Gedankenwäsche & Sorgenkinder

holzmaennchen - Gedankenwäsche & Sorgenkinder

Vor 1-2 Wochen, da war noch alles in Ordnung – gedankenmäßig. Die üblichen Probleme, die man halt so hegt und pflegt. Dazu ein paar Sorgen, die man herbeiruft und von Maus auf Elefantengröße aufbläst. Dann kam Japan und seither ist alles anders – in Gedanken.

Gestern hab ich mir meine Sorgen mal wieder angesehen. Seltsam klein und mickrig sind sie da vor mir gesessen und haben mich fast treuherzig angeblickt. Ob ich sie eh noch mag, haben sie gefragt. Weil ich mich in letzter Zeit so wenig um sie gekümmert habe. Ich gebs zu, ich war etwas ungehalten und hab was von „Anderen gehts viel schlechter“, „die armen Menschen dort“ und „euch und den Rothschild sein Geld“ gemurmelt. Hab mich auch ein wenig geschämt, dass ich diese meine Sorgen so groß hab werden lassen in Gedanken.

Daraufhin haben sie mich an der Hand genommen und weise erklärt: „Wir sind auch wichtig. Nicht immer gleich, manchmal mehr und manchmal weniger. Aber hättest du uns nicht, wärst du nicht bereit was zu tun, damit wir verschwinden, damit sich was verändert. Wären wir nicht, würdest du der Meinung sein, es ist gut so wie es ist und nichts mehr tun wollen.“

Diese Logik hat mir nicht wirklich eingeleuchtet und das hab ich ihnen auch gesagt. Wie kann ich mich mit (aus heutiger Sicht) kleinlichen Dingen belasten und meinen Sorgen vielleicht gar dankbar sein, wenn andernorts Menschen in Trümmern sterben, vor dem Nichts stehen, die Welt zusätzlich einer grauenvoll, strahlenden Zukunft entgegensieht?

Ein Sorgenkind ist dann hervorgetreten, ich glaube es war die Sorge um die Kinder, und hat mir den Arm um die Schultern gelegt: „Schau, vor Japan haben wir dein Denken beherrscht, haben dich auf Trab gehalten. Dir manche Nacht geklaut und auch tagsüber den Blutdruck dann und wann ein wenig erhöht. Aber ist es nicht so, dass dir einfach fad wär, wenn du uns nicht hättest? Was würde dich denn motvieren etwas zu tun, etwas zu ändern oder deine Kreativität auf Höchstleistung laufen zu lassen, damit wir nicht übermächtig werden? Ohne uns wärst du nicht so produktiv.“

Kennt ihr das? Wenn euch wer sprachlich „schachmatt“ setzt und ihr nicht mehr wisst, was ihr ihm oder ihr antworten sollt? … so ist es mir gegangen. Ich wusste nicht was ich antworten soll. Ein kategorisches „Nein“ hätte mein Gewissen nicht zu gelassen. Gegen das „Ja“ sträubt sich der Stolz und ein „Na, ja …“ geht ja schon gar nicht.

Nach kurzem Nachdenken hab ich dem Sorgenkind die Hand gegeben und mich für die Begleitung bedankt. Ist ja nicht seine Schuld, dass es da ist. Ich hab sie ja herbeigerufen, gehegt und gefüttert und ich bin diejenige, die den Antrieb zum Tun auf diese Art und Weise offenbar braucht.

Oder vielleicht auch nicht mehr – denn der Kopf ist bekanntlich rund, damit das Denken auch mal die Richtung ändern kann. Sorgen sind auch Lernpartner und bringen einem so manches bei, auch Sachen, die wir unter Umständen vielleicht nicht lernen wollten. Zum Beispiel die klare Sicht auf sich selbst und das Wissen, dass man es gut hat, solange man nur diese Sorgen als Begleiter hat – verglichen mit anderen Mitmenschen, die gerade ums kollektive Überleben kämpfen. Oder zeigen, dass man seine Motivation aus einer Nothandlung heraus aktiviert – anstatt mit einer Freudehaltung kreativ zu handeln. So ein Spiegel, den frau da vorgehalten bekommt, der kann einem im harten Frühlingslicht ganz schön hart die Wahrheit zeigen. Autsch! – Danke, ich habs verstanden (hoffe ich).

Der Frühlingsregen ist übrigens eine gute Möglichkeit die Kopfsorgen mal zu waschen und dann zum Trocknen an die Sonne zu hängen. Manche gehen dann vielleicht ein, wie ein zu heiß gewaschener Wollpullover. Tja, wenn das passiert kann man den Frühjahrsputz ein Stück weitertreiben und die Sachen, die einem nicht mehr (in den Kram) passen beim Altwaren-Container entsorgen. Über abgelegte Kleidung freut sich die Caritas und diverse Tauschzentralen. Vielleicht freut sich über abgelegte, nicht mehr benötigte, zu heiß gewaschene Sorgen ja auch wer?

P.S.: Wer den Kopf mittels Frühlingsluft von den Winter- und anderen Sorgen freiräumen will: die nächste Kraftplatz-Wanderung bietet den idealen Rahmen dafür! ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.