Der Claddagh-Ring

claddagh rings - Der Claddagh-Ring

Mein erster Claddagh-Ring (sprich Klädda) war simple, aus dünnem Silber. Ich bekam ihn als Jugendliche, beim Abschied von einem Besuch bei meiner irischen Friends-Family, bei der ich einige meiner Sommerferien verbrachte. Ich habe ihn lange getragen bis er eines Tages auseinandergebrochen ist.

Später hatte meine Mutter einen, den mein Vater ihr anlässlich eines Besuchs auf der grünen Insel geschenkt hat. Er war viel aufwendiger, aus Gold, mit Diamanten und einem leuchtend grünen Smaragd. Er war einer der Ringe, die sie so gut wie immer getragen hat.
Nach ihrem Tod ging er an mich über, in klassischer Claddagh-Ring-Tradition. Ich trage ihn selten, weil er so wertvoll und filigran ist, dass ich Angst habe, er könnte kaputt oder verloren gehen. Aber ich weiß, dass er da ist und schau ihn mir gerne an.

Der Claddagh-Ring ist, nach dem grünen Kleeblatt und den Leprechaun-Kobolden, eines der bekanntesten Symbole Irlands: zwei Hände, die sanft ein gekröntes Herz halten.

Bei meinem letzten Aufenthalt auf der grünen Insel war ich auch kurz im Claddagh-Ring-Museum in Galway und habe dort meine Infos rund um dieses zauberhafte Schmuckstück aufgefrischt. Die restlichen Lücken hat Mae, meine dear Irish-Mum gefüllt.

Die Geschichten hinter diesem gälischen Ring sind klassische, irische Legenden:

Richard Joyce lebte im kleinen Fischerdorf Claddagh, das heute ein Vorort von Galway, einer Stadt an der Westküste Irlands, ist. Er war verlobt und die Hochzeit schon so gut wie fixiert, als er von algerischen Piraten gefangen genommen wurde, die ihn als Sklave verkauften. Sein Herr war ein arabischer Goldschmid.

Richard selbst war todunglücklich, wusste aber keine Möglichkeit, aus der Gefangenschaft zu entkommen und nach Hause, zu seiner geliebten Verlobten zu kommen. Da er geschickt war, durfte er nach einiger Zeit seinem Herrn helfen und lernte so das Goldschmiedehandwerk. Dabei stellte er sich so gut an, dass er nach einiger Zeit selbst seinen Meister übertraf. Der war begeistert von seinem Lehrling und meldete ihn zu einem Wettbewerb an, bei dem ein Schaustück produziert werden musste.

Richard stürzte sich in den Entwurf, legte sein ganzes Herzblut und vor allem seine Sehnsucht nach seiner Verlobten hinein. Das Ergebnis war der Ring mit den Händen, die das Herz mit der Krone halten. Die Jury war begeistert, Richard gewann den Wettbewerb und sein Herr schenkte ihm die Freiheit.

Zuhause in Claddagh hatte seine Verlobte Jahr um Jahr gehofft und gebetet, dass ihr Liebster wieder nach Hause käme. Keiner der anderen glaubte mehr an eine Rückkehr, außer ihr. Eines Tages, als sie wieder verzweifelt auf den Knien in der kleinen Kirche betete, stand plötzlich Richard vor ihr. Die beiden glücklich Wiedervereinten fielen sich in die Arme, das ganze Dorf jubelte und alsbald wurde Hochzeit gefeiert – und Richard steckte den Ring seiner Braut an den Finger.

Eine Version dieser Legende gibt es auch als Lied:

Claddagh Ring (Original Song)

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Der Claddagh-Ring wird normalerweise in der weiblichen Linie weitergegeben, von der Mutter zur Tochter, fallweise auch an die Söhne. Entweder an deren Hochzeitstag oder als Erbe. Und natürlich wurde und wird er auch als Hochzeitsring genutzt.

Je nachdem, an welche Hand und in welcher Richtung man ihn ansteckt, gibt er der Umwelt bekannt, ob man Single, verlobt oder vergeben ist. Zwar gibt es auch hier verschiedenen Interpretationen, aber die gebräuchlichsten sind diese:

  • Rechte Hand und Herzspitze zur Fingerspitze heißt „ich bin zu haben“,
  • Rechte Hand und Spitze zum Herzen heißt „ich bin in einer Beziehung“,
  • Linke Hand und Spitze zur Fingerspitze heißt „ich bin verlobt“
  • Links und Spitze zum Herzen heißt „ich bin verheiratet“.

Der Ring, seine Symbolik, ist ein sehr umfassendes Liebessymbol. Und auch wenn die obige Geschichte wunderschön ist, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Märchen. Zwar kann man einen Juwelier namens Richard Ioyes (gäl. Version von Joyce) in der Geschichte Claddaghs finden. Aber der Rest der Legende lässt sich nicht bestätigen.

