Februargedanken

Knospe Winter - Februargedanken

Oder: Lasset das Putzen beginnen!

„Bis Mitternacht hast du ja noch Zeit.“

Was wie ein Auszug aus einem klassischen Märchen klingt, ist meine „Irish Mum“, mit der ich mich am 2. Februar vormittags via Telefon unterhalte. „Heute ist Brigid,“ sagt sie.
„Ich weiß“, sag ich, „Das nennt man bei uns Lichtmess und da wird die Weihnachtsdeko abgeräumt.“

„Und, wie weit bist du?“

Mein Blick fällt auf die weihnachtlichen Dekorationsstücke, die noch einzeln und sehr verloren herum hängen oder stehen: Das weihnachtliche Platzdeckchen am Couchtisch, die roten Kerzen am Esstisch, ein Weihnachtsmänner-Mobile baumelt freudlos von der Deckenleuchte, ein Fensterbild, das im Luftzug leise scheppert und an dessen Melodie ich mich mittlerweile gewöhnt habe, der Mistelbusch im Vorzimmer …

Was zu Beginn der Adventzeit einen geheimnisvollen weihnachtlichen Zauber versprüht hat, ist mittlerweile zur Alltagsdeko mutiert, hat den Reiz verloren, aber dafür einiges an Staub angesetzt. Der Weihnachtsbaum wird bei uns seit eh und je am 6. Jänner abgeerntet. Ein paar Tage später sammelt die Gemeinde die leeren Bäume ein und wir haben wieder ausreichend Platz im Wohnzimmer. Doch der Rest an Weihnachtskram darf immer noch ein paar Wochen bleiben. 

Ich wandere durchs Haus und sammel ein, was von den Feiertagen übrig geblieben ist. Ein Stück nach dem anderen wird es lichter und klarer. Dabei wird auch jede Menge Staub aufgewirbelt – mental und real. Als ob man erst jetzt so wirklich ganz und gar Abschied nimmt vom letzten Jahr, die Zeit zwischen den Jahren abschließend loslässt und sich frei macht für das, was da nun kommen mag.

Einmal begonnen mit dem Aufräumen, kehrt auch die Lust am Umgestalten und neu dekorieren zurück. Und der Drang zu putzen. Ich bin keine penible Hausmammsell, meine Burg hat immer einen guten Touch Alltagspatina. Hier leben Menschen und ein Hund, das sieht man und das darf man sehen.

Dennoch: Als würde mit dem Wegräumen der, nun als zu kitschig und überflüssig empfundenen, Utensilien eine Schutzschicht abgezogen, packt mich das Bedürfnis hier mal wieder gründlich Ordnung zu schaffen. Aufwaschen, Staub wischen, rumräumen und Zeug entsorgen. Noch kein richtiger Frühjahrsputz, eher der Wunsch nach Klarheit und Ordnung im Außen.
Wenn ich es richtig betrachte, dann nicht nur im Außen, sondern auch innen drin. Im Jänner konnte ich mich noch gemütlich auf den Vorsätzen ausruhen. Nun stehen sie vor mir und verlangen Auskunft über ihre Umsetzung.

Ein Putztick ist auch eine Form von Prokrastination und meine Immer-wieder-Taktik, wenn ich nachdenken will. Beim Aufräumen, Wischen und Säubern sortieren sich meine Gedanken. Wage Ideen werden auf Umsetzungsfähigkeit abgeklopft, Pläne bekommen Struktur und die physische Ordnung wirkt sich klärend auf mein kreatives, inneres Chaos aus.

FannySchnee 300x225 - FebruargedankenDas Wetter schwankt zwischen „Hört dieser Winter nie auf!“ und „Der Dreck ist grottentief“. Unser putzmunteres Hundemädchen hüpft in jeder Wetterlage ausgelassen herum. Das sie gelernt hat Türen zu öffnen ist allerdings weniger lustig. Speziell im Fall steigender Temperaturen, die das Gatschvorkommen erhöhen. Schlammpfoten auf eben gewischten Böden und hellen Teppichen sind etwas, was mich zu jeder Jahreszeit, von jetzt auf gleich, hochgrantig werden lässt.

FannyFluss 300x225 - FebruargedankenWenn ich im Weihnachtsloslassputztrieb bin, kann das mitunter dann radikal ausgehen – sprich: Badewanne nach Hundespaziergang. Und das Odeur nach nassem Hund gesellt sich zu dem zarten Duft meiner Putzmittel.

Weiter gehts im Aufräumtrieb. Wie eine schwangere Katze hab ich das Bedürfnis mein Nest auszugestalten. Noch hängt der Winter überall, innen und außen. Aber ein wenig heller ist es schon und ein paar Tage nach dem Telefonat mit meiner Irish-Mum wache ich zur üblichen Zeit auf, aber draußen ist es nicht mehr stockdunkel. Es ist heller. Endlich.

Mitte Februar dann landet eine einsame Narzisse im Briefkasten – der Valentinstag dräut heran. Eine der örtlichen Parteien hat das Verteilen von einzelnen Schnittblumen zu einer lokalen Tradition erhoben. Jahr für Jahr ärgere ich mich darüber. Denn das zarte Blümchen wird ungeachtet der Außentemperaturen in den Briefkasten gestopft oder an die Türe geklemmt. Meist finde ich es zu spät und muss den gefrorenen Leichnam dann sofort einer kompostierenden Beerdigung zuführen. Fallweise wird auch noch ein Kartengruß an ein Blatt getackert und ich frage mich nicht zum ersten Mal, wann die Menschheit aufgehört hat, Pflanzen als Lebewesen wahrzunehmen.

Schneegloeckerl 300x224 - FebruargedankenBeim Spaziergang entdecke ich die ersten prallen Knospen an den Bäumen und stellenweise wird die Schneedecke von den vorwitzigen Spitzen der nun wach werdenden Zwiebelblüher durchbrochen. Meine Krokusse tasten sich langsam ans Licht, deto die Tulpen, Narzissen und hinten im Garten krabbeln die Schneeglöckchen leise aus ihrem Unterschlupf.

FruehlingFluss 300x225 - FebruargedankenIrgendwann macht es dann auf einmal einen Sprung, leise, unhörbar, aber nichts desto trotz intensiv spürbar – der Winter hat losgelassen und die Zeichen drehen sich Richtung Frühling.

Die Natur hat sich von ihrem Weihnachtsputz getrennt, aufgeräumt und klar Schiff gemacht.

Das Neue darf kommen – der Februar ist da.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere