehen und jeden Tag als Teil dieser Zeremonie feiern. Oder sich zu bestimmten Zeiten mit Gleichgesinnten treffen und in Gemeinschaft, verbunden durch das, was man mit anderen teilt, ein rituelles Fest feiern.

All das und noch viel mehr sind Rituale und jedes einzelne verbindet uns mit den Wurzeln der Menschheit, die seit Anbeginn aus ihrer Sehnsucht nach rituellen, gemeinschaftlichen Handlungen Kraft, Weisheit, Liebe und Trost bezogen hat.

Darum feiern wir Rituale – weil es zu unserer Natur gehört.

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Ritualvorschläge für das Schnitterfest

Naturgang – Ritualwanderung

Wie immer ist es schön, wenn man sein Ritual mit einem Naturgang oder einer Wanderung verbinden kann. Zwar ist die Gluthitze im August meist kein ideales Wanderwetter, aber es muss ja kein Gewaltmarsch sein. Wenn man die Möglichkeit hat, ist es schön den Naturgang in die Abendstunden zu legen oder gar in die Nacht.

Vorweg solltest du dir ein grundlegendes Thema für deine Ritualwanderung überlegen. Mögliche Themen können sein:

  • Dankbarkeit für die Fülle, die nun herrscht
  • Die Stärkung deiner Grenzen und was dich daran hindert, sie anderen gegenüber zu wahren/verteidigen
  • Klarheit beim Treffen einer wichtigen, anstehenden Entscheidung
  • Unterstützung und Hilfe beim „Ernten“ herbeirufen, wie zum Beispiel für den Abschluss eines Projektes oder die Planung einer Unternehmung oder reale Hilfe für etwas, was nun getan werden muss
  • Kraft für die kommende Zeit

Hilfreich ist es auch, wenn du dir eine bestimmte Zeit für deinen Ritualgang vornimmst und dir vielleicht einen Wecker stellst, damit du weißt, wann es Zeit für die Rückkehr ist.

Markier dir eine Schwelle, die für dich der Beginn des Naturganges ist und die du bewusst überschreitest.
Die einfachste Version dieser Ritualwanderung ist die, wo du alles, was dir nach dem Überschreiten der Schwelle begegnet, als Teil der Antwort bzw. Reaktion auf dein Thema wahrnimmst. Sieh es aber als eine Art Buffet, wo du bewusst entscheidest und auswählen kannst, was du, als für dich umsetzbar und hilfreich, mit zurück nimmst.

Du kannst den Naturgang auch verlängern, ausschmücken, mitten drin oder im Anschluss ein Picknick machen – und natürlich ist das auch ein schönes Ritual mit einer Gruppe. Dabei wird vorweg vereinbart, in welchem Umfeld man sich bewegt und die Möglichkeit geschaffen, dass jeder, jede für sich Zeit allein mit sich verbringt. Im Anschluss kann man sich dann austauschen, das Erlebte schildern, wertfrei vorstellen und gemeinsam bestärken.

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Sommernacht im Freien

Meist sind die Nächte im Hochsommer so heiß, dass der Schlaf leidet. Da bietet es sich an, die Nacht mal im Freien zu verbringen. Ob das auf dem Balkon ist, im Garten oder in der Natur – du entscheidest. Das bewusste Durchleben der Nacht in der Natur ist ein sehr tiefgehendes Erlebnis.

Vor Jahren habe ich mit einer Freundin eine Nacht in einer Höhle verbracht. Wir haben nicht viel geschlafen, aber die Gespräche erhielten in der Dunkelheit eine Tiefe und als wir dann zusammen geschwiegen haben, hat die Nacht begonnen sich in ihrer gesamten Schönheit zu entfalten.

Ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe, dass das eine meiner spirituellesten Erfahrungen war. Die Höhle war nicht tief und man konnte den Nachthimmel und den Vorplatz von unserem Lagerplatz gut sehen. Sie lag weit genug weg, damit die Lichtverschmutzung sehr gering war. In der Nacht habe ich die Geräusche des Waldes in einer noch nie erlebten Intensität wahrgenommen, was spannend war, aber nicht beängstigend. Wir waren zu zweit und haben uns in der Höhle gut beschützt gefühlt.

Irgendwann bin ich doch leicht eingeschlafen und als ich in den Morgenstunden kurz wach war, bevor die Sonne aufging, stand ein Reh mit seinem schon etwas älterem Kitz am Vorplatz der Höhle, im Mondschein. Als die Sonne aufging, erlebten wir ein unvergleichliches Lichtspiel, da die ersten Sonnenstrahlen genau schräg in die Höhle fielen und eine spannende Szene schuffen. 

