Kult & Kraftplätze

Jeder Mensch kennt Orte, an denen er sich wohlfühlt und andere, die er meidet. Ich hatte als Kraftplatz in meiner Kindheit einen alten Birnenbaum. Er stand direkt vor unserem Küchenfenster. ein verdrehter, alter knorriger Baum, mit nahezu ungenießbaren “Kletzen”. Im Frühjahr war es immer ein unvergleichliches Schauspiel, wenn er seine Blüten abwarf und unser Haus und den Platz davor “einschneite”.

Ich war wahnsinnig stolz, als es mir im hohen Alter von knapp acht Jahren endlich gelang, den Baum zu erklettern und ich mir in der Gabelung der beiden Stämme ein Nest eingerichtet hatte. Von da an verbrachte ich Stunden auf ihm und er war meine Zuflucht, wenn ich vor diversen Aufgaben (schulischen und elterlichen) geflüchtet war, oder ich mich elend und traurig fühlte. Aber nicht nur als Zuflucht war er mir lieb, auch glückliche Momente teilte ich mit ihm und nirgendwo anders habe ich mich so verstanden und angenommen gefühlt wie bei ihm.

Heute weiß ich, dass er auf einer Wasserader stand, daher sein verdrehter Wuchs. Auch die exponierte Lage auf dem Hügel, wo unser Haus war und er schon lange vorher stand, ist ein Zeichen für einen “kraftvollen” Ort. Ein Radiästhet hat den Platz ausgerutet und uns viel über Erdstrahlen und andere Dinge erzählt.

Aber was auch immer der wissenschaftliche Grund für seine Ausstrahlung war, für mich war er mein Kraftort in der Kindheit und ich bin ihm heute noch dankbar, dass er da war, wann immer ich ihn brauchte.

Für die Wahl eines persönlichen Kraftplatzes ist es nicht wichtig, wieviele Wasseradern sich an diesem Platz kreuzen oder welcher Art die geomantischen Linien sind oder welche frühere Kulturen hier ihre Riten abgehalten haben. Wichtig ist, dass wir uns zu diesem Platz hingezogen fühlen und uns dort wohlfühlen.

Wir nehmen von diesen Orten viel mit und wir lassen auch viel dort von dem, was wir nicht mehr brauchen. Unseren emotionalen Müll, tränen, Krankheit, Schmerz und Trauer, aber auch Dankbarkeit und Liebe.

Mit dieser Website, die für mich und andere ein Archiv sein soll, habe ich mir einen Wunsch erfüllt: all den Orten, die ich bisher kennenlernen durfte und die mir Kraft gegeben haben, eine Erinnerung zu setzen und ihnen auch auf diese Art “Danke” zu sagen.

Und ich lade euch ein, euch auf den weiteren Seiten auf eine virtuelle Reise zu diesen Orten zu begeben.