Schreiben und Wandern in der steirischen Krakau

Krakau2018 MiASchara 139 - Schreiben und Wandern in der steirischen Krakau

Ich schreibe gern.
Ich wandere gern.
Ich liebe die steirische Krakau.
Und wenn einem dann die GöttInnen des Zufalls eine Paket präsentieren, wo diese drei Dinge miteinander verbunden sind – tja, das nennt man dann wohl Schicksal ;)

Petra Schwiglhofer hat diesen besonderen Workshop angeboten und Mitte Juli 2018 hat es dann terminlich auch bei mir gepasst (Zufall, eh scho` wissen ;)
Von Donnerstag Abends bis Sonntag Mittag, vom Ankommen bis zum Abfahren: Genusstage fürs Herz, Erholzeit fürs Hirn und doch auch einiges an wohltuender, sportlicher Herausforderung fürs Körperchen.

Die Höhenmeter hab ich nicht gezählt, die Schritte noch weniger, aber Petra hat uns im Nachinein gesagt, wieviele Weidenübertritte wir am Weg passierten – um die 25.
Wir hatten zwei ganztägige Wanderungen in einer der schönsten Gegenden Österreichs und einen sanften Wanderspaziergang als Abschluss am Sonntag, zu ausgewählten, spürenswerten Plätzen.

Die Strecken, die wir absolvierten, wären sicher auch flotter zu bewältigen gewesen und rein von der Gehzeit her sind für diese Wege zwischen 4 und 5 Stunden veranschlagt. Aber wer nur wandert, um zu gehen, der kann auch auf einem Laufband Kilometer absolvieren.
Und es ging ja auch nicht nur ums Wandern, sondern auch ums Schreiben … und ums Natur spüren, ums Luft holen, Durchatmen, Innehalten, Ausatmen, ums Staunen und Wundern, ums Waldleben inhalieren und Naturschönheit erleben.

 

Die Schreibphasen waren gut zwischen den einzelnen Wegstrecken arrangiert. Und wer nun glaubt, dass hier literarische Kunstprojekten, Bücher, Essays und Kurzgeschichten entstanden sind: Weit gefehlt – das war nicht der Sinn des Ganzen.

Es ging ums freie Schreiben, ums Freewriting: Einfach die Worte herausfließen lassen, wie es einem einfällt, ohne vorher lang zu denken, ohne Konzept, ohne Plan, ohne bewusstes Thema, ohne Grenzen. Einfach Schreiben, wie es einem das Herz und die Seele in die Hand diktieren … sich einfach frei schreiben.

Ein kleiner Auszug:

  • Wir haben unseren inneren und äußeren Standort bestimmt – indem wir ihn mit Stichworten beschrieben haben.
  • Wir haben seriell geschrieben – dabei wird ein Satzanfang vorgegeben, der dann frei weitergeführt wird. Der nächste Satz beginnt dann wieder mit der Vorgabe, die wird immer geschrieben, aber der Satz endet immer anders … wie es einem gerade einfällt.
  • Und wir haben auch versucht so schlecht als möglich zu schreiben ;-) Was zu sehr heiteren Ergebnissen geführt haben, die nicht wirklich schlecht, sondern in einem sehr witzigen, spannenden Stil gewoben waren.

Ein besonders schöner „Schreibprozess“ war das Schreiben in die Landschaft: Landart
Das ist, wenn man aus den (natürlichen) Dingen, die vor Ort zur Verfügung stehen, etwas bastelt, installiert, als Collage in die Landschaft setzt. Es ist eine sehr vergängliche Kunst und das ist auch der Sinn dahinter.
Als Kinder haben wir das gern gemacht und es „Spielen im Wald“ genannt. Es als Erwachsene nun wieder zu „dürfen“ war ein sehr besonderes, genussvoll-spielerisches Erlebnis.

