Almyoga? Almyoga!

Sommerurlaub heißt bei uns Sommerfrische: Irgendwohin, wo die Berge hoch, die Wälder kühl, die Gebirgsbacherl klar und die Schwammerl reichlich vorhanden sind. Heuer war wieder einmal das Lungau an der Reihe und wir „übersiedelten“ eine Woche nach Mariapfarr, in das sonnenreichste Örtchen Österreichs. 
Die ersten drei Tage hat es dann gleich mal geregnet – aber das ist kein Grund zum Granteln, denn: Das ist gut für die Schwammerl und wozu wurde Funktionskleidung erfunden, wenn man ihr keine Möglichkeit zum Funktionieren lässt. 

Wandern, Schwammerl suchen, Berge und Bacherl genießen, Lesen, Ausschlafen – so war unser Plan. Und dann: „Schau mal, das ist was für dich: Almyoga!“ Mein Mann hatte das Wochenprogramm der Region entdeckt und etwas gefunden, das meinen pawlowschen Reflex aktivierte: iwas-mit-Yoga! In der Natur? Völlig klar: Das muss ich mir anschauen. 

Das Angebot stammt vom Tourismusverband Mauterndorf und die Yoga-Session fand direkt am Grosseck statt. Ein kurzer Anruf, weil das Wetter doch sehr wankelmütig war, aber „Klar, findet statt. Der David erwartet euch bei der Talstation!

Also Rucksack gepackt, hinüber nach Mauterndorf und pünktlich um 13:30 ging es mit David und 4 anderen Almyoginis hinauf auf knapp 2.0m, zur Bergstation.

Der sehr sympathische Guide ließ uns erst mal ein paar Lockerungsübungen machen – mit Blick auf die atemberaubende Kulisse des Tals tief unten. Da werden nicht nur die Gelenke locker, auch der Kopf atmet auf und die Gedanken rutschen hinunter, ins Tal, sind nicht mehr wichtig.

Einzig der Lärm der nahen Gondelbahn war ein wenig nervend. Aber die ließen wir dann bald hinter uns. Denn für die eigentlichen Übungen ging es ein Stück den Berg hinauf, zu einem schönen Platz, abseits der, auch im Sommer viel begangenen, Wege. 

Und hier, in der wunderbaren Natur, die Berge im Blick, kam dann die erste Mutprobe: Schuhe ausziehen und bloßfüßig weiter – weil Yoga in Bergschuhen dann doch nicht das Wahre ist.

Ich gehe den ganzen Sommer über bei jeder nur möglichen Gelegenheit bloßfüßig, habe also insofern keine Probleme mit Steinen und dergleichen. Aber hier, auf der Alm? Nun, was soll ich sagen – das Gefühl der Achtsamkeit und des im Augenblick, im Hier und Jetzt Seins, bekommt angesichts zahlreicher Kuhfladen, denen man ausweichen muss, und dem sehr unebenen Boden, einen ganz neuen Aspekt ;-)

Tiefes, dichtes Moos, daneben der Almrausch (stachelig!), dann wieder das kurze, harte Almgras … und natürlich die besagten Kuhfladen, in allen Aggregatszuständen. 

Nach ein paar Schritten alleine kam dann die nächste Herausforderung: Eine Vertrauensübung – die Augen schließen und sich von einem Partner führen lassen. Vorbei an den Kuhfladen, über Steine und diese typischen „Berg-Kamelhöcker“, durchs Moos und niedrige Sträucher – ein sehr spezielles Sinneserlebnis, nicht nur für die nach wie vor bloßen Füße. 

Das hat nun nicht unbedingt was mit Yoga zu tun, aber dann irgendwo schon auch. Man konzentriert sich komplett auf seine Füße, versucht quasi mit den Zehen zu sehen (Nein, Hühneraugen sind da nicht hilfreich ;) und hofft gleichzeitig, dass der Partner mit Adleraugen und ausreichend guten Reflexen ausgestattet ist (ich sags nochmal: Kuhfladen. Tun zwar nicht weh, aber so wirklich will man die dann doch nicht spüren). 

Das Wetter war mit knapp 14 Grad zusätzlich spannend. Andererseits hat man dann auch gleich einen leichten Kneippeffekt. So richtig kalt war der Boden aber nicht, dazu war es die Wochen zuvor warm genug gewesen. Das Ressentiment, bei diesen Temperaturen ohne Schuhe herum zu gehen, war also eher eine Kopfsache. Und auch interessant das zu erfahren. 

Sucht euch ein schönes Platzerl und dann haltet mal inne – schauts ins Tal und spürt, was das mit euch macht!

Zum Yoga gehört auch das Meditieren und ich gestehe: das war meine Lieblingsübung. „Mein“ Platzerl hatte ich rasch gefunden und wenn ich nicht auf das Folgende neugierig gewesen wäre, wäre ich vermutlich da gleich sitzen geblieben, bloßfüßig und mit Blick ins schöne Tal.

Aber das Programm war ja Yoga und darum: Aufstehen und zur Gruppe, wo schon jeder versuchte sich ein halbwegs gerades Plätzchen zum Üben zu finden. Im Stehen wars ja noch kein Problem. Doch der Vierfüßer-Stand, die Hasen- bzw. Kindstellung und die Bauchlage erforderten dann doch ein wenig mehr Überwindung. Tags zuvor hatte es heftig geregnet und der Boden war weich, nass, kühl … aber auch warm, schwingend, nachgiebig … alles in einem und in Summe: supertollfeinspannend!

Die Yogamatte lag natürlich zuhause, also musste meine Jacke als Ersatz herhalten und den Rest besorgte das Sitzkissen, dass sich zufällig im Rucksack fand. 

Die Übungseinheit selbst war in Summe kurz, durch die Umgebung aber besonders intensiv. David erklärte und zeigte vor, wir folgten nach, so gut es eben ging. Die Asanas selbst waren klassisch und eher einfach, durch den unebenen Boden aber dann doch wieder anders und so auch herausfordernder. Und es ging wesentlich lustiger zu, als bei einer klassischen Indoor-Yogaeinheit. Wer in Bauchlage auf Kuhfladenhöhe mit dem Almboden kommuniziert, der ist wahrlich gut geerdet und Lachen ist eine super Bauchmuskeltraining.

Das Wetter hat gut gehalten. Der Regen kam erst, als wir dann schon beim Hüttenschmarrn in der Skialm saßen – perfektes Timing.

Fazit: So habe ich Yoga noch nie erlebt. Speziell der doch sehr herausfordernde Almboden war, nun ja, eben eine Herausforderung – aber genau das war auch das, was es so intensiv und besonders gemacht hat. Dazu die traumhafte Kulisse rundum, die Schönheit der urigen Landschaft und die sehr nette Begleitung durch David und die anderen Yoginis – ich gestehe: Jederzeit gerne wieder!

Meine erste Begeisterung hab ich dann gleich via Facebook kundgetan:

Und auch vom Tourismusverband gab es einen kleinen Rückblick:

Weitere Infos

Das Almyoga findet im Sommer 2017 jeden Dienstag um 13:30 statt und die Kosten sind überschaubar: 6 Euro für die Fahrt mit der Gondel (Berg und Talfahrt). Wobei wahre Almyogis natürlich zu Fuß rauf und runter marschieren ;) 

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