Wir waren total übernächtigt, dreckig von oben bis unten, aber zugleich ungemein klar im Kopf und sehr bestärkt – und so fröhlich, wie schon lange nicht mehr.

Wenn du so etwas wagen willst, dann such dir einen Platz, an dem du dich sicher fühlst und wo du, im Fall des Falles, auch nächtens gut wegkommst. Ich war froh, dass wir zu zweit waren und würde das auch für das erste Mal empfehlen. Wenn du diese Nacht alleine in deinem Garten verbringst, dann ist das ein guter Einstieg in diese Ritualart.

Auch hier kannst du dir ein entsprechendes Thema vornehmen oder einfach schauen, was sich im Lauf der Nacht zeigt. Räuchern (in der Natur nur mit äußerster Vorsicht!!!), singen, trommeln, meditieren … all das sind Hilfsmittel zum Einstieg in die Nachttrance. Auf der praktischen Seite ist ein warmer Schlafsack (Sommernächte im Freien sind kühler, als man meint), eine gute Unterlage und ein Insektenschutz, sowie etwas zum Trinken sehr zu empfehlen.

Idealerweise planst du für die beiden darauffolgenden Tage eine gute Erholzeit ein, damit du den Schlafmangel wieder ausgleichen kannst und das Erlebte verarbeiten.

Hoffmannshoehle Sonnenaufgang sm - Lughnasad, das Schnitterfest: Rituale allein oder in der Gruppe

Brot backen

Nachdem ich in den vorigen Folgen schon ausgiebig davon geschrieben habe, dass ein Name für Lughnasad sich auf das erste Brot aus der neuen Ernte bezieht, ist es nur natürlich, dass ich dir hier auch ein entsprechendes Brot-Ritual vorschlage.
Schön ist es, wenn man das Getreide für das Brot auch selbst frisch mahlen kann. Ob es dir allerdings gelingt, frisches, heuriges Getreide zu bekommen – keine Ahnung.

Dein Ritualbrot solltest du gänzlich mit deinen Händen machen – nicht im Brotbackautomat oder der Küchenmaschine. Bis auf das Mahlen des Getreides, das ich maschinell machen würde, da dir hier vermutlich das entsprechende Werkzeug fehlt ;-)

Abwiegen, mischen, kneten, rasten lassen, wieder kneten … und dich dabei voll und ganz NUR mit diesem Brot beschäftigen. Stell dir vor, wie das Getreidekorn in die Erde gesunken ist, vielleicht schon im Herbst des Vorjahres. Über den Winter hat es im Schoß der Erde geschlafen. Zu Lichtmess kam der Impuls, zur Tag und Nachtgleiche im Frühling wurde daraus der Wachstumsbeginn. Irgendwann danach hat es die Erdoberfläche durchbrochen, sich den Elementen im Außen ausgesetzt, in Gemeinschaft anderer Getreidepflanzen. Zum Wachstumshöhepunkt ist es grün und kräftig auf dem Feld gestanden und hat sich danach in den Reifeprozess begeben.
Nun ist es geerntet worden, von fleißigen Händen (und Maschinen, die von diesen Händen bedient wurden). Es wurde gedroschen, die Körner eingesammelt, gelagert, verpackt, zur Mühle gebracht, gemahlen, wieder verpackt, in den Verkauf gebracht … und nun ist es hier, in deinen Händen, damit du Nahrung hast – was für ein Wunder!

Die Wartezeit beim Brotbacken, die sehr unterschiedlich sein kann, je nach Rezept, kannst du mit Meditation verbringen oder dir frische Kräuter sammeln, die du zu einer Kräuterbutter verarbeitest, die dann auf dein frisches Brot kommt.

Leg beim Kneten und Bearbeiten des Brotes bzw. der Kräuterbutter, deine ganze Liebe, gute Gedanken und Segen in dein Tun hinein. Dieses Brot kannst du dann in Gemeinschaft oder allein, zu Hause oder bei einem Picknick in der Natur, genießen.