Eine andere Version der Ursprungsgeschichte geht dahin, dass Richard Joyce nicht auf Grund eines Wettbewerbs frei kam, sondern als König William III im Jahr 1689 die Freilassung aller britischen Bürger mit Algerien aushandelte:

Der Goldschmid, bei dem Richard als Sklave lernte und arbeitete, bot Richard die Hälfte seines Vermögens und die Hand seiner einzigen Tochter an, wenn er bliebe. Doch Richard wollte nur nach Hause. In Galway angekommen arbeitete er fürderhin als Goldschmid und entwarf hier erst den berühmten Claddagh-Ring.

Eine weitere, bekannte Geschichte rund um den Ring verbindet ihn mit einer Margaret Joyce, gleichfalls aus Galway stammend:

Sie heiratete einen reichen spanischen Händler namens Domingo de Rona. Nach seinem Tod kam sie zurück in ihre Heimat und nutzte ihren Reichtum um unter anderem Brücken zwischen Galway und Sligo zu bauen. Im Jahr 1596 heiratete sie den Bürgermeister Galways, Oliver Og French. Als man ihr zu Ehren eine Feier gab, kam ein Adler geflogen und ließ einen Ring in ihren Schoß fallen, als himmlische Belohnung für ihre karitative Arbeit. Das war der erste Claddagh-Ring.

Manche vermuten auch einen vorchristlichen Hintergrund in der Symbolik des Ringes:

So steht die linke Hand für Anu, die keltische Muttergottheit, die rechte für Dagda Mór, den keltischen Göttervater. Die Krone repräsentiert Beathauile, den Geist der Insel. Das Herz hingegen sind die Menschen, die von den göttlichen Eltern gehalten, im Geist der Insel leben.

Somit ist der Ring ein Sinnbild der tiefen, liebevollen Verbundenheit mit den ursprünglichen Wurzeln, auf geistigen und weltlichen Ebenen.

Natürlich wurde gibt es auch vom Claddagh-Symbol eine christianisierte Version:

Laut Kirche steht der Ring einerseits für die göttlichen Eigenschaften Jesu (Liebe, Freundschaft, Treue) und andererseits für die Hlg. Dreifaltigkeit.

Zwei weitere Versionen der Geschichte rund um den Claddagh-Ring gehen in eine eher nüchterne Richtung:

So soll der Ring als Erkennungssymbol der Fischer der Gegend gegolten haben, eine Art Siegel und Wappen. Es wurde auf die Segel und die Boote gemalt und ein Fischerboot, dass ohne Claddagh-Ring aufgegriffen wurde, galt als fremder Eindringling, mit dessen Besatzung kurzer Prozess gemacht wurde.

Die sehr wahrscheinliche Geschichte besagt ausserdem, dass der Ring das Symbol der Herrschenden der Region rund um Claddagh war. Der dazu passende Wahlspruch lautet “Let Love and Friendship reign”.

Mit diesen Geschichten ist es wie mit allen Legenden: Ein oder mehrere Funken Wahrheit werden darin sein. So fasst es diese kleine Broschüre gut zusammen:CladdaghRingStory 1024x768 - Der Claddagh-RingEgal welche Geschichte hinter dem zauberhaften Ring steckt: er ist ein kraftvolles Liebessymbol. Um welche Liebe es dabei geht ist meiner Meinung nach bei jedem Ring anders – es hängt davon ab, wer ihn trägt und von wem er überreicht wurde.

Mein Claddagh-Ring ist eine Verbindung zu meiner Mutter und meiner irischen Seelenheimat – zwei gleichermaßen starke Liebesbande und meinem Gefühl nach ist es genau das, was die Symbolik aussagt.

Zum Abschluss noch ein Lied, dass diesen Gedanken und die Geschichten aufgreift und schön zusammenfasst: The old Claddagh Ring, ein irischer Klassiker. Hier in der Version, wie ich das Lied als erstes gehört habe: gesungen von einem der besten Akkordeonspieler Irlands Dermot O ´Brian.

The Ould Claddagh Ring —– Dermot O'Brien + Lyrics Underneath

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Weitere Links und Infos rund um den Claddagh-Ring

History of The Claddagh Ring

4 Kommentare

  1. Margit Polly

    Liebe Mihaela,

    also ich würde diese sensibel und malerisch geschriebenen News sehr vermissen……lehrreich und inspirierend!

    Liebe Grüße aus dem Nachbarort

    Margit Polly

  2. Duerst Ute

    I h würde den Ring ja bestellen für meine Tochter und Mich…aber ich weis nicht wie und was er kostet!

    • Liebe Ute, da kann ich dir leider auch nicht helfen. Claddagh-Ringe gibt es in Irland in unendlich vielen Versionen, von einfach und sehr günstig, bis zu sehr ausgefeilten, exklusiven Versionen.Da ich die Ringe ja nicht verkaufe (nur darüber schreibe ;) und auch keine Werbung hier für einen Anbieter machen will, kann ich dir nur empfehlen, im Web nach einem entsprechenden Shop zu suchen.

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