Im Anschluss an das Gestalten wurde das Geschaffene dann noch beschrieben. Mein eher launiges Ergebnis gibts nachstehend. Auch damit ihr seht, dass es wahrlich nicht darum ging, ein Kunstwerk zu schaffen. Das es Spaß gemacht hat, habe ich, glaub ich, schon geschrieben ;)

 

Landart – in die Landschaft schreiben
Aufgabe: Zuerst ein „Kunstwerk“ schaffen, aus dem was gerade da ist, und dann schreiben, wie es einem dabei ergangen ist.
  1. … Kopfweh … mag nicht
  2. Ok, kann ja Spaß machen
  3. Auf zur Fichte
  4. Juhu, alles da!
  5. Scheiße … und alles voll davon
  6. Grmpf.
  7. Dann auf zur anderen Seite
  8. Yep, da gehts besser
  9. Juhu, Fichtenharz gibts auch
  10. Blitzholz, Stecken, Zeug …
  11. … keine Inspiration … ich mag iwie nicht.
  12. Holz hochgehoben
  13. Menschenscheiße gefunden
  14. Flucht
  15. Grant – Jetzt erst recht!
  16. Dann halt im Fichtenschatten
  17. Bogenförmige Äste
  18. Ein Kreis oder Labyrinth bietet sich an
  19. Und Kuhfladen everywhere …
  20. A scho wurscht …
  21. Integrieren?
  22. Bogen um Bogen …
  23. … immer enger.
  24. Ein Kreislauf … und die Scheiße ist überall.
  25. Blitzholz daneben legen
  26. In eine Linsen/Yoniform gebettet
  27. Ausgeschmückt
  28. Nachgebessert
  29. Hingesetzt & beschrieben
  30. Einen Namen dafür gefunden:

Der Kreislauf des Lebens ist vom Stoffwechsel geprägt.

Träumen in der Zirbe - Bild: Petra Schwiglhofer

Träumen in der Zirbe – Bild: Petra Schwiglhofer

Besonders fein und für mich der sanfte Höhepunkt dieser Tage waren die stillen Momente:
Wenn wir in der Gruppe bewusst geschwiegen haben, um einen bestimmten Wegabschnitt besser mit den Sinnen wahrnehmen zu können.
Oder wenn sich jede zu einem Platz zurückgezogen hat, um für sich alleine zu schreiben und mit der Natur zu kommunizieren. Das hat für mich immer eine sehr feine, heilsame Komponente. Denn dann spricht die Natur direkt und ohne Umwege zu einem und man hat den Raum und die Möglichkeit, das auch bewusst wahrzunehmen.

Petra hat uns auf eine ganz besondere und sensible Art durch diese Tage geführt. Nicht nur wandertechnisch, sondern auch organisatorisch und schreib-motivierend. Die jeweiligen Texte sind alle sehr individuell und fallen für mich schon fast in den therapeutischen Bereich. Man bekommt endlich mal den Kopf frei und beginnt vermehrt mit dem Unterbewusstsein, dem Bauchhirn, zu denken und zu kommunizieren. Insofern haben sich die Worte und Sätze, die aus den Stiften geflossen sind, nicht nur aufs Papier geschrieben.

Die Gruppe, mit der ich unterwegs war, war einfach toll, mit einer großen Bandbreite an Individualität. Da wurde viel gelacht, ausgetauscht und auch viel ungesagtes besprochen. Das geht auch nicht mit jedem und darum war auch diese Gruppenzusammensetzung für mich ein besonderes (=zufällig mir zugefallenes ;) Geschenk.

 

Petra macht heuer noch einmal einen solchen Workshop, im September. Wen das anspricht, der sollte sich beeilen mit der Anmeldung. Denn auch Petra arbeitet nur mit Kleingruppen, die Plätze sind also entsprechend rar.

Weitere Infos, Kosten und Anmeldemöglichkeiten, sowie ein paar Bilder und Eindrücke rund um diesen besonderen Workshop gibt es hier: Schreiben und Wandern – Frischluft zwischen den Zeilen.

Info:
Der Beitrag wurde NICHT gesponsert. Es handelt sich um eine unbezahlte, unbestellte Empfehlung. Ich habe mir sowohl den Workshop als auch das Quartier selbst finanziert. 

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