Und natürlich kannst du all diese Ritualvorschläge auch miteinander verbinden und dein Brot als Abschluss deiner Ritualnacht genießen und dieses Ritual mit dem oben vorgestellten Naturgang beginnen – alleine, zu zweit oder in einer Gruppe Gleichgesinnter.

feld abgeerntet - Lughnasad, das Schnitterfest: Rituale allein oder in der Gruppe

Kräuterverbündete

Den Kräuterbuschen habe ich dir schon im Teil über Brauchtum und Symbole vorgestellt und natürlich ist das Sammeln dieses Buschens auch ein schönes Lughnasad-Ritual. Eine etwas andere Version ist die, wo du dir bei einem Naturgang ein oder mehrere Kräuter als Verbündete und Unterstützerinnen für die kommende Zeit suchst.

Frag dich zuerst, wofür und welche Unterstützung du dir wünscht. Je genauer du da bist, desto leichter ist das Finden deiner Kräuterverbündeten. Welche Kräuter das sind, wird sich dir dann beim Suchen erschließen. Es müssen auch keine klassischen Heilkräuter sein und du musst kein umfassendes Kräuterwissen haben – es sollten allerdings auch keinen giftigen Pflanzen sein. Wenn du dir unsicher bist, dann lass die Pflanze lieber stehen.

Diese Kräuterverbündete(n) werden im Anschluss getrocknet. Du kannst sie, wenn du einen Meditationsplatz oder eine Art Altar hast, dort aufstellen oder -hängen. In früheren Zeiten war es der Herrgottswinkel, wo man so ein Kräuterbündel platziert hat. Noch früher hing es über dem Eingang oder dem Herd, als Schutz und Symbol. Auch ein Kräuterkissen oder eine Art „Medizinbeutel“, wo du deine getrockneten Kräuter hineingibst und vielleicht noch andere „Helferchen“, ist eine gute Idee.

Räuchermischung für Lughnasad

Die Kräuterzeit im Sommer ist die Quelle der Räuchermittel, die man für den Rest des Jahres nutzen kann. Damit stünde an sich eine große Fülle an Räuchermitteln rund um Lughnasad zur Verfügung. Allerdings braucht es trockenes Räuchergut – die frisch gesammelten Kräuter müssen wirklich komplett trocken sein, was einige Zeit dauert. Harze brauchen sogar 1-2 Jahre, ehe man sie verwenden kann.

Wenn man sich also eine Lughnasad-Räuchermischung zusammenstellt, greift man in den meisten Fällen auf die letzten Vorräte aus dem Vorjahr zurück. Was liegt da näher, als den Kräuterbuschen des letzten Jahres als Basis für die heurige Schnitterfest-Mischung zu nehmen? Sofern er noch nicht aufgebracht ist, natürlich.

Juli-August sind ein guter Zeitpunkt um die Räuchermittel aufzubrauchen, die vom letzten Jahr noch da sind. Zugleich bietet es sich an, die erste Kräuterernte des Jahres in diese Mischung miteinzubeziehen. Damit verbindet man sich zugleich auch mit der Kraft des Vorjahres – baut also auf den Wurzeln der Vergangenheit auf – und holt sich die neue Kraft und Energie des heurigen Jahres in seine Mischung.

Klassisch für eine Schnitterfest-Lughnasad Mischung wären zum Beispiel

  • Johanneskraut
  • Beifuß
  • Salbei
  • Rosmarin
  • Föhrenharz
  • Eschensamen
  • Rose
  • Labkraut
  • Lavendel

Da wir nun in der Zeit der Fülle sind, ist die Auswahl groß. Lass dich von dem inspirieren, was da ist und wonach du Lust hast. Achte darauf, dass sich alle Elemente in der Mischung befinden, du auch etwas Erdendes dabei hast und zugleich genug Luft, um eine duftende Verbindung zwischen Himmel und Erde zu schaffen. Wie immer ist die Nase, der Geruchssinn, hier die beste Lehrerin – hör auf sie.

Kraeuterspaziergang Storl 2013 002 - Lughnasad, das Schnitterfest: Rituale allein oder in der Gruppe

Alle Teile der Serie zu Lughnasad – das Schnitterfest:

Jahreskreis LughnasadSegment 150x150 - Lughnasad, das Schnitterfest: Rituale allein oder in der GruppeTeil 1: Lughnasad, das Schnitterfest: Geschichte & Ursprung
Teil 2: Lughnasad, das Schnitterfest: Die Jahreskreisenergie
Teil 3: Lughnasad, das Schnitterfest:: Brauchtum & Symbole
Teil 4: Lughnasad, das Schnitterfest: Rituale allein und in der Gruppe

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