Buchtipp: Verschwundene Bräuche

verschwundeneBraeuche1 - Buchtipp: Verschwundene Bräuche

Wenn ich dieses Buch ein Jahr früher entdeckt hätte, hätte ich mir einiges an Recherchearbeit für meine Artikelserie über die Monate im Jahreskreis erspart. So habe ich mich im Dezember darüber gefreut, als alles schon geschrieben war.
Aber weil es ja immer noch etwas zum Entdecken gibt, ist das gar nicht so schlimm ;-)

Das schön gestaltete Buch wurde von Helga Maria Wolf verfasst – am Cover herrscht rein optisch mehr der Sepp Forcher vor, der einige Beiträge geschrieben hat. Der Untertitel „Das Buch der untergegangenen Rituale“ stimmt mich persönlich ein wenig melancholisch, trifft auf Teile aber zu. Man hat dennoch ein wenig das Gefühl, die Vergangenheit in Form einer Ausstellung über eine fremde, frühe und nun ausgestorbene Kulturen zu sehen und ich habe mich an den Film „Das Fest des Huhnes“ erinnert gefühlt.

Das wären aber alle Kritikpunkte, die mir einfallen.
Es ist ein sehr einfühlsam verfasstes Buch rund um unsere alten Brauchtümer und Rituale, ein Festhalten dessen, was für die Gemeinschaften früher selbstverständlich war. Die regionalen Besonderheiten werden sehr sensibel vorgestellt und man hat nie das Gefühl, dass hier gewertet wird. Die Reihung der Vorstellungen ist alphabetisch, dazwischen sind die Beiträge von Sepp Forcher, der saisonale Bräuche thematisch zusammenfasst.

Besonders gut haben mir die vielen, teils sehr alten Fotos und Illustrationen gefallen. Über einen Brauch zu lesen ist das eine, ein Bild davon zu haben, etwas ganz anderes.

Auch wenn es eigentlich ein Lexikon ist, lässt es sich gut und flüssig lesen. Viele Beiträge sind themenübergreifend, zum Beispiel:

Ohren

Die Ohren als wichtige menschliche Sinnesorgane waren mit einer Reihe populärer Vorstellungen verbunden. Der Arzt und Philosoph Paracelsus (1493 – 1541) bewertete große Ohren als Zeichen der Gesundheit, Intelligenz und des guten Charakters. Sterbenden soll man etwas Gutes ins Ohr flüstern. Mittelalterliche Bilder symbolisieren Mariä Empfängnis, indem ein Lichtstrahl in ihr Ohr dringt.

Das Ab- oder Einschneiden der Ohren war eine Verstümmelungsstrafe. Schlitzohr meinte ursprünglich einen durch eine solche Strafe gekennzeichneten Betrüger, auch Dämonen stellte man sich schlitzohrig vor.
Ohrfeigen (Feg – Streich) waren ein Zeichen der Herrschaftsausübung, die sich im Ritual der römischen Freilassung (letzte Ohrfeige) fanden. Jemanden an den Ohren zu ziehen war beim -> Gmarischauen oder bei Vertragsabschlüssen üblich, um die Erinnerung zu stärken.

Der Männer-Ohrring (Flinserl) aus Gold oder Silber sollte das Sehen verbessern und vor dem bösen Blick schützen

Das Buch liest man nicht von vorne nach hinten, sondern kreuz und quer. In den Texten sind die Begriffe, zu denen es eine weitere Erklärung im Buch gibt, mit einem Pfeil gekennzeichnet (Bsp. -> Gmarischauen*). Daher das Hin- und Herspringen im Inhalt, was zu immer neuen, spannenden Entdeckungen führt.
Rein zeitlich streift es zwar fallweise die vorchristliche Geschichte, geht aber in den meisten Fällen nicht soweit zurück.

Wer einen tieferen Einblick in die kulturelle Geschichte unserer Heimat bekommen möchte und wissen will, woher sich manche Bräuche entwickelt haben und welche regionalen Besonderheiten es gegeben hat (und noch immer gibt!), für den ist dieses Buch ein wertvolles Nachschlagewerk und guter Lesestoff.

*Gmarischauen ist übrigens das gemeinsam Abgehen der Gemeindegrenzen und ihre Markierung mit Erdhügeln (-> Lewergehen)ein Frühlingsritual, dass meist zu Georgi (24. April) stattfand. … hat mir das Buch verraten ;-)

Verschwundene Bräuche

Das Buch der untergegangenen Rituale

verschwundeneBraeuche2Da Buch gibt es als Hardcover (34,90 €) und E-Book (19,99 €). Ich empfehle das Hardcover, weil die Fotos wirklich toll und gedruckt sehr schön sind. Auf der Seite des Verlages gibt es eine Leseprobe.

Das erste umfassende Lexikon der untergegangenen Rituale.
Das ideale Geschenkbuch für jedes Lebensfest.
Authentische Geschichten von Bestseller-Autor Sepp Forcher
(Verlagstext)

ISBN 978-3-85033-907-0
Verlag Brandstätter (hier gehts zur Verlagsseite des Buchs)
Format: 17 x 24 cm
224 Seiten, 80 Abbildungen
Hardcover mit Lesebändchen

Bestellen kann man es entweder in der Buchhandlung seines Vertrauens oder hier, direkt beim Verlag